Medien : Was Kinder vorm PC wollen

Computerspiele müssen nicht immer dumpfe Action sein. Das zeigen die Gewinner des „Tommi“ 2004

Till Frommann,Markus Ehrenberg

Für Kinder ist das fast wichtiger als Sandmännchen, Bücher und Fernsehen geworden: Spielen am Computer. Nur: Welche Spiele sind zu empfehlen, welche nicht? Muss es immer Lernsoftware sein, oder haben auch Spaß-Spiele pädagogischen Wert? Eltern stehen im Kaufhaus vor einer unübersichtlichen Anzahl von Titeln, bald auch wieder zu Weihnachten. Manche Spiele-CD-Roms verführen zu stundenlangem Vorm-Computer-Sitzen, andere machen Kinder nervös und sind geschmacklos. Dass es bei Computerspielen aber nicht nur Gewalt und dumpfe Action gibt, beweist jedes Jahr aufs Neue der Deutsche Kindersoftwarepreis „Tommi“, verliehen vom Berliner Büro für Kindermedien von Thomas Feibel, unterstützt vom Deutschen Kinderhilfswerk und ZDF tivi. Nun wurden – aus einer Vorauswahl von zehn Spielen – die drei besten Spiele 2004 von einer Kinderjury ausgezeichnet. Wir sagen, für wen diese Spiele gut sind.

MIT DER GANZEN FAMILIE

„Sims 2“ (Electronic Arts, ca. 40 Euro) Das Leben als Simulation: Zankerei mit dem Bruder. Liebesgeplänkel. Schulstress. „Sims 2“ ist ein Alltagssimulator, mit dem man das Leben nachspielen kann. Schön und gut – aber Alltagskram hat man doch bereits in der tristen Wirklichkeit. Braucht es da noch eine virtuelle Version für den Computer? Ja, wenn sie so unterhaltsam gemacht ist wie „Sims 2“. Auch kommerziell ist das Spiel ein Erfolg: Innerhalb von zehn Tagen verkaufte sich das Computerspiel über 300 000 Mal. Auch die „Tommi“-Kinderjury war begeistert – erster Platz für „Sims 2“.

Das Spiel lebt von sozialer Interaktion, nicht von dumpfer Action. Man kann täuschend echt wirkende Lebenswelten erschaffen, die nicht nur Kinder interessieren, sondern die ganze Familie. Keine Altersempfehlung vom Hersteller. Am besten: ab vier Jahre.

FÜR BESSERWISSER

„Löwenzahn 8“ (Terzio, ca. 15 Euro) Peter Lustig erklärt die Welt, wie in der gleichnamigen Fernsehserie (Kinderkanal, Sonntag, 15 Uhr). Und das auf sehr unterhaltsame Art und Weise. Videoschnipsel, Bastelanregungen, kleine Lernspiele. Zum Beispiel ein Zuordnungsspiel: Wie heißt welches Körperteil eines Hundes? „Eine gute Mischung aus Spielen und Lernen“, sagt auch Fachjury-Mitglied Iris Erbach von der Zeitschrift „Spielen und Lernen“.

Ein virtuelles Lexikon mit Lernspielen und der lieben Identifikationsperson Peter Lustig. Eltern wissen bei „Löwenzahn“: Das Kind lernt etwas mit diesem Programm. Über Schiffe, Hunde, Wölfe, Morsezeichen und Telekommunikation. Lehrreich, dabei überhaupt nicht langweilig. Empfohlen ab sechs Jahre.

FÜR UNGEDULDIGE

„Trackmania “ (Nadeo, ca. 35 Euro) Rennspiele gibt es eigentlich zur Genüge. „Trackmania“ ist anders. Der Spieler kann sich darin seine eigenen Strecken konstruieren. Hier einen Looping, da ein Hindernis oder eine Sprungschanze – kreativ sein am Bildschirm, danach die eigene, virtuelle Strecke befahren. Gegen gegnerische, vom Computer gesteuerte Fahrer antreten. Eine gute Grafik und eine einfache Spielsteuerung kommen hinzu. Gas geben, Spaß haben, kreativ sein – das alles gewaltfrei. Damit zerkratzen Kinder nicht mehr den Parkettboden der Eltern mit Spielzeugautos. Bei „Trackmania“ lassen sie den Matsch und Modder in Form von Bits und Bytes fliegen. Der Lerneffekt? Nicht sehr groß, aber bei „ echten“ Spielzeugautos gibt es den ja auch nicht. Über das Internet kann man mit anderen Kindern Rennen fahren. Lohn: der dritte „Tommi“-Platz. Keine Altersempfehlung. Am besten: ab sechs Jahre.

FÜR DENKER

„ Fritz & Fertig 2 “ (Terzio, 39 Euro) hat zwar keinen Preis bekommen (dafür 2002), das Schach-Lernprogramm ist aber unbedingt zu empfehlen. Es kam unter die zehn nominierten Programme. „Fritz&Fertig“ ist über 50000 Mal verkauft worden. Um das Schachspiel ist eine kindgerechte Geschichte gestrickt, mit dem Königspaar Weiß, das mal so richtig Urlaub machen will. Die CD-Rom zeigt, dass Mattsetzen auch Spaß machen kann. „Mein Jüngster hat schon mit vier Jahren ,Fritz & Fertig’ gespielt“, sagt André Schulz vom Internet-Portal chessbase.de. Vielleicht sitzt der zukünftige Schachweltmeister schon bei Ihnen im Kinderzimmer. Empfohlen ab acht Jahre.

Im Internet:

www.deutscher-kindersoftware-preis.de

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