Fahrbericht BMW 325d GT : Der mit der großen Klappe

Der GT ist quasi ein 3er XXL. Er sucht den Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Nutzwert. Wie schlägt sich der BMW 325d GT im Test?

von
Formschön: Dem 3er steht das üppige Heck viel besser als seinem großen Bruder, dem 5er GT. Der BMW 325d GT beweist, dass diese Karosserieform einer Limousine gut stehen kann. Foto: Markus Mechnich
Formschön: Dem 3er steht das üppige Heck viel besser als seinem großen Bruder, dem 5er GT. Der BMW 325d GT beweist, dass diese...Foto: Markus Mechnich

Zugegeben: Als BMW vor vier Jahren seinen 5er als GT bezeichnete, da sträubten sich dem Autor alle Nackenhaare. GT, also Automobile, die unter der Bezeichnung "Gran Turismo" laufen, sind doch per Definition elegante Coupés mit einem leicht erhöhten Nutzwert. Gerade so, dass es für das Gepäck von zwei Personen für die Reise an die Côte d’Azur reicht. Kleines Gepäck wohlgemerkt, für Leute, die mehr mit Kreditkarte als mit Kofferbergen unterwegs sind. Wir reden hier keinesfalls über Kombis. Und dann machten die Münchner aus der formschönen 5er-Limousine eine Art Überkombi mit riesiger Heckklappe.

Nun hat BMW schon desöfteren mit extravaganten, wohl schon avantgardistischen Ideen die Branche wachgerüttelt. Man denke nur an das schon legendäre Heck der 7er-Limousine (E65), für das der damalige Chefdesigner Chris Bangle gar Morddrohungen bekommen haben soll. Aber in der Regel haben die Weiß-Blauen ein gutes Näschen, einen langen Atem und bisher am Ende meist den entsprechenden Erfolg gehabt. So hat sich auch, bei aller Kritik, ein SUV-Coupé namens BMW X6 etabliert und wurde bisher mehr als 250 000 mal verkauft. Und auch der 5er GT hat sich seinen Markt geschaffen, wenngleich er auch überschaubar ist. Grund genug offenbar diese Idee auch auf die nächstkleinere Serie, den BMW 3er zu übertragen. Grund genug wiederum für uns, dass wir uns den 3er als Gran Turismo mal genauer anzusehen. Wir sind den BMW 325d GT Probe gefahren.

Außen und Innen

Der erste Eindruck: Der ist viel stimmiger als sein großer Bruder. Der BMW 3er GT ist in seiner Formgebung harmonischer und von den Längen und Linien kompakter ausgefallen als der 5er GT. Im Gegensatz zum Erstling unter den neuen Gran Turismos von BMW wirkt das Heck weniger wuchtig, die coupé-typisch abfallende Dachlinie samt der Abrisskante fügt sich gefälliger in das Gesamtbild der Seitenansicht ein. Um es kurz zu sagen: Der 3er als GT macht was her.  Dass der GT so flott daher kommt hat einen recht simplen Grund. In der Länge überragt der Gran Turismo selbst den Touring, so heißt der Kombi, um genau 20 Zentimeter. Damit ist das Auto gestreckter und erlaubte es so den Designern die Dachlinie sanfter nach hinten abfallen zu lassen.

Im Interieur bietet der BMW 3er GT erst mal wenig Überraschungen. Das Cockpit ist BMW-typisch. Heißt: Fahrerorientiert, sachlich und funktional. Dank des Drehreglers für die Bedienung des Navigationssystems auf der Mittelkonsole kann sich BMW so einige Knöpfe sparen. Von Klimaanlage und Radio sind aber immer noch einige übrig geblieben. Die Verarbeitung und die eingesetzten Materialien bleiben ohne Tadel. Chrom-Applikationen in der Tür, am Lenkrad und in der Mittelkonsole stützen den Eindruck des hochwertigen Ambientes.

