Medien : „Wetten, dass…?“ in Texas

Steuerzahlerbund rügt German TV – Steht das Auslandsfernsehen vor dem Aus?

Markus Ehrenberg

Was hat Manhattan mit deutschen Steuerzahlern zu tun? Einiges. Da ist zunächst das so genannte Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler (BdSt), das gerade erschienen ist. Eines der angeblichen „Millionen-Gräber“, die da moniert werden: German TV, das 2002 von ARD, ZDF und Deutscher Welle gestartete Auslandsfernsehen. Über den Pay-TV-Kanal können Zuschauer in den USA eine Auswahl aus deutschen öffentlich-rechtlichen Programmen empfangen. Der Bund finanziert das Projekt bis 2006 mit jährlich 5,3 Millionen Euro. Damit wollte die Bundesregierung eigentlich die „mediale Außendarstellung Deutschlands“ verbessern. Doch von wegen Außendarstellung. Um German TV ist eine heftige innenpolitische Diskussion entbrannt. Laut Steuerzahlerbund stehe das Programm vor dem Aus, habe bisher schon 20 Millionen Euro verschlungen und überhaupt nie ausreichend Abonnenten zur Kostendeckung gefunden.

20 Millionen Euro in den Sand gesetzt? Steuergelder? Der Aufschrei ist groß, gerade in Zeiten von Hartz IV und knapper öffentlicher Kassen. Was gibt man da eigentlich aus? Wer will German TV überhaupt schauen? Damit zurück nach Manhattan. Genauer sagt: dahin, wo man German TV eigentlich am meisten sehen sollte. Die Diskussion um das Potenzial greife nämlich viel zu kurz, verteidigt sich Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle. Bettermann trägt die Programmverantwortung für German TV. „Wir sind doch gerade dabei, in den USA, Kanada und Lateinamerika Fuß zu fassen, haben technische Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.“ In Manhatttan zum Beispiel dürfen keine Satellitenschüsseln an Fenstern hängen, damit ist auch kein Satellitenempfang möglich. Da hängt alles am Kabelempfang.

Das bedeutete bislang: kein German TV in Manhattan. Erst am 8. Oktober wird German TV nach langen Vertragsverhandlungen ins Kabelnetz von Big Apple eingespeist. „Damit können dann Tausende von Deutschen, Firmen und Repräsentanzen erreicht werden.“

Mehr Anschlüsse, mehr potenzielle Abonnenten – damit wäre dann auch German TV auf eigene Beine zu stellen, so Bettermann zum Tagesspiegel. Fragt sich bloß, wie lange der Gegenwind auszuhalten ist, nicht nur der vom Bund der Steuerzahler. Die grundsätzliche Frage bleibt: Soll man, darf man Deutsche im Ausland mit Steuergeldern bedienen? „Die politische Diskussion ging doch schon im Sommer los. Das mit den 20 Millionen stimmt übrigens auch gar nicht. Wir haben bis heute 15 Millionen Euro ausgegeben.“

Kann das beruhigen? Laut Businessplan soll German TV über sieben Jahre 70000 Abonnenten gewinnen. Dann trägt sich das Programm selbst. „Wir sind im zweiten Jahr. So ein Produkt muss sich auf dem Markt etablieren“, sagt Bettermann. Verhandlungen mit Kabel- und Satelliten-Gesellschaften laufen. Fakt ist: Das Programm ist in den USA nur bedingt präsent. So gesehen, sagt Bettermann, seien die derzeit 9000 Abonnenten keine ganz so schlechte Zahl.

Einen Durchbruch kann man das aber nicht unbedingt nennen. Vielleicht gibt’s ja wirklich keinen großen Informationsbedarf für rund eine Million deutschsprachige Haushalte in Texas, Seattle oder auch New York, für „Tagesschau“, „heute-journal“, „Wetten, dass…?“ und Kinderprogramme – alles mit Gebühr, für 15 Dollar im Monat. Vielleicht schafft es öffentlich-rechtliches Fernsehen auch einfach nicht, sich marktwirtschaftlich auf internationalen Märkten zu behaupten. Vielleicht ist es nicht gut genug.

Ende November wollen sich die Intendanten von ARD, ZDF und Deutscher Welle zusammensetzen und sehen, wie es mit German TV weiter gehen kann. Das letzte Wort haben die Politiker. Am 11. November beraten die Parlamentarier in Berlin in ihren Ausschüssen darüber, ob German TV auch 2005 noch vom Bund bezuschusst wird oder dicht gemacht werden soll. Einen würde das freuen: den Bund der Steuerzahler.

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