Zu meinem ÄRGER : Viel Erregung – wenig Nachricht

Herr Klusmann, worüber haben Sie sich in den Medien in dieser Woche am meisten geärgert?

Über den politischen Erregungsjournalismus in Berlin. Es ist nervtötend genug, dass ständig irgendwelche dämlichen Zitate von irgendwelchen unwichtigen Menschen zu vermeintlichen Breaking News aufgemotzt werden. Dass nun im Falle des CDU-Innenpolitikers Wolfgang Bosbach (der übrigens zu den wichtigeren und vernünftigeren Menschen in Berlin zählt) eine nie gefallene Äußerung die Erregungsmaschinerie in Gang brachte, ist vollends absurd. Laut einer Pressemitteilung des Bayerischen Rundfunks (BR) soll Bosbach in einer Talkrunde ein Register gefordert haben, in dem alle Konvertiten zum Islam gespeichert werden. Was ein Empörungsstakkato nach sich zog. Blöd nur: Bosbach war falsch zitiert worden, der BR musste sich für den Fauxpas entschuldigen. Mal wieder ganz viel Erregung – und ganz wenig Nachricht.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu den Rundfunkgebühren. Sie stärkt die Stellung und Rolle der öffentlich-rechtlichen Anstalten – und schützt sie damit besser vor politischen Begehrlichkeiten und billigem Populismus.

Steffen Klusmann, Chefredakteur der

„Financial Times Deutschland“

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