Medien : WM-Übertragungsrechte: Das Runde ist im Eckigen

Die ARD und die Kirch-Gruppe haben sich über die Bedingungen für den Teilerwerb an den Rechten für die beiden kommenden Fußballweltmeisterschaften verständigt. Der Vorsitzende der ARD, WDR-Intendant Fritz Pleitgen, übersandte den neun anderen ARD-Intendanten am Montag einen vom 27. April datierten Briefwechsel per Fax mit dem Geschäftsführer der Kirch-Media, Dieter Hahn. Danach akzeptiert die Kirch-Gruppe, dass sich der Preis für die WM-Rechte 2002 in Höhe von 220 Millionen Mark um 100 Millionen Mark ermäßigt, falls es in den Verhandlungen um die Rechte für die 2006 in Deutschland stattfindende Weltmeisterschaft zu keinem Vertragsabschluss kommt.

Die lange umstrittene Forderung der Kirch-Gruppe, dass die digitale Satellitenausstrahlung der Spiele nur verschlüsselt erfolgen darf, wird von der ARD indirekt akzeptiert. In seinem zusammenfassenden Schreiben nach der Schaltkonferenz der ARD-Intendanten am vergangenen Freitag hatte Pleitgen der Kirch-Gruppe mitgeteilt, dass für den Fall einer solchen parallelen Übertragung die Vorstellungen des Unternehmens berücksichtigt würden. Intern hatten sich die Intenandanten auf die Linie verständigt, auf die digitale Satellitenausstrahlung zu verzichten und sich auf die analoge Übertragung zu beschränken.

In der Schaltkonferenz hatte es keine zusammenfassende Abstimmung über den Vertrag mit Kirch gegeben. Stattdessen waren die einzelnen Punkte einzeln erörtert worden. Dabei sei, so heißt es aus dem Intendantenkreis, "nicht richtig durchgezählt" worden, um eine förmliche Abstimmungsprozedur zu vermeiden. Nach dem Diskussionsstand hätten WDR, BR, MDR und SWR in dieser Runde für einen Vertragsabschluss mit Kirch zu den festgelegten Bedingungen gestimmt, die sechs übrigen Sender hätten sich enthalten. Keiner habe sich definitiv gegen die zuletzt der Kirch-Media mitgeteilten Konditionen ausgesprochen.

Die neuen Vertragsformulierungen auf der jetzigen Grundlage sind bereits den Justitiaren des BR und des ZDF, deren Intendanten gemeinsam für die beiden öffentlich-rechtlichen Systeme die Verhandlungen führten, übermittelt worden. Voraussichtlich heute oder morgen könnten die Verträge dann unterzeichnet werden. Dabei gilt immer noch der Vorbehalt, dass die Gremien aller ARD-Anstalten zustimmen. Beim ZDF ist dies bereits passiert.

Zu den von der Kirch-Gruppe geforderten Rechten an Übertragungen von der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal wird in den Vertrag die Klausel aufgenommen, dass sich ARD und ZDF verpflichten, sich unverzüglich und bestmöglich zu bemühen, dass die Kirch-Gruppe acht Spiele der Vorrunde und zwei Viertelfinalspiele im frei empfangbaren Fernsehen live und in voller Länge verwerten darf. Hierzu bedarf es noch der Erlaubnis des ursprünglichen Lizenzgebers, des europäischen Fußballverbands UEFA. Für diesen Unterlizenzvertrag, welcher eine parallele Ausstrahlung dieser zehn Spiele in ARD und ZDF ausschließt, zahlt Kirch-Media 65 Millionen Mark an die öffentlich-rechtlichen Sender.

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