Zu meinem ÄRGER : Wer liest in Rom „Titanic“?

Von aufmerksamen Journalisten und stillen Örtchen - die Medien-Woche im Blick des "Abendschau"-Moderators Sascha Hingst.

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Foto: RBBFoto: rbb/Oliver Ziebe

Herr Hingst, was hat Sie in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Nicht wirklich geärgert, aber doch sehr gewundert habe ich mich über die Klage Joseph Ratzingers gegen die „Titanic“. Man sollte meinen, der heilige Stuhl stünde etwas mehr über den Dingen. Nicht, dass ich das „Titanic“-Cover witzig fand, eher infantil. Aber an der Freiheit der Satire misst sich die Pressefreiheit, und da scheint es beim Vatikan nicht so gut bestellt. Andererseits, wer liest eigentlich in Rom „Titanic“? Die Kardinäle heimlich auf dem stillen Örtchen? Die Vorstellung lässt mich schon wieder schmunzeln.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Gefreut hat mich die Berichterstattung über den Entwurf zum Meldegesetz. Ganz feiner Journalismus. Ich weiß nicht, welche Kollegen da als erste dran waren, aber sage keiner, die Medien seien nur oberflächlich und sensationsgeil. Hier haben sie genau das getan, wofür sie in der Demokratie gebraucht werden: aufgepasst, genau hingeschaut, öffentlich gemacht. Man bedenke: um den Skandal zu entdecken, mussten ja Journalisten (und bestimmt auch aufmerksame Bürger) sich erst mal die Mühe machen, trockene Gesetzesentwürfe durchzulesen (was offenbar die Abgeordneten selbst nicht mehr tun). Die vierte Gewalt funktioniert!

Ihre Lieblings-Webseite?

Derzeit: Fivethirtyeight.com – Ich bin ein Politik-Junkie, und im US-Wahlkampf gibt mir Nate Silver mit seinem Blog die tägliche Dosis. Angesiedelt bei der „New York Times“ analysiert er Wahlumfragen und politische Trends und hat sein eigenes detailliertes Prognosemodell erstellt. Nichts Besseres, um zu verstehen, wie in den USA Wahlen funktionieren.

Sascha Hingst,

Moderator der RBB-„Abendschau“ (19 Uhr 30) und der Doku-Reihe „Hunderter Bus“, die wieder am Dienstag im RBB läuft (22 Uhr 15).

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