Restaurants in Berlin : Die spannendsten Neueröffnungen im Frühling 2017

Der Frühling beschert Berlin eine Fülle an spannenden Neueröffnungen: Ob spanische, kalifornische oder japanische Küche, 16 kulinarische Entdeckungen hat die „Tagesspiegel-Genuss“-Redaktion getestet.

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Sticks'n'Sushi: Sieht nicht nur spektakulär appetitlich aus Foto: Promo
Sticks'n'Sushi: Sieht nicht nur spektakulär appetitlich ausFoto: Promo

Sticks'n'Sushi

Hochehrgeiziges Projekt in den ehemaligen Räumen des Tagesspiegels an der Potsdamer Straße: Zwei Etagen, über hundert Plätze, eine Bar mitten im Raum und eine offene Küche, in der nicht weniger als ein Dutzend stimmgewaltige Köche aufwendige Sushi-Kreationen rollen, kleine Holzspieße mit wirklich ausgezeichnetem Fisch und Fleisch auf den Kushiyaki-Grill legen und alles höchst appetitlich anrichten. Stimmgewaltig deshalb, weil nach japanischer Sitte jedem Gast zur Begrüßung ein „Irasshaimase“ entgegen geschmettert wird, was angesichts der vielen Köche und der vielen ankommenden Gäste nicht ohne Komik ist. Das erfolgreiche Konzept stammt aus Kopenhagen - daher wohl auch die nordischen Einflüsse, die sich in schwarz angegrillten Edamame niederschlagen und einigen ebenso schwarz geflämmten Sushi-Füllungen wie einer sehr gelungenen mit Topinambur. Insgesamt gefällt das großzügige und kitschfreie Ambiente ebenso wie die Show der Küchencrew, die munter rollt und grillt, was zusammen schmeckt, und - das scheint hier mindestens genau so wichtig zu sein - spektakulär appetitlich aussieht. Küchenchef ist übrigens ein alter Bekannter: Song Lee, der die furiose Anfangszeit des „Dae-Mon“ begleitet hat und auch hier für ausgezeichnete Produktqualitäten und deren adäquate Inszenierung steht. KR

Asiatisch. Potsdamer Straße 85 | Tiergarten, Tel. 88 78 94 16 | sticksnsushi.berlin

Sardine mit Dulce de leche in der Bar Gràcia Foto: Kai Röger
Sardine mit Dulce de leche in der Bar GràciaFoto: Kai Röger

Bar Gràcia

Eine weitere vielversprechende Eröffnung in Prenzlauer Berg ist die zweite Bar des zwischen Hollywood, Berlin und Barcelona pendelnden Schauspielers Daniel Brühl. Aus seiner spanischen Lieblingsstadt hat er mit Geschäftspartner Atilano González nun in Kooperation mit der „Bar Pepita“ deren Konzept importiert: moderne Tapas jenseits von Pimientos de padrón und Chorizo in Cidre, konzentriert auf Eigenkreationen wie Tintenfischringe mit Kimchi-Mayonnaise oder Sardine mit Dulce de leche - zum Teil genial, zum Teil speziell, wie auch die Weine, allesamt spanisch, handverlesen und viele aus dem Naturweinfach. Spannend allemal und, wenn nur die Hälfte von Brühls Freunden, die in der Nachbarschaft wohnen, Stammgäste werden, ein garantierter Erfolg. KR

Spanisch. Göhrener Straße 5 | Prenzlauer Berg, Tel. 24 45 39 43

Salat aus Schwarzwurzeln mit Ziegenkäse im Bricole Foto: Promo
Salat aus Schwarzwurzeln mit Ziegenkäse im BricoleFoto: Promo

Bricole

So leicht wird es das neue „Hors d'Oeuvre“-Restaurant im ehemaligen „Buntspecht“ gleich um die Ecke der „Bar Gràcia“ nicht haben, auch wenn der Start mit viel Prominenz rundum geglückt ist. Es ist prinzipiell eine gute Idee, sich ganz auf wöchentlich wechselnde Vorspeisen zu beschränken; aber Möhre aus dem Smoker mit Maiscreme und Popcorn zu kombinieren oder getrüffelte Garnele mit Buchweizen und Wakame-Algen, überzeugt dann noch nicht so ganz. Aber das Team um Gastgeber Fabian Fischer (Ex-„Borchardt“) und Küchenchef Steven Zeidler (Ex-„Schatz“) ist munter am Testen, der Salat aus Schwarzwurzeln mit in Nuss paniertem Ziegenkäse und Rote-Bete-Espuma zeigt schon mal in die richtige Richtung. KR

