Guide Michelin : Die Sache mit den Sternen

Der Guide Michelin bleibt für Köche das Maß aller Dinge. Und dazu gehört auch das Orakelhafte, seine konsequente Weigerung, Auszeichnungen irgendwie  zu begründen.

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Michael Kempf vom "Facil"
Michael Kempf vom "Facil"Foto: Jörg Carstensen

Gerade hat das Orakel wieder gesprochen. Und, keine Frage, Michael Kempf vom »Facil«, der Berliner Gewinner des Jahres, hat den zweiten Stern redlich  verdient. Aber träfe das nicht auch auf Matthias Diether zu, unseren Titelhelden? Der schnelle erste Stern für das »Les Solistes« im »Waldorf Astoria« mag eine Reverenz an den großen Pierre Gagnaire sein, aber immerhin ist er durch die aufwendige Küche auch voll gedeckt.
Was die Tester an den pseudoavantgardistischen Spielereien des spanischen Stars Paco Perez im »Cinco« gefunden haben, das wüsste man ebenso gern wie den Grund für die Auszeichnung der biederen Fleischküche des »Pauly-Saals«. Jedenfalls dann, wenn man diesen beiden Restaurants jene gegenüberstellt, die nicht mit einem Stern beglückt wurden, obwohl dort um Klassen besser, origineller gekocht wird: Sonja Frühsammer, Markus Semmler, Matthias Gleiß im »Volt«... Es sieht, wie schon öfter, ein wenig danach aus, als würde der Michelin die Tatsache, dass Köche in der Stadt verwurzelt sind, eher negativ bewerten, während kosmopolitische Bugwelle und ferne Herkunft einen Bonus bringen.
Das Maß aller Dinge? Sagen wir so: Auch wenn die Michelin-Leute immer viel Gewese um ihre Objektivität und Unbestechlichkeit machen, bleibt doch sicher, dass  Geschmack Geschmackssache bleibt. In diesem Jahr. Und auch im nächsten.

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