Medien : Zwei Männer, eine Anstalt

Frank Plasberg kommt ins Erste, Harald Schmidt bleibt beim Ersten

Daniel Meuren

So sehen stolze ARD-Verantwortliche aus: Gelassen erfüllen Programmdirektor Günter Struve und der ARD-Vorsitzende Fritz Raff die Forderungen der zahlreichen Fotografen. „Wie wollen sie unsere Antlitze denn verkaufen?“, wagt sich Struve sogar ans Stilmittel der Selbstironie. Dass bei der folgenden Verkündung der Ergebnisse der ARD-Intendantenkonferenz im Gebäude des Hessischen Rundfunks in Frankfurt einmal der Name des ARD-Verweigerers Günther Jauch von den Journalisten in die Runde geworfen wird, kann die Laune nicht mehr trüben. Zu positiv war das Echo auf die bereits am Montag bekannt gegebenen Entscheidungen für Anne Will als Nachfolgerin von Sabine Christiansen und für Frank Plasberg. Dessen Sendung „Hart aber fair“ wandert vom WDR-Dritten ins Erste.

Bei Will sind noch einige Details zu klären. Weiter offen ist, ob die Sendung in der Tradition ihrer Vorgängerin nach der Moderatorin benannt oder ein Wortspiel mit Anne Wills Nachnamen riskiert wird. Unklar ist, wer als Produzent an der Sendung verdienen soll. Der Wunsch der Moderatorin, mitproduzieren zu dürfen, bezeichnete Struve „als menschlich, aber eher unrealistisch“. Zudem überlegt die ARD, die Sendung bei Wills Heimatsender NDR in Hamburg zu produzieren.

Während Will im September starten wird, wird Plasberg spätestens 2008 im Ersten zu sehen sein. Die ARD brauche, so Struve, diesen Vorlauf, „um die 60 bis 75 angedachten Minuten in der Zeit zwischen 20 Uhr 15 und 22 Uhr 15 freischaufeln zu können“. Als Sendetag für den 49 Jahre alten Polittalker kommen nur Mittwoch oder Donnerstag infrage. Allzu große Proteste von den für „Hart aber fair“ zu opfernden Formaten erwartet Struve nicht: „Es wird keine Sendung gestrichen, die von einer Person präsentiert wird.“

Harald Schmidts Engagement steht nicht zur Disposition. Nach Verlängerung seines Vertrags von August 2007 bis August 2008 darf sich der Entertainer aber noch etwas mehr Urlaub von seinen Auftritten am Mittwoch und am Donnerstag gönnen als bisher. Im neuen Vertragsjahr sind nur noch 43 Auftritte Schmidts vorgesehen. Bei gleich bleibendem Jahressalär bringt das eine leichte Erhöhung der stattlichen Tagessätze mit sich. „Die Reduzierung ergibt sich aus den langen Pausen, die der Künstler braucht“, sagte Struve. Raff ergänzte, dass er nach Schmidts zweimonatiger Winterpause attestieren könne, „dass Ruhezeit dem Format gut tut“.

Vermutlich genauso gut wie der ARD das Jahr 2006, in dem sich nach Worten Struves die politischen Magazine entgegen falscher Berechnungen von Kritikern nach der Sendezeitverkürzung gut behauptet hätten. Als statistischen Beleg führte Raff, der von April an in internationalen Angelegenheiten auf den Rat des scheidenden WDR-Intendanten und EBU-Vorsitzenden Fritz Pleitgen bauen darf, ein Umfrageergebnis an. Demnach sei das Erste das glaubwürdigste und am wenigsten verzichtbare Programm des vergangenen Jahres gewesen. Die Umfrage gab die ARD übrigens selbst in Auftrag. Dann muss man ihr ja trauen.

Neues auch von den Hörfunkprogrammen der ARD. Sie wollen im Januar 2008 die Reihe „radio Tatort“ starten. Laut Raff sollen die Kulturprogramme zwölfmal im Jahr für „heißkalte Hörerlebnisse sorgen“. Jede der neun Landesrundfunkanstalten entwerfe Hauptfiguren, deren Fälle mit der Region zu tun hätten, in der Täter und Ermittler zu Hause seien.

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