Medien : Werbung unter Wasser

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Normalerweise ist Fernsehwerbung ärgerlich, weil sie immer dann kommt, wenn der Schäferhund endlich den Frauenmörder auf die Polizeiwache zerrt. Und dann sind die meisten TV-Spots auch noch dämlich, was zusätzlichen Ärger schafft. Zurzeit aber rutschen sie ins Lächerliche ab. Da sieht man zum Beispiel, wie Bitterfeld unter Wasser steht, und kurz darauf verspricht die „Freundin“ in ihrer aktuellen Ausgabe „44 Wohnideen für kleine Räume“.

Sicher, das ist Humor (oder Dummheit) der unfreiwilligen Art. Als der Spot gemacht wurde, konnten die Burda-Leute ja nicht ahnen, dass er in diesem seltsamen Kontext gesendet würde. Anders verhält es sich mit Frau Stefanie Gräfin von Schlotterbeck (oder so ähnlich), die für Gala von Eduscho rotgewandet durch die adligen Gemächer hüpft. Und das, nachdem soeben gezeigt wurde, wie in Dresden die Semper-Oper am Absaufen ist.

In diesem Fall tragen die Katastrophen-Bilder dazu bei, die hochgenobelte Lächerlichkeit des Films noch deutlicher aufzudecken. Nämlich die uralte Positionierungnummer: Lass Frau Gräfin deinen Mokka saufen – und schon schmeckt der viel feiner und eleganter.

Dagegen ist die Ankündigung, dass es in Villa Riba wieder Fairy gibt, fast ein Brüller. Procter & Gamble, der Hersteller, hat leider vergessen, den Text auf Villa Pirna umsprechen zu lassen. Die anderen Spots, ob nun der mit dem aus den USA geklauten Fanta- Rülpser oder der coole Typ, der für Armani aus dem Wasser steigt – sie alle saufen im Umfeld der Flutkatastrophe elegant ab. Einzig der Sparkassen-Film mit den Schweigemönchen hält sich über Wasser. Angesichts der braunen Fluten, die jetzt auch noch Öl und Giftstoffe durch Deutschland transportieren, verschlägt es den Zuschauern ohnehin die Sprache. Reinhard Siemes

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