Zeitschriften : Das Angeber-Magazin

Wer „Rich“ bekommt, ist wirklich reich. Denn das Magazin sucht sich seine Leser selber aus - und ist dabei äußerst wählerisch.

Sonja Pohlmann
Rich
Weckt Begehrlichkeiten. "Rich" liegt nicht am Kiosk, sondern wird verschickt. -Foto: Rich

Nicht gold und glänzend, sondern schlicht und weiß wird der Umschlag sein, den die Auserwählten heute in ihrem Briefkasten finden – Postbote und neugierige Nachbarn müssen ja nicht sofort sehen, dass die Empfänger zu den reichsten Menschen in Deutschland gehören. Denn nur wer über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 6500 Euro verfügt, dazu in einem Villenviertel wohnt und teure Autos fährt, bekommt „Rich“ im weißen Umschlag zugeschickt – ungefragt. Das ist der Clou der Zeitschrift, die Deutschlands erstes „Statusmagazin“ sein will und heute zum ersten Mal erscheint: „Rich“ liegt nicht am Kiosk, sondern sucht sich seine Leser selbst aus.

Eineinhalb Jahre lang ließ der Verlag Rich Germany einen Pool von Adressen der vermögendsten Haushalte Deutschlands zusammenstellen. 533 000 Führungskräfte, Manager und Unternehmer wurden daraus als Zielgruppe für „Rich“ ausgesiebt. Damit wollen Chefredakteur Christian Müller, sein Stellvertreter Andreas Wrede und Christian Geltenpoth, Eigentümer des Verlags, der Konsumgüterindustrie eine Plattform bieten, die Werbung ohne Streuverluste garantieren soll. Denn Gucci, Porsche und Co. schalten zwar Anzeigen in Blättern wie „Vogue“, „Vanity Fair“ oder „GQ“, aber die beworbenen Luxusartikel können sich nur sehr wenige Leser leisten. Das soll bei „Rich“ anders sein. „Unsere Leser haben sehr viel Geld. Und wir wollen ihnen zeigen, wie sie es ausgeben können“, sagt Chefredakteur Müller. Zum Beispiel für Jachten, die für 250 000 US-Dollar pro Woche zu mieten sind. Für Autos, die es für 325 000 Euro zu kaufen gibt. Oder für Schmuck, der für 34 000 Euro zu haben ist, wie die Probenummer zeigt – wenn ein Magazin schon „Rich“ heißt, dann soll der Name auch Programm sein. Männer und Frauen sollen sich gleichermaßen angesprochen fühlen. Damit sie „Rich“ nicht für ein Werbeblatt halten und in den Müll werfen, wird ihnen in einem Anschreiben erklärt, welche „Ehre“ ihnen zuteil wird.

Je 100 000 der ausgewählten Haushalte bekommen „Rich“ zwei Monate lang kostenlos und ungefragt zugeschickt, anschließend können sie das Blatt für 84 Euro im Jahr abonnieren. Danach werden die nächsten Auserwählten aus der Kartei gepickt. „Durch die Verknappung ergibt sich eine zusätzliche Begehrlichkeit“, erklärt Müller das Konzept. Wer „Rich“ auf dem Wohnzimmertisch liegen hat, macht seinen Besuchern also unmissverständlich deutlich, mit wem sie es zu tun haben.

Allerdings: Auch ein Hartz-IV-Empfänger kann „Rich“ abonnieren. Er muss dafür nur beim Verlag anrufen und sagen, dass er vermögend ist. Ob das wirklich stimmt, ist für den Verlag kaum zu überprüfen. Müller betont jedoch, dass auf die Exklusivität des Empfängerkreises streng geachtet werden soll. Sex-Kolumnen und Beziehungsratgeber sind bei „Rich“ übrigens nicht zu finden – dabei macht Geld allein doch bekanntermaßen nicht glücklich.

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