Medien : Watteweich wie das Paradies

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Gewisse Themen liegen jetzt in der Luft. Zum Beispiel die Frage nach dem Paradies. Im Grunde ist das Paradies nichts anderes als das größte aller denkbaren Weihnachtsgeschenke. „Das Glück im Plural“ nennt Astrid Mayerle ihr Feature über paradiesische Fantasien aller Art. Von den detailreich ausgemalten Jenseitsgenüssen im Koran und biblischen Paradiesgärten voll naiver Harmonie. Nicht zuletzt geht es um die zahllosen Versuche, ein Paradies auf Erden zu schaffen. Um Gesellschaftsexperimente, die mit herrlichen Hoffnungen begannen und in einem blutigen Alltag endeten (Deutschlandradio, 23. Dezember, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Rainer Schildbergers Feature „Sensucht nach Stille“ widmet sich einer Paradiesvorstellung, die uns regelmäßig zu Weihnachten heimsucht. Es möge endlich einmal Stille sein. Draußen in der tobenden Stadt und drinnen in der ewig begehrenden Brust. Spätestens am 24. Dezember nachmittags sollte sich ein watteweicher Vorhang über die Welt senken. Im Feature hören wir geplagte Großstadtbewohner, die ihre Lärmphobien wortreich ausmalen. Dagegen stellt der Autor die paradiesische Gegenwelt des Trappistenklosters Mariawald in der Nordeifel (Kulturradio, 24. Dezember, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Während der Nachwuchs am Feiertag die neuen Märchenkassetten hört, könnten sich die Eltern für das bizarre Leben der Brüder Grimm interessieren. In ihrem Feature „Wir wollen uns einmal nie trennen“ erzählt Autorin Dagmar Papula die ganze Geschichte zweier deutscher Geistesikonen. Da ist der fortwährende Fleiß im Dienst der deutschen Sprache und das unstete Wanderleben, das die Politik den zwei Demokraten aufzwingt. Aber die Brüder gehen auch im Privaten ungewöhnliche Wege. Sie führen eine Lebensgemeinschaft, die zuerst von der jüngeren Schwester umsorgt wird. Später heiratet Wilhelm, doch die Gattin hat es stets mit zwei Männern zu tun (Kulturradio, 25. Dezember, 14 Uhr 04).

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Wer nach Weihnachten wieder auf dem unsauberen Boden der Realität ankommen möchte, ist beim Hörspielkrimi genau richtig. Gleich zweimal gehen demnächst Ost- und Westpolizisten gemeinsam auf Spurensuche. In Oliver Bukowskis turbulenter Farce „Serjosha & Schultz“ liefern sich zwei Kommissarinnen mit unterschiedlicher Herkunft ein rasantes Zickenduell (Deutschlandradio, 27. Dezember, 19 Uhr 05). In Holger Siemanns „Mordspiel“ sind es die Berliner Kommissare Höppner (Ost) und Seidel (West), die einen Mord aufzuklären haben. Auch der Autor des Krimis mischt sich in die Ermittlungen ein (Radio 88acht, 26. Dezember, 22 Uhr, UKW 88,8 MHz).

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