Zweite Liga : Niedergang eines Traditionsvereins

Das Horror-Szenario in der Pfalz nimmt langsam Konturen an. Dem 1. FC Kaiserslautern droht der Abstieg aus der Zweiten Fußball-Bundesliga und damit der Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Der Ursprung für diesen traurigen Niedergang liegt bereits zehn Jahre zurück.

Matthias Bossaller
Enttäuschter FCK-Fan
Tief betrübter FCK-Fan. -Foto: ddp

BerlinEine ganze Region hängt an diesem Traditionsverein, der in seiner Geschichte vier deutsche Fußball-Meisterschaften feierte und spätestens nach der 2:3-Heimniederlage im Südwest-Derby gegen TuS Koblenz am Montagabend dem Abgrund immer näher kommt.

Als Tabellen-Sechzehnter hat der FCK vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Dabei sah es nach der Entlassung von Trainer Kjetil Rekdal am vierten Spieltag der Rückrunde und der Verpflichtung von Nachfolger Milan Sasic kurze Zeit so aus, als ob sich Kaiserslautern etwas gefangen hätte. Doch die Heimpleite gegen Koblenz hat der Hoffnung rund um den Betzenberg wieder einen Dämpfer versetzt. Das Chaos, das den Klub seit zehn Jahren immer wieder begleitet, geht weiter.

Niedergang beginnt mit dem Meistertitel 1998

Der traurige Niedergang eines Klubs, der Spieler wie Fritz Walter, Hans-Peter Briegel oder Andreas Brehme hervorgebracht hat und dessen Festung "Betzenberg" europaweit gefürchtet war, nimmt paradoxer Weise ihren Lauf mit dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Der FCK feiert 1998 seine vierte deutsche Meisterschaft. Diesem Triumph kommt deshalb so besondere Bedeutung bei, weil die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel als Aufsteiger sensationell den Titel gewinnt.

Dieser Erfolg verschleiert bei den FCK-Verantwortlichen aber den Blick für die Realität. Hat der Verein gerade noch den Abstieg aus der Bundesliga verdaut, will er nach dem Sensations-Coup nachlegen und mit Liga-Größen wie dem FC Bayern München mithalten. Zur Saison-Eröffnungsfeier 1999/2000 steht Coach Rehhagel vor der Haupttribüne und verkündet stolz: "Euer Trainer hat euch einen Weltmeister gekauft." In die pfälzische Provinz kommt der kostspielige französische Weltmeister Youri Djorkaeff und mit ihm gleich Mario Basler vom FC Bayern. Fortan herrscht Großmannsucht in der Pfalz.

"Es gibt zu viele, die reinreden"

Ein Pfälzer Grundproblem kommt schon damals zum Vorschein. Jeder im Umfeld des Vereins fühlt sich berufen, mitzureden. Viele sehen die Chance, sich durch den Profi-Fußball ins Rampenlicht zu rücken. Ein treuer FCK-Fan beschreibt dieses Phänomen treffend in einem Interview mit der "Welt": "Es gibt im Umfeld zu viele, die reinreden und sich über die Provinzbühne FCK meinen profilieren zu müssen, obwohl sie nur irgendwelches Halbwissen über Internas haben. Diese Leute glauben, am Tagesgeschäft aktiv teilnehmen zu dürfen. Dabei spielen oft auch persönliche Eitelkeiten eine Rolle."

Den Anfang in dieser Riege macht Ex-Spieler "Atze" Jürgen Friedrich, Betreiber eines Herrenausstattergeschäft in der Innenstadt von Kaiserslautern. In seine Amtszeit als Präsident fällt die Meisterschaft 1998 aber auch der wohl beispielloseste Steuer- und Finanzskandal der Bundesligageschichte. Friedrich muss sich zusammen mit dem Vorstandskollegen Gerhard Herzog und Aufsichtsratschef Dr. Robert Wieschemann im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung und verdeckten Gehaltszahlungen an Spieler wie Taribo West und Djorkaeff vor Gericht verantworten.

FCK muss 8,9 Millionen Euro Steuern nachzahlen

Friedrich wird rechtskräftig verurteilt und der Klub muss 8,9 Millionen Euro Steuern nachzahlen. Der geschasste Präsident hinterlässt dem FCK ein Millionenloch in der Kasse, das beinahe zum Konkurs führt. 2002 belasten den Verein rund 40 Millionen Euro Schulden, die auch vom Umbau des Fritz-Walter-Stadions herrühren. Zeitgleich mit der finanziellen Schieflage beginnt der sportliche Abwärtstrend.

In der Saison 2002/2003 scheinen die "Roten Teufel" praktisch schon abgestiegen, doch Eric Gerets, der Andreas Brehme als Trainer ersetzt, schafft noch den Klassenerhalt. Finanziell gerettet wird der Klub vom neuen Vorstandsvorsitzenden René C. Jäggi. Der Schweizer saniert den Klub weitestgehend mit einem rigiden Sparkurs, der Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz und dem Verkauf des vereinseigenen Stadions an eine Betreibergesellschaft. Doch hinter den Kulissen geht der Kampf um Macht und Einfluss munter weiter.

Machtkampf tobt hinter den Kulissen

Ehemalige Spieler wie Hans-Peter Briegel oder Funktionäre stehen gegen Ministerpräsident Kurt Beck und Vereinsboss Jäggi. Es geht um die Wahl des neuen Aufsichtsrates. Zur Unruhe trägt auch die Spielervermittler-Agentur "Rogon" bei, die ungewöhnlich viele FCK-Spieler vertritt, viel Macht ausübt und Jäggi ein Dorn im Auge ist. Der Sanierer aus der Schweiz muss sich während seiner Amtzeit in oft polemischer Art und Weise anhören, dass er den Verein kaputt gespart habe. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, gibt Jäggi doch selber zu: "Sportlich bin ich gescheitert, das kann man so sagen."

Nach Gerets wird der FCK in der Saison 2004/2005 noch vom Österreicher Kurt Jara gerettet. Doch in der folgenden Spielzeit erwischt es die Pfälzer und sie steigen zum zweiten Mal nach 1996 ab. Was folgt sind noch zwei weitere Trainerentlassungen und Wechsel in der Führungsetage. Vorläufiger negativer Höhepunkt im Chaos-Theater auf dem Betzenberg ist der unerwartete Abschied des vermeintlichen Retters Klaus Toppmöller kurz vor Weihnachten 2007. Von ihm hatte sich der Verein mehr fußballerische Kompetenz in der Führung erhofft. Doch der ehemalige FCK-Profi gibt zermürbt durch die ständigen Unruhen und Kompetenzgerangel mit dem Trainer Rekdal nach nur 43 Tage im Amt auf.

Jetzt soll der neue Teammanger Fritz Fuchs den einst so stolzen Klub vor dem Super-Gau bewahren. Der 64 Jahre alte Ex-Profi war allerdings zuletzt in verantwortlicher Position als Sportdirektor am Niedergang des 1. FC Saarbrücken beteiligt. "Da habe ich gelernt, wie man im Abstiegskampf nicht vorgehen darf", sagt Fuchs dazu. Ob das Spieler und Fans beruhigen wird? Wohl kaum.

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