Test Opel Adam 1.4 LPG : 100 Kilometer für nur fünf Euro

Schicker Lifestyle-Mini und Autogas-Antrieb? Geht das zusammen? Der Opel Adam 1.4 LPG liefert im Fahrbericht die Antwort - und die ist eine echte Überraschung.

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Vorreiter: Der Opel Adam 1.4 LPG will Lifestyle und Autogas-Antrieb verbinden.
Vorreiter: Der Opel Adam 1.4 LPG will Lifestyle und Autogas-Antrieb verbinden.Foto: Promo

Opel traut sich ja was! Pflanzt in einen modischen Kleinstwagen ab Werk einfach einen Autogas-Antrieb ein, der normalerweise das passende Triebwerk für die Sorte Vielfahrer in einem Vertreter-Kombi ist. Ja, geht das im wirklichen Leben wirklich zusammen?  Lifestyle-Mini und Autogas-Antrieb? Eine spannende Frage mit einer ungewöhnlichen Antwort. Lassen Sie sich einfach überraschen. So wie der Autor selbst.

Doch der Reihe nach. Mit dem Adam 1.4 LPG ecoFLEX erweitert Opel seine Autogas-Flotte auf zehn Modelle: Corsa (Drei- und Fünftürer), Astra (Fünftürer und Sports Tourer), Meriva und Zafira Tourer sowie Insignia (vier- und fünftürige Limousine plus Sports Tourer) stehen bereits als bivalente LPG-Versionen zur Verfügung. Mit dem Adam wird erstmals ein Autogas-Modell komplett am Opel-Standort Eisenach produziert.

Vorteil gegenüber Nachrüstlösungen

Die 1900 Euro Aufpreis für die ab Werk eingebaute Autogasanlage eines italienischen Spezialisten sind viel Geld, aber der getriebene Aufwand ist es auch: Der bekannte 1,4-Liter-ecoFLEX-Motor wurde optimal für den Einsatz von Flüssiggas ausgelegt. Für die LPG-Variante verstärkten die Opel-Ingenieure die Ventile und Ventilsitze und passten das Motormanagement an. Denn Autogas verbrennt bei höherer Temperatur als Benzin und es hat außerdem keine schmierenden Additive. Die Ventile könnten Schaden nehmen, wenn sie nicht extra gehärtet sind. Alle LPG-spezifischen Komponenten inklusive des eigens für den Adam konzipierten Autogas-Tanks wurden besonders tief in das Fahrzeug integriert.

Die Gasanlagen-Ausstattung ab Werk hat gegenüber Nachrüstlösungen also schon Vorteile. So genießt das Thema Sicherheit bei den Werksentwicklungen einen besonders hohen Stellenwert. Die Opel-Prüfliste umfasst zum Beispiel spezielle Crashtests für den Gastank und andere Komponenten,  die in kollisionsgeschützten Bereichen untergebracht und darüber hinaus optimal in die Sicherheitsstruktur des Fahrzeugs integriert sind. Der LPG-Tank verfügt über eine spezielle Schutzhülle, die den Behälter am Unterboden des Adam umgibt. Opel legt zwei Adapter bei, mit denen in ganz Europa Autogas getankt werden kann. Das Auto fährt stets mit Benzin an. Hat der Motor seine Betriebswärme erreicht, schaltet die Anlage automatisch auf Autogas um. Im Umschalter leuchtet eine rote LED auf. Von der Änderung der Kraftstoffart bekommt der Fahrer nichts mit.

Klein, aber fein: Ein Billigheimer ist der schicke Adam nicht.
Klein, aber fein: Ein Billigheimer ist der schicke Adam nicht.Foto: Promo

8,2 Liter Verbrauch im Schnitt

Ist der 35-Liter-Autogas-Tank leer, wird automatisch auf Benzin umgeschaltet. Man muss also keine Angst haben, liegen zu bleiben. Den Adam zeichnet eine Besonderheit aus: Bei diesem Opel wird sowohl der Benzin- als auch der LPG-Verbrauch exakt angezeigt – momentan und der Durchschnitt. Keine LEDs mit Ratefunktion, wie bei den meisten Nachrüst- und auch vielen Werksanlagen. Im Adam weiß der Fahrer genau,  wie viele Kilometer er noch als „Reserve“ hat. Und es wird sogar die Gesamtreichweite angezeigt. Das ist ganz selten, aber sehr praktisch. Da diese sich je nach Fahrweise ändert, hier die unseres Testwagens: 884 Kilometer, davon 452 Kilometer „alternative Rechweite“.

