Medien : Wer am Ende lacht

ARD entscheidet jetzt über Christiansen-Nachfolge

Joachim Huber

Wie wäre es mal mit einer Pointe? Sabine Christiansen hört am 24. Juni mit „Sabine Christiansen“ auf und macht im September mit „Anne Will“ weiter. Geht nicht? Geht doch, und zwar so: Will übernimmt den ARD-Talk am Sonntagabend um 21 Uhr 45, der weiterhin von Christiansens Firma „TV21“ in Berlin produziert wird. Damit die Pointe in dem ARD-Stück „Wir suchen uns einen Nachfolger für Sabine Christiansen, nachdem Günther Jauch abgesagt hat“ auch richtig sitzt, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Anne Will wird Moderatorin, und Sabine Christiansen wird die Produzentin. Beides ist noch nicht entschieden, soll jedoch heute, spätestens morgen entschieden werden.

Am heutigen Montag, Punkt neun Uhr, treffen sich die Fernsehdirektoren der neun ARD-Anstalten unter Vorsitz von ARD-Programmchef Günter Struve in Frankfurt am Main beim Hessischen Rundfunk (HR). Die Herren bringen Haltungen mit und haben drei Konzepte gelesen. Zwei kommen vom Norddeutschen Rundfunk (NDR), eines vom Westdeutschen Rundfunk (WDR). Die drei Papiere unterscheiden sich nur in den eingesetzten Namen: NDR I plädiert für Anne Will (40/Moderatorin der „Tagesthemen“), NDR II für Sandra Maischberger (40/Moderatorin von „Maischberger“), der WDR setzt auf Frank Plasberg (49/Moderator von „Hart aber fair“). Das Konzept hingegen ist identisch: „Sabine Christiansen“ wird fortgesetzt– ein Neuanfang für die 60 Minuten politischer Talk am Sonntagabend zwischen „Tatort“ und „Tagesthemen“ unerwünscht. Vom gegenwärtigen Meinungsbild will eine klare Mehrheit in den ARD-Führungsetagen am Sonntag eine Gastgeberin/einen Gastgeber sehen, die ihre Gäste glänzen lassen – eine klassische Talkrunde eben. Damit ist eine Vorentscheidung gefallen: „Hart aber fair“ im Ersten am Sonntag ist raus. Die Fernsehdirektoren und dann die Intendanten diskutieren nicht die Format-, sondern die Typfrage: Anne Will oder Sandra Maischberger oder Frank Plasberg? Qual der Wahl unter drei journalistischen Persönlichkeiten.

Im Kern ist das Kandidatentrio Anne Will bereits zum Duo geschrumpft: Will oder Plasberg? Maischberger wird weiterhin und idealerweise mit „Maischberger“ am Dienstag verbunden. Zwar hat eine „Spiegel“-Umfrage gerade Maischberger als Wunschkandidatin des Publikums ermittelt, aber hat nicht eine kürzlich erfolgte „Focus“-Umfrage den ehemaligen „Tagesthemen“-Anchorman Ulrich Wickert vorne gesehen? Anne Will, die Anchorwoman der „Tagesthemen“, hat jedenfalls im Kreise der Fernsehdirektoren und Intendanten die Favoritenrolle.

„Hart aber fair“ mit Moderator Plasberg und vom Produzenten Plasberg („Ansager & Schnipselmann“) ist der Stolz des WDR. Wieder und wieder wurde das Plasberg-Format als ARD- kompatibel angepriesen. Wenn Plasberg jetzt nicht ins Erste hinaufgestuft wird, dann ist der Wert, die Wertigkeit von „Hart aber fair“ beschädigt. Für Plasberg kämpft der scheidende WDR-Intendant Fritz Pleitgen. Pleitgen verlässt den Sender erst Ende März, die heutige Intendantensitzung ist seine Abschiedsvorstellung. Wenn Pleitgen nicht als Verlierer von der ARD-Planche gehen will, kann seine Formel zum Sieg nur lauten: Der ARD wegen Anne Will am Sonntag, meinetwegen und wegen des WDR Plasberg an einem anderen ARD-Tag, dann aber in der Primetime zwischen 20 Uhr 15 und 22 Uhr 15. Ein Denkmodell sagt: „Hart aber fair“ am Mittwoch, dem Tag, an dem das PolittalkMagazin bislang im WDR-Dritten gezeigt wird. Diesen Sendeplatz haben die Plasberg-Zuschauer gelernt, außerdem wäre damit ein gebührend großer Abstand zum Sonntagstalk tenoriert. Der Fernsehfilm vom Mittwoch würde auf Montag rücken.

Es mag das große Publikum überraschen, aber die Plasberg-wohin-Diskussion wird zusätzlich von Verlustangst überlagert. „Hart aber fair“, so geht die Furcht, könnte die ARD-Bilanz von Quote, Marktanteil und Akzeptanz beim Zuschauer gefährden. Doch wie viel Risiko will die ARD gehen? Am Ende ist das eine nachrangige Fragen. Heute steht die Haupt- und Staatsaktion an: Will oder Plasberg? Will und Plasberg? Oder Maischberger, die dann absagt? Das wäre die Superpointe für ein Programm, das weniger als 0,5 Prozent des ARD-Jahresprogramms ausmacht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar