Zu meinem ÄRGER : Wenig Respekt für Angehörige

Herr Lewandowski, worüber haben Sie sich in den Medien in dieser Woche am meisten geärgert?

Der tödliche Holzklotzwurf von der Autobahnbrücke war so erschreckend, dass die Berichterstattung dementsprechend ausfallen musste. Bloß, wer denkt dabei noch an die Betroffenen? An die beiden Kinder, die ihre Mutter und den Mann, der seine Frau verloren hatte. Nach der Tat gab es kaum neue Erkenntnisse – bis vielleicht auf diejenige, dass man es doch unterlassen sollte, tagelang immer wieder über das Gleiche zu berichten. Gegenüber den Angehörigen wäre dies respektvoller, und ein paar potenzielle Nachahmer kämen auf weniger dumme Ideen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Medienkritiker, die gebetsmühlenartig den Verlust des investigativen Journalismus beklagen, wurden die Tage eines Besseren belehrt. Der „Stern“ und seine Enthüllung über die Bespitzelung der Lidl-Mitarbeiter war ein Glanzpunkt mit viel Strahlkraft – auch in anderen Medien. Talk of the town at it’s best, der die Schlüssellochgeschichten der „Bild“-Zeitung über Cora Schumacher, die sich von ihren Angestellten betrogen fühlt, ins zweite Glied rücken ließ. Vielleicht sollte die Frau des Ex-Rennfahrers beim Discounter lernen, wie man richtig mit Personal umspringt.

Peter Lewandowski, Chefredakteur der „Gala“.


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