Im Schnitt verbrauchten wir auf der gut 1800 Kilometer langen Testfahrt 8,2 Liter Autogas pro 100 Kilometer (bei 6,9 Liter Normverbrauch). Mit  verhaltenem Gasfuß waren es 7,4 Liter. 100 Kilometer kosteten uns also, je nach Fahrweise (Autogas-Preis 0,66 Euro) , zwischen 4,88 und 5,40 Euro. Ein Diesel dürfte also im wirklichen Leben nur zwischen 3,6  und 4,0 Liter verbrauchen (Diesel-Preis 1,35 Euro). Und die Schnellfahrer? Wer auf der Autobahn konstant und konsequent 150 km/h fährt, kommt mit dem Adam auf einen Verbrauch von 10,5 Liter. Das klingt zunächst erschreckend, angesichts des LPG-Preises relativieren sich die Kosten jedoch: 10,5 Liter Autogas entsprechen einem Preis von 6,93 Euro (Autogas-Preis von 66 Cent pro Liter). Zum Vergleich: Ein Diesel dürfte bei Tempo 150 nicht mehr als 5,1 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen, um da mithalten zu können. Das können nur ganz wenige. Mit normalem Super lag der Verbrauch bei 6,2 Litern.

Rustikal, einfach, haltbar: Der ecoFLEX-Motor im Opel Adam 1.4, die "ecoTEC"-Beschriftung steht nur für die Bezeichnung bestimmter Motoren. Künftig soll der Aufdruck "ecoFLEX" die ganze Bandbreite des Angebots abdecken.
Rustikal, einfach, haltbar: Der ecoFLEX-Motor im Opel Adam 1.4, die "ecoTEC"-Beschriftung steht nur für die Bezeichnung bestimmter...Foto: Promo

Rustikal, einfach, haltbar

Gut, aber wer mit diesem Auto Super fährt, macht alles verkehrt. Denn nur, wenn möglichst oft mit dem günstigen LPG gefahren wird, rechnet sich der Autogas-Adam. Allein über die Kraftstoffkosten ist das bei rund 40000 Kilometer der Fall. Also hat man den Mehrpreis von 1900 Euro für die Autogasanlage erst nach gut zweieinhalb bis drei Jahren herausgefahren. Und erst dann spart man mit diesem Auto wirklich. Aber auch nicht die Hälfte der Kraftstoffkosten, wie von vielen „Experten“ suggeriert wird. Denn Autogas hat einen geringeren Brennwert als normales Benzin. Daher rechnet man bis zu 20 Prozent Mehrverbrauch.

Der 1,4-Liter-ecoFLEX-Motor selbst ist ein bekannter Motor alter Machart: rustikal, einfach, haltbar. Der Saugrohreinspritzer klingt etwas heiser-rustikal, doch dank ordentlicher Dämmung stört diese Eigenart nicht. Man gewöhnt sich schnell an dieses irgendwie sympathische Knurren. Bei höheren Geschwindigkeiten verliert es sich in den anderen Fahrgeräuschen. Die lang übersetzte Fünfgangschaltung arbeitet exakt und auch leichtgängig. Der Hebel liegt gut in der Hand.