Sitzen und Laden

Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal der GT-Baureiher gegenüber der Limousine ist aber freilich der Kofferraum. Und hier kann der GT glänzen, sind doch die bayerischen Automobile ansonsten nicht unbedingt als Raumwunder bekannt. Die 20 Zentimeter mehr an Länge kommen zwar vornehmlich dem beachtlichen Radstand von 2,92 Metern zugute. Da sich aber die Ladefläche im Heck bis über die Hinterachse zieht, ergibt sich hier eine Tiefe des Kofferraums von rund 1,20 Metern. Bei umgeklappter Rückbank werden daraus fast zwei Meter, was dann wirklich beachtlich ist. Gestützt wird der gute Eindruck durch Zahlen: 520 Liter Ladevolumen sind der Spitzenwert der Baureihe. Zum Vergleich: Der Kombi schluckt 495 Liter. Bei umgeklappter Rückbank werden daraus pralle 1600 Liter.

Der schluckt was: Der Nutzwert des BMW 325d GT ist die größte Stärke und das wesentliche Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zu den anderen Karosserievarianten. Foto: Markus Mechnich
Der schluckt was: Der Nutzwert des BMW 325d GT ist die größte Stärke und das wesentliche Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zu...Foto: Markus Mechnich

Aber es soll ja nicht nur Gepäck rein. Versteht sich der 5er GT auch als Chauffeur-Fahrzeug und bietet entsprechend viel Platz im Fond, so ist der 3er GT eher die Familienvariante. Kind und Kegel haben aber keineswegs weniger Anspruch an Raum und dem hat BMW durchaus Rechnung getragen. Die Sitzhöhe von fast einem Meter ist auch für große Erwachsene tauglich, die Kniefreiheit ist selbst dann noch ausreichend, wenn der große Erwachsene vorne Platz genommen hat und selbst in der Mitte der Rückbank lässt es sich noch leidlich sitzen. Wer beim BMW 3er GT im Fond Platz nehmen muss, der wird sich nicht großartig beschweren können.

Fahren und Tanken

Ja, Platz nehmen muss. Nicht dass es im Fond nicht angenehm wäre, aber vorne macht es bei einem BMW mehr Spaß. Denn die sportlichen Werte haben die Bayern auch beim Raumwunder der 3er-Reihe nicht über Bord geworfen. Da wäre zunächst das Fahrwerk anzuführen, dass auch beim GT einen gelungenen Kompromiss zwischen Komfort und Dynamik findet. Es ist allerdings noch einen Tick straffer abgestimmt als in der Limousine, etwa vergleichbar mit dem Touring. Macht auch Sinn, denn schließlich schleppen die Lademeister der bayrischen Mittelklasse dann doch einiges mehr an Gewicht sich rum.

Das wiederum macht sich bei der Fahrt dann doch bemerkbar. 1690 Kilogramm sind es leer beim BMW 325d GT. Das ist zwar nicht unbedingt leicht, aber auch nicht übertrieben schwer. Dass sich der GT doch etwas unzüchtiger in schnellen Kurven verhält liegt an der Hecklastigkeit des Autos. Das ist natürlich bauartbedingt und in der Praxis keineswegs problematisch. Wer es aber flotter angeht, der wird in Kurven schneller als bei der Limousine den Drang der Hinterachse nach außen bemerken, als es etwa bei der Limousine der Fall ist. Er schwingt hinten rum und ab einer gewissen Grenze signalisieren ESP-Eingriffe, dass man es doch nicht übertreiben sollte.

