Zeitungsprojekt der Deutschen Post : Annahme verweigert

Verlage kritisieren Zeitungsprojekt der Post - die will in den Markt der überregionalen Anzeigenblätter einsteigen.

Christian Tretbar

Gegen die Pläne der Deutschen Post, in den Markt der überregionalen Anzeigenblätter einzusteigen, regt sich heftiger Widerstand. „Das ist ein Skandal“, schimpft Wolfgang Fürstner, Präsidiumsmitglied des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Die Post greife in „unser Kerngeschäft“ ein. „Darauf werden wir mit aller Härte reagieren“, sagte Fürstner.

Post-Vorstand Jürgen Gerdes hatte in einem Zeitungsinterview angekündigt, ein Wochenblatt in Millionenauflage zum Thema Computer auf den Markt zu bringen. Auch ein Anzeigenblatt mit Automobil-Themen sei vorstellbar. Werbeeinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe erwartet der Konzern. Der VDZ nimmt die Ankündigungen ernst. „Wir gehen nicht davon aus, dass es sich hier um vage Vorstellungen handelt, sondern um einen bereits konkret geplanten Strategiewechsel der Post“, sagte Fürstner. Der Verband werde juristische Schritte prüfen, Druck auf die Bundesregierung als Hauptaktionär ausüben und unternehmerische Schritte in Erwägung ziehen. „Sollte es notwendig werden, sind die Verlage in der Lage, aus eigener Kraft alternative Vertriebsmöglichkeiten zu schaffen“, kündigte Fürstner an. Im Jahr 2007 hat die Post 822 Millionen Euro mit Pressepost, also dem Zustellen von Zeitschriften und Zeitungen, umgesetzt.

Auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) übt Kritik. „Das ist ein ordnungspolitischer Super-Gau“, sagte Jörg Laskowski, BDZV-Geschäftsführer. Der Staat subventioniere die Post , weil der Briefdienst von der Mehrwertsteuer befreit ist. „Mit Staatsferne hat das nichts mehr zu tun, wenn die Post verlegerisch aktiv wird“, sagte Laskowski.

Die Post reagiert gelassen. „Wir sind eine normale börsennotierte AG, die Argumente, wir seien halbstaatlich, sind vorgeschoben“, sagte Post-Sprecher Uwe Bensien. Noch habe der Konzern keine formale Entscheidung getroffen. Außerdem sei das Projekt auf Kooperation mit den Verlagen ausgelegt, wenngleich es „Wettbewerbskomponenten“ gebe.

Über 800 Publikumszeitschriften und mehr als 1300 kostenlose Anzeigenblätter, die oft regional vertrieben werden, sind auf dem deutschen Markt. Mit „Einkauf aktuell“, das jede Woche eine Auflage von 17 Millionen Stück hat, gibt die Post bereits ein Anzeigenblatt heraus. Die künftigen Produkte sollen aber einen höheren redaktionellen Anteil haben als „Einkauf aktuell“.

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