Auftanken: Im Schnitt verbrauchten wir auf der gut 1800 Kilometer langen Testfahrt 8,2 Liter Autogas pro 100 Kilometer.
Auftanken: Im Schnitt verbrauchten wir auf der gut 1800 Kilometer langen Testfahrt 8,2 Liter Autogas pro 100 Kilometer.Foto: Promo

Das Konzept des Adam funktioniert

Fazit: Das gewagte Konzept funktioniert überraschend gut, weil der Adam eigentlich vom Gefühl her kein Kleinwagen ist. Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Autor war ebenfalls überrascht – nach einer 613 Kilometer langen Fast-Nonstop-Fahrt (nur ein Tankstopp und der obligatorische Gang aufs Örtchen) wunderte er sich, wie „groß“ ein Kleinwagen sein kann. Dazu kommen die für einen Kleinwagen geradezu superbequemen  Sitze mit sehr gutem Seitenhalt, die übrigens auch im neuen Corsa verbaut werden, sowie der trotz des vergleichsweise kurzen Radstandes von 2,31 Metern und trotz der montierten 17-Zoll-Räder mit Winterreifen sehr manierliche Fahrkomfort, der selbst lange Fahrten erträglich macht.

Und nicht zuletzt hat man innen das überraschende Gefühl, in einem größeren Auto zu sitzen. Das Raumgefühl ist mit dem einer halben Klasse höher vergleichbar, und das Cockpit überzeugt mit einer Wertigkeit, die in dieser Kleinwagenklasse selten ist. Allerdings sollte man nicht über die Schulter nach hinten schauen, Dann stellt man überrascht fest: Da ist ja Schluss! Ja, der Adam endet nach dem engen Fond (nur für Kinder) abrupt und outet sich hier eben doch als Kleinwagen der 3,70-Meter-Klasse. Das tut er auch bei der Größe des „Kofferraumes“ von nur 170 Litern, der für zwei Wasserkisten reicht.

Ergo: Der LPG-Adam ist das ideale Auto für zwei, die sich mögen, die Zeit haben und die noch neugierig sind, neue Gegenden in unserem schönen Land mit dem eigenen Auto zu entdecken. Günstiger und bequemer als mit dem Opel Adam kann man das derzeit nicht machen. Und eines ist leider auch gewiss: Der Benzinpreis wird in den nächsten Jahren weiter steigen.

PS: Ein Billigheimer ist der schicke Adam nicht. Der günstigste und gut ausgestattete Adam LPG JAM steht mit 16400 Euro in der Preisliste. Die empfehlenswerte von uns gefahrene Version GLAM  kostet 17090 Euro. Viel Geld, aber auch viel Sparpotential und hoher Aufmerksamkeitswert inklusive.

Das LPG-Lexikon

LPG ist nicht die Abkürzung für  Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, wie es damals zu Ostzeiten hieß. LPG (Liquified Petroleum/Propane Gas) heißt vielmehr die Mischung aus Propan und Butan, die sich  im Sommer und im Winter ändert. So nennt man verflüssigte Gase wie zum Beispiel Ethan, Propan, Butan und deren Gemische. Diese Gase sind bei Raumtemperatur unter vergleichsweise geringem Druck flüssig. Flüssiggas wird auch als Kraftstoff für Ottomotoren verwendet. Die erste deutsche Gastankstelle wurde 1935 in Hannover in Betrieb genommen. Bereits in den 1970er Jahren war Autogas in Italien und in den Niederlanden weit verbreitet.

Es verbrennt umweltfreundlicher als Benzin. Auch unter Berücksichtigung des prinzipbedingten Mehrverbrauchs von bis zu 20 Prozent beträgt der Schadstoffausstoß von Stickoxiden etwa 20 Prozent der Benzinverbrennung, CO2-Emissionen vermindern sich um ca. 15 Prozent und unverbrannte Kohlenwasserstoffe um 50 Prozent.

In Deutschland ist dieser alternative Kraftstoff an rund 6.500 oder 45 Prozent der Tankstellen erhältlich, in Europa sind es über 35.000. Die Bundesregierung hat einen Steuervorteil für Erdgas und Autogas bis zum Jahr 2018 per Gesetz festgeschrieben. Nach dem Energiesteuergesetz wird Flüssiggas (LPG/Autogas) als Kraftstoff mit 18 Cent/kg (9,74 Cent/L) bis Ende 2018 besteuert, danach wird der Satz auf 40,9 Cent/kg ( 22,1 Cent/L) angehoben. Laut Insidern ist es aber sehr wahrscheinlich, dass diese Steuervergünstigung verlängert werden könnte. Zur Zeit wird in der Politik sogar über eine Verlängerung bis zum Jahr 2030 diskutiert.

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