Im Vergleich zu den übrigen 3ern ist der BMW 3er GT etwas höher gesetzt. Im Vergleich zur Limousine sind es aber nur zwei Zentimeter. Foto: Markus Mechnich
Im Vergleich zu den übrigen 3ern ist der BMW 3er GT etwas höher gesetzt. Im Vergleich zur Limousine sind es aber nur zwei...Foto: Markus Mechnich

Nun ist der Zwei-Liter-Diesel unter der Haube unseres Testwagens im Grunde ja auch kein Sport-Aggregat. Aber mit seinen 218 PS bewegt er den BMW 325d GT doch so flott, dass die Versuchung durchaus vorhanden ist. Bei BMW arbeitet man gerne mit Turboaufladung um das Drehmoment im unteren Drehzahlband gerecht zu verteilen. Das bringt bei diesem Common-Rail-Diesel das Ergebnis, dass die mächtigen 450 Newtonmeter zwischen 1500 bis 2500 Umdrehungen pro Minute anliegen. Wird höher gedreht, dann arbeitet sich der Selbstzünder etwas mühsam zu seiner Leistungsspitze bei 440 Umdrehungen hoch. Insgesamt sind die Fahrleistungen sehr ordentlich, wenn auch nicht berauschend. Der Unterschied zum nur etwas schwächeren 320d (184 PS) ist in der Praxis nicht so erheblich. Wichtiger ist da die feine Achtgang-Automatik, die BMW optional (2150 Euro) anbietet. Das Getriebe schaltet weich und sauber durch. In Verbindung mit dem Navigationssystem kann es sogar vorausschauend schalten und spart so Sprit und bringt mehr Komfort. Sollte das zusätzliche Entgelt noch auf dem Konto sein, dann ist es mit diesem Getriebe gut angelegt.

Ganz nebenbei: Natürlich ist auch der 325d ein Vierzylinder. Die Zeiten, als die 25er noch sämige Reihensechszylinder waren, sind leider vorbei. Ökonomie zwingt zu Downsizing und das kostet eben Zylinder. Etwas überraschend ist aber, dass der Diesel ein recht rauher Geselle ist. Beim Start meldet er sich erst mal vernehmlich zu Wort und beruhigt sich dann nach kurzer Zeit wieder. Auch leichte Vibrationen kommen in Innenraum an. Das ist alles Jammern auf hohem Niveau im Vergleich zu anderen Fabrikaten. Aber es erstaunt bei BMW. Dafür ist Zwei-Liter-Diesel ein sparsamer Geselle. Der Normverbrauch liegt bei 5,2 Liter im Mix und in der Praxis genehmigte er sich, bei etwa 75 Prozent Stadtfahrt 7,3 Liter. Dieser Realitätsaufschlag geht in Ordnung, zumal der Diesel auch den ein oder anderen stärkeren Tritt aufs Gaspedal nicht mit wüsten Durstanfällen.

Hören und Sehen

Wuchtig steht das Display des Multimediasystems auf der Mittelkonsole. Mit 8,8 Zoll Diagonale gehört es zu den Großen in der Klasse und die Darstellung des BMW-Systems gehört noch immer zu den besten auf dem Markt. Das gibt es übrigens als Serienausstattung, allerdings dann nur im Format 6,5 Zoll. In Verbindung mit dem Navigationssystem Professional lässt es kaum Wünsche offen. Das Smartphone ist in wenigen Minuten verbunden und spielt auch brav jegliche Musik vom Speicher runter.

In der Summe zeigt sich der BMW 325d GT als gelungener Kompromiss zwischen Nutzwert und Dynamik. Mit dem großen Diesel ist er auch ein guter Begleiter für längere Reisen. Foto: Markus Mechnich
In der Summe zeigt sich der BMW 325d GT als gelungener Kompromiss zwischen Nutzwert und Dynamik. Mit dem großen Diesel ist er auch...Foto: Markus Mechnich

Vor allem wird die Verbindung auch nach einem Stopp problemlos ohne weiteres Zutun wieder hergestellt. Das ist komfortabel. Gleiches gilt auch für das Headup-Display. Hier hat BMW wirklich den Standard gesetzt und bietet eine einwandfreie farbige Darstellung von Geschwindigkeit, Navigationsanzeigen und eventuellen Verkehrsstörungen. Den Vorsprung, den sich die Bayern hier erarbeitet haben, konnte die Konkurrenz bisher nicht aufholen.

