Fiarra Pudritzki : „Eine gruselige Angelegenheit“

Schülerbeitrag

Amy war schon seit dem Aufstehen wegen ihrer Halloween-Party total aufgeregt. Sie konnte es kaum noch aushalten.

Nachdem sie von der Schule zurück gekehrt war, fing sie sofort eifrig mit dem Schmücken des Dachbodens an, denn hier sollte die Feier stattfinden. Sie verdunkelte das Fenster mit schwarzen und dunkelroten Tüchern und verteilte dann noch Plastikspinnen im Raum. Das Zimmer wurde nur von wenigen Kerzen beleuchtet, das ließ alles schön schaurig aussehen. Amy war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wahrscheinlich hätte sich sogar ein echter Geist gegruselt.

Sie ging nach unten, um die Bowle anzurühren, da bemerkte sie, dass der Dielenboden richtig knarrte, Amy erschrak zunächst, doch dann grinste sie und dachte: „Oh gut, das verstärkt den Grusel-Effekt noch.“ In der Küche mixte sie die „Blutbowle“ zurecht, natürlich ohne Alkohol. Zusammen mit einem Berg von Knabberzeug und Süßkram brachte sie alles auf den Dachboden. Soweit war sie fertig, jetzt musste sie sich nur noch umziehen.

Amy verkleidete sich als Vampir, das Kostüm hatte ihre Mutter für sie genäht. Nun konnten die Gäste kommen. Sie hatte ihre vier besten Freundinnen und die Neue, die erst vor ein paar Wochen in die Stadt gezogen war, eingeladen. Amy hatte sie erst gestern beim Spaziergang mit dem Hund kennen gelernt und sie hatten sofort Freundschaft geschlossen. Komisch fand Amy nur, dass das Mädchen bereits in einem Kostüm herumgelaufen war.

Da klingelte es auch schon. Amy rannte wie der Blitz nach unten und öffnete. Vor der Tür standen eine Hexe und eine gruselige, grau-weiße Mumie. Amy zuckte zusammen, denn erst auf den zweiten Blick sah sie, dass es sich dabei um Cathy und Sandy handelte. „Hallo, kommt doch rein!“,

forderte Amy die Mädchen auf. Zusammen gingen sie nach oben. „Wow!“, staunte Cathy, „Das sieht hier ja sehr schaurig aus.“ Sandy stimmte begeistert zu.

Es schellte erneut. „Wartet bitte hier!“, rief Amy im Vorbeigehen. Diesmal stand eine böse, schwarze Elfe vor ihr. Diese versetzte Amy erneut in Angst und sie sprang einen Schritt zurück. Dann atmete sie auf, es war Lane. Die spuckte sofort los: „Waah, ich werde euch alle verfluchen!“ „Da oben sind noch mehr, die du verfluchen kannst.“, erwiderte Amy mit einem Lächeln auf den Lippen. Lane stürmte wie von wilden Hunden getrieben auf den Dachboden.

Bevor Amy ihr hinterher laufen konnte, läutete es zum dritten Mal an der Tür. Diesmal war Amy vorbereitet und sie erkannte nach kurzen Gucken, dass dort Kate stand. Sie war als Frankenstein-Monster verkleidet. „Hi Kate.“, begrüßte Amy sie.

„Sind wir komplett?“, wollte Sandy oben wissen. „Nein, Jessica fehlt noch. Sie ist neu hier und ich hab sie gestern kennen gelernt. Sie ist super nett und da hab ich sie spontan eingeladen. Ihr werdet sie bestimmt mögen“, klärte Amy auf.

In diesem Moment klingelte es zum letzten Mal, deshalb konnten weitere neugierigen Fragen nicht mehr beantwortet werden. Freudig rief Amy: „Da ist sie!“, und sauste augenblicklich nach unten. Als Amy die Tür öffnete, erschrak sie zunächst wieder. Der Geist, der vor ihr stand, sah unglaublich gruselig aus. „Dein Kostüm samt Schminke wirkt täuschend echt!“, betonte Amy. „Ich weiß.“, erwiderte Jessica nur.

Nun waren sie vollzählig. Als Erstes bekam jeder ein Glas Bowle. Beim Trinken staunten alle über Jessicas tolle Verkleidung. Sie spielten Stopptanz und Fledermaus und Motte.

„Jetzt kommt: ,Gib den Besen weiter. “, entschied Amy. Jessica verzog das Gesicht. „Was ist denn?“, fragte Cathy. „Naja,“, murmelte Jessica, „da bin ich nicht so gut drin.“ Sandy beteuerte: „Egal, es macht trotzdem Spaß.“ Das stimmte auch, aber irgendwie flutschte der Besen immer weg, wenn Jessica danach greifen wollte.

Draußen wurde es langsam richtig dunkel. „Bevor wir gleich auf ,Süßes oder Saures. -Tour gehen, muss jeder noch seine schrecklichste Grimasse schneiden“,forderte Amy. Alle gaben ihr Bestes, doch keiner konnte Jessica übertreffen.

Nachdem sie eine Weile auf den Strassen umher gewandert waren und schon einige Süßigkeiten ergattert hatten, stellten sich ihnen fünf große Jungen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren bedrohlich in den Weg. „Hey,“ blökte einer, „was machen denn sechs klitzekleine Mädchen in unserem Revier?“ Die Mädchen bekamen Angst. Nur Jessica blieb erstaunlich ruhig. Einer der Jungen hatte eine besonders hässliche Maske auf, er schrie: „Süßigkeiten her, sonst...“ Weiter kam er nicht. Jessica trat vor, zog eine fürchterliche Grimasse und stieß einen Schrei aus, der allen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Zwei Jungen erschraken so sehr, dass sie einige Süßigkeiten fallen ließen und fast genauso bleich wie Jessica wurden. Der Anführer behielt zwar die Nerven doch Angst klang in seiner Stimme mit, als er drohte: „So leicht vertreibt ihr uns nicht. Also seid brav, wie alle Winzlinge zuvor und rückt den Süßkram raus, sonst setzt es was!“

„Nein! Aber ihr solltet besser zu Mami gehen“, erwiderte Jessica ironisch und ihre Stimme klang eiskalt. Jetzt waren die Jungendlichen richtig wütend. „Was“, brüllte einer, „Du wagst es?“

Amy wollte schon rufen: „Weg hier!“ Dann sah sie, dass den Jungen plötzlich die Hosen runter rutschten. Das war nun doch zu viel für die Jungen und sie rannten davon, als ob der Teufel persönlich hinter ihnen her wäre.

Die Freundinnen lachten so sehr, dass sie zunächst kein Wort heraus bekamen. Als sie sich beruhigt hatten, fragte Amy erstaunt: „Wow, wie hast du denn das gemacht?“ Zehn Mädchenaugen blickte Jessica erwartungsvoll an, doch sie erwiderte fröhlich: „Reine Übungssache!“

Reich an Beute, aber etwas erschöpft kehrten sie später zu Amy zurück. Dort wartete eine Überraschung auf sie. Amys Mutter hatte inzwischen mit den Eltern telefoniert und nun durften alle gemeinsam auf dem Dachboden übernachten. Ein Luftmatratzen-Lager war bereits aufgebaut. Jubel hallte durchs Haus.

Alle rannten sofort zum Bad, um sich fertig zu machen. Nur Jessica nicht. „Komm, wir schminken uns erst ab!“; betonte Amy. Doch Jessica meinte nur: „Ich nicht, ich bin immer so bleich!“

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