Medien : Wiener Blut

Dichand lässt in der „Krone“ gegen den Mit-Eigentümer WAZ wettern

Paul Kreiner[Wien]

Der deutsch-österreichische Erbfolgekrieg zwischen der „Kronen-Zeitung“ und der Essener WAZ-Gruppe eskaliert. In größtmöglichen Lettern prangte am Mittwoch auf Seite eins: „Wiens Bürgermeister nimmt Stellung: Häupl für eine österreichische Kronen-Zeitung!“ Auf Seite zwei wird Michael Häupl (SPÖ) zitiert: „Ich habe größtes Interesse daran, dass die größte Zeitung des Landes in österreichischer Hand bleibt.“ Es gehe nicht mehr nur um die „unternehmensinterne Entscheidung“ für oder gegen einen neuen Chefredakteur: „Jetzt geht es um mehr!“ Stehen die Deutschen etwa schon vor Wien?

Die WAZ, die neben dem bald 82-jährigen Hans Dichand zu fünfzig Prozent an dem Boulevardblatt beteiligt ist, gibt sich nicht mehr damit zufrieden, gegen Dichands eigenmächtige Beförderung seines Sohnes Christoph zum Chefredakteur zu protestieren. Jetzt fordert die WAZ den kompletten Rückzug Hans Dichands. Seine Zeit sei abgelaufen, teilte WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann in den Hauptnachrichten mit. Die „Krone“ gehöre zu den „schlechtestverdienenden Zeitungen im Konzern“. Dichand habe sie „nicht gut geführt“, weil er automatisch mit der Überweisung eines Vorweggewinns rechnen konnte. Dabei soll es sich jährlich um acht bis zehn Millionen Euro gehandelt haben.

Das mit dem Vorgewinn hat sich wohl erst mal erledigt. Die WAZ argumentiert, Dichand beziehe das Geld für die Dreifaltigkeit seiner Funktionen – als Chefredakteur, Geschäftsführer und Herausgeber. Falle eine, also der Chefredakteur, weg, gebe es auch keinen Vorgewinn. Abgesehen davon, dass in diesem Jahr sowieso nichts zu holen sei. Und dann forderte Schumann noch: „Dichand ist endlich; es muss eine andere Führungslösung geben – eine österreichische.“ Dennoch machen Dichand und Wiens Bürgermeister daraus einen Nationalitätenkonflikt. Als Plattform dient die „Krone“. Üblicherweise glaubt die Zeitung das „goldene“ Wien eher von afrikanischen Drogendealern oder fundamentalistischen Türken belagert. Nun reimt Dichands Chefdichter Wolf Martin: „Ich liebe Deutschland beinah’ gleich / wie meine Heimat Österreich. / Und deshalb liebe ich mitnichten / die Deutschen, die’s zugrunde richten.“

Davon, dass Dichand die WAZ bereitwillig mit 50 Prozent an der „Krone“ beteiligte – um seinen persönlichen, österreichischen Rivalen Kurt Falk auszuzahlen –, davon schreiben die Zeitung und der Bürgermeister nichts.

Der Zeitungskrieg, spotten manche in Wien, könnte bald die EU, wenn nicht gar den Weltsicherheitsrat beschäftigen: Michael Häupl gilt als starker Mann der SPÖ; diese wird wohl bald in die österreichische Regierung eintreten – schon ist ein zwischenstaatlicher Konflikt programmiert. Wie sagte Hans Dichand unlängst? Er sehe „schon Tote auf der Bühne liegen“.

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