Wählen und Zahlen

Mit 42 850 Euro steht der BMW 325d GT in der Preisliste. Wird die Achtgang-Automatik gleich mitbestellt, dann sind es glatte 45 000 Euro. Das ist schon ein Wort. Allerdings hält sich der Aufpreis für die 20 Zentimeter mehr an Auto noch in Grenzen. Die Limousine mit gleicher Motorisierung steht mit 41 500 Euro in der Preisliste und der Touring kostet gerade mal 1750 Euro weniger. In der Preislogik von BMW ist das Auto also eigentlich noch moderat angesiedelt. Unser Testfahrzeug war mit Ausstattungslinie Sport Line versorgt, die für 1900 Euro extra neben den 18-Zoll-Rädern vor allem zahlreiche optische Nettigkeiten mitbringt.

Die Liste der Sonderausstattungen hingegen ist lang und kann ins Geld gehen. Elektrische Sitze kosten 1100 Euro extra, das Panorama-Glasdach kommt auf 1500 Euro und für ein Navigationssystem fallen zwischen 1490 und 3100 Euro an. Da erscheint das Headup-Display mit 980 Euro noch günstig. Für ein gut ausgestattetes Fahrzeug müssen Interessenten da schon große Kunst im Feilschen zeigen um den BMW 325d GT unter 50 000 Euro mit nach Hause nehmen zu können.

Gutes und Schlechtes

Zweifellos erfüllt der GT die Anforderungen eines deutlich erhöhten Platzangebots gegenüber seinen 3er-Brüdern. Das ist sicher seine größte Stärke. Den Verlust an Fahrdynamik, den die Karosserieform eben mitbringt, hat BMW zum allergrößten Teil erfolgreich durch die Abstimmung kompensiert. So hat das Modell den sportlichen Charakter kaum verloren. Zumal sich auch der mittlere Diesel als ein guter Partner herausstellt, selbst wenn er kein Leisetreter ist.

Ankreiden lässt sich dem BMW 325d GT vor allem der stolze Preis. Familien müssen schon gut situiert sein, aber der gut situierte Vertreter könnte mit dem Platz-Argument bei der Dienstwagenverhandlung Erfolg haben. Ansonsten bekommen die Kunden ein Auto, das sich ordentlich fährt, wertig gebaut ist und eine Menge Nutzwert bei sehr ansehnlicher Figur mitbringt.

Stärken

Platzangebot

Sparsamer Motor

Materialien und Verarbeitung

Schwächen

Hoher Preis

Rauher Diesel

Lange Aufpreisliste und kostspielige Sonderaussattungen

Die Konkurrenz

Audi A5 Sportback

Technische DatenBMW 325d GT Sports Line
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe) 4,82/1,83/1,51 Meter
Leergewicht

1675 Kilogramm

Kofferraumvolumen Normal/Maximal

570 / 1600 Liter

Maximale Zuladung

570 Kilogramm

Sitzplätze5
Tankvolumen

60 Liter

MotorVierzylinder-Diesel-Motor mit Common-Rail-Einspritzung und doppelter Turboaufladung
Hubraum

1995 Kubikzentimeter

Getriebe8-Gang-Automatikgetriebe
Leistung (kW/PS)

160/218

Drehmoment

450 Newtonmeter zwischen 1500 und 2500 Umdrehungen/Min

Beschleunigung 0 - 100 km/h

7,1 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit

240 km/h

Verbrauch laut Hersteller (innerorts / außerorts / kombiniert)

5,9/4,5/5,1 Liter

CO2-Emissionen/Effizienzklasse

131 g/km / A

Verbrauch im Test

7,3 Liter

Typklassen (KH/VK/TK)

18 / 26 / 26

Preis als Basisfahrzeug

45 000 Euro

Preis des Testwagens

54 850 Euro

Autor

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben