Medien : Zu früh gefreut

„Sport + TV“ – weder Programmzeitschrift noch Sportzeitschrift, aber auf alle Fälle billig

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Man möchte Juhu rufen. Endlich wieder eine neue Zeitschrift. Endlich traut sich jemand, etwas Neues zu machen. Ein Anzeichen, dass die Medienkrise endet? Man möchte es so gern glauben.

„Sport + TV“ heißt das wöchentliche Blatt, das am Mittwoch erstmals zu kaufen war. Preis: 50 Cent. Blättert man die 100 Seiten durch, wird schnell klar: Es ist billig produziert, so billig es nur geht. Kern des Heftes ist das TV-programm. Von anderen unterscheidet es sich dadurch, dass Sportsendungen farbig markiert sind. Auf den vorderen Seiten gibt es Meldungen, außerdem werden zum Saisonstart die Eckdaten und Spieler der Bundesligavereine genannt, hinten gibt es weitere Meldungen, Tabellen und Statistiken. Hintergründe? Lesegeschichten? Fehlanzeige. Im Kiosk liegt „Sport + TV“ zwischen „Kicker“ und „Sport Bild“, wobei das Logo von „Sport + TV“ stark an den Springer- Titel erinnert. Qualitativ ist das neue Blatt meilenweit davon entfernt, das gilt nicht nur für die schlechte Fotoqualität. „Wenn es 470 000 Leute gibt, die ,Sport Bild’ kaufen, wird es auch 230 000 bis 250 000 geben, die ,Sport + TV“ kaufen, sagt Verleger Michael Hahn selbstbewusst. So, wie er sagt, das „Sport Bild“ sei grauenvoll, unübersichtlich, das Blatt ignoriere alle Randsportarten.

Hahn sitzt seit anderthalb Jahren in Berlin. Im selben Verlag erscheint „Nur TV“. Damals, es war 1997, startete der unbekannte Verleger aus dem Saarland die konkurrenzlos billige, vierwöchentliche Fernsehzeitschrift, die keinen redaktionellen Mantel, sondern Programm pur bietet. Niemand wollte ihn ernst nehmen, doch er wirbelte den damals noch boomenden Markt ordentlich durcheinander. „Nur TV“ verkauft heute fast 500 000 Exemplare. Ulrike Simon

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