Zwillinge an Bord : FDP verärgert Journalisten

Beim Parteitag in Rostock mussten Fotografen und Zeitungsjournalisten vorab eine Erklärung unterschreiben. Doch dann brachte Philipp Rösler seine Kinder doch nicht mit.

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Foto: dapd
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Ausgerechnet die FDP, die den Freiheitsbegriff in ihrem Namen trägt, wollte bei ihrem Bundesparteitag am Wochenende in Rostock den Journalisten nicht alle Freiheiten gewähren. Sowohl von Fotografen als auch Printjournalisten verlangte sie, vorab eine Erklärung zu unterschreiben, mit der die Berichterstatter „auf alle bildlichen Darstellungen“ der Kinder des neuen Parteichefs Philipp Rösler und „die Veröffentlichung solcher Darstellungen“ verzichten sollten. Das Recht der Kinder habe absoluten Vorrang, hieß es zur Begründung. Sollte dem Wunsch nicht entsprochen werden, drohte die FDP mit rechtlichen Schritten.

Eine Maßnahme, die den Grundsätzen der Pressefreiheit widerspricht, sagt Medienanwalt Christian Schertz. Zwar hätten Kinder von Prominenten das Recht, unbeobachtet von Medien aufzuwachsen, wie das Bundesverfassungsgericht bestätigt habe. „Doch nimmt ein Prominenter seine Kinder mit zu öffentlichen Terminen, verlieren die Kinder dieses Schutzrecht“.

Kurz vor Beginn des Parteitags hat sich Rösler deshalb offenbar entschieden, seine beiden zweieinhalbjährigen Zwillingstöchter doch nicht mit in die Veranstaltungshalle zu nehmen. Sie wurden in der Nähe betreut, während seine Frau Wiebke in der ersten Reihe saß. Hätte sie die beiden Mädchen auf dem Schoß gehabt oder Rösler sie nach der Wahl umarmt, wären Bilder zulässig gewesen, sagt Schertz. Politiker müssten sich grundsätzlich entscheiden, wie öffentlich sie ihr Privatleben machen. Lassen sie in der Hoffnung auf positive PR eine Homestory zu, könnten sie später eine Berichterstattung über ihr Privatleben nicht mehr untersagen.

Ob der neue Vorsitzende Rösler seine Töchter künftig zu öffentlichen Terminen mitnimmt, steht nach FDP-Angaben noch nicht fest. Jedoch behält sich die Partei vor, auch künftig ähnliche Erklärungen von Journalisten zu verlangen. Der Protest der Berichterstatter dürfte garantiert sein. Die Vorstandsmitglieder der Bundespressekonferenz wollen bei ihrer Sitzung über den Fall und mögliche Konsequenzen diskutieren. Sonja Pohlmann

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