ZEITSCHRIFTEN : Aus Feind mach Freund

Die krisengeschüttelte Zeitschriftenbranche will enger mit Suchmaschinen zusammenarbeiten

Sonja Pohlmann

Es ist gerade mal ein Jahr her, dass Bernd Buchholz beim Zeitschriftenkongress des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin ein zynisches Bild für die in der Krise steckende Verlagsbranche prägte: Man müsse den Leuten auf dem Sonnendeck sagen, dass sie ihre Liegestühle und Drinks beiseitestellen, sagte Buchholz, damals noch Zeitschriftenvorstand des größten europäischen Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr („Stern“, „Brigitte“).

Als Buchholz, inzwischen G+J-Vorstandschef, am Montag nun wieder bei dem VDZ-Kongress zu Gast war, sah er das „Sonnendeck“ zwar weiterhin verschlossen – zeigte sich aber hinsichtlich der Entwicklung der Branche zumindest langfristig optimistisch. Print werde auch in Zukunft profitabel bleiben. Allerdings müsse sich die Branche den veränderten Strukturen in der digitalisierten Welt anpassen: „Das wird kein Zuckerschlecken“, sagte Buchholz. Die Wirtschaftskrise habe den Strukturwandel der Branche „dramatisch beschleunigt“.

Nach Angaben des VDZ war der Gesamtumsatz der Zeitschriftenbranche trotz stabiler Auflagen in diesem Jahr um 9,4 Prozent auf 6,68 Milliarden Euro zurückgegangen. Grund dafür seien die in der Wirtschaftskrise eingebrochenen Werbeumsätze.

Um überleben zu können, müssten die Verlage neue Wege gehen und ihre Kostenstrukturen überprüfen, sagte Buchholz. Für G+J wollte er einen weiteren Stellenabbau nicht ausschließen. Erst vergangene Woche hatten Redaktionsbeiräte aus seinem Haus gegen die Sparmaßnahmen bei G+J protestiert. Buchholz hatte das Schreiben als „beleidigend“ bezeichnet. Am Montag betonte er erneut, dass in der angespannten Marktsituation „Tacheles“ geredet werden müsse.

Von der Politik forderte Buchholz, die bereits ermäßigte Mehrwertsteuer auf Printprodukte wie Zeitschriften und Zeitungen ganz abzuschaffen. Das sei die größte Leseförderung, die die Bundesregierung in Angriff nehmen könne.

Auch VDZ-Präsident und Verleger Hubert Burda („Focus“, „Bunte“) stellte Forderungen an die neue Bundesregierung. Sie dürfe die ohnehin schwierige Finanzlage der Verlagsbranche nicht mit weiteren Werbebeschränkungen belasten.

Dass die Werbebuchungen der Printmedien „dahingeschmolzen“ seien, sei auch auf den Erfolg von Suchmaschinen zurückzuführen, sagte Burda. Er will mit Google & Co. deshalb nun ein Abkommen schließen, wie journalistische Inhalte im Internet künftig genutzt werden. Die Bedingungen der Suche müssten einsehbarer sein und die Gewinne gerechter geteilt werden, sagte Burda.

Im vergangenen Jahr sei er pessimistischer gewesen, was die Aussichten der Printbranche angehe. Heute blicke er positiver in die Zukunft. Es gebe genügend Entwicklungsmöglichheiten für die Verlage. „Für mich ist es gewiss, dass die Zeitschriften und das gedruckte Buch auch in einer veränderten Zeit überleben werden“, sagte Burda. Sonja Pohlmann

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