Freistil, Senefelderstraße 30 | Prenzlauer Berg, Tel. 84 42 13 62 | bricole.de

Ziemlich gutes Sushi im Nihombashi Foto: Kai Röger
Ziemlich gutes Sushi im NihombashiFoto: Kai Röger

Nihombashi

Gehoben-chinesische Küche zum Teilen im „Roy & Pris“, einfache Dim Sums für Zwischendurch im „Yumcha Heroes“ und portugiesische Gebäckkultur im „Galao A Pastelaria“ - in unmittelbarer Nähe komplettiert die Sushibar „Nihombashi“ seit Kurzem das kulinarische Zentrum der beiden Großgastronomen Axel Burbacher und Guan Guangfeng am Fuße des Weinbergparks. Selbstredend hat auch hier ein Künstler das Ambiente gestaltet, selbstredend sind die SushiKreationen und Spieße vom Kushiyaki-Grill immer ein bisschen anders als das japanische Original: Die durchweg empfehlenswerten gegrillten Spieße werden mit Jakobsmuschel, Lammkarree und Lammfilet erstaunlich hochwertig bestückt, viele Sushi-Kreationen kommen mit rotem Reis und in ungewöhnlichen Kombinationen, oft nach Wahl geflämmt, roh oder oder à la Ceviche mariniert. Das alles wird serviert in einem quietschbunten Durcheinander aus bemalten Stühlen, knalligen Lampen und Manga-inspirierter Wandbemalung. Gut vor allem für zwischendurch, am besten mittags, wenn günstige Menüs angeboten werden. KR

Japanisch. Weinbergsweg 4 | Mitte, 0176 22 22 34 15

Big Sur: handfeste kalifornische Küche im Graefekiez Foto: Giovanni Dominice
Big Sur: handfeste kalifornische Küche im GraefekiezFoto: Giovanni Dominice

Riva Fish & Wine

Der kühl geschwungene Gastraum erinnert an eine Edel-Eisdiele. Doch in der Vitrine liegen Austern in breiter Auswahl. Die sizilianischen Betreiber haben ihnen eigene Drinks zugedacht. Ein Großteil der Karte besteht aus rohen Fischkreationen, da ist beste Qualität Pflicht. Für die Octopus-Tagliolini werden Tuben in Streifen geschnitten, aber nicht fein genug für Genuss ohne Zerren. Treffend sauersüß abgeschmeckt ist die Caponata, doch die Schwertfischwürfel darauf sind hart. Für Nudelfans: feine Gnudi, Grieß-Ricotta-Klößchen. Eine Weinliste gab es noch nicht, dafür stolze Preise für Offene ganz nach Gusto des Wirts. UA

Italienisch. Rosenthaler Straße 3 | Mitte, Tel. 28 09 87 65 | rivafishandwine.com

Big Sur

Neu im Graefekiez und gleich ein voller Erfolg: Eigentlich zu groß für ein Restaurant, teilt sich das Big Sur in Barbereich in der einen, und Gastraum in der anderen Ecke. Dazwischen liegt der großzügige Empfangsbereich, wo die vielen Gäste, die nicht reserviert haben, freundlich und selbstredend in Englisch vertröstet werden. So oder so ist es keine schlechte Idee, den Abend mit einem Cocktail zu beginnen und dann zu den Bieren vom Fass zu wechseln, das passt besser zur handfesten kalifornischen Küche. Die hat sich in den vergangenen Jahren zu einer tendenziell scharfen, asiatisch-mexikanisch beeinflussten, schizophren zwischen opulenter Fettigkeit und roher Gemüsigkeit wandelnden, aber rundum schmackhaften Sache entwickelt. So freut man sich über die Chicherones aus gepoppter Schweinehaut mit BBQ-Sauce, scharfen Mixed-Pickles und klassischem Rillette. Und bleibt etwas ratlos bei etwas zu süffigem gegrillten Romanasalat mit Chili, Zitrone und trockenem Schweinebauch. Keine Ausfälle, aber eben auch keine ausbalancierten Gerichte, die man nochmal essen müsste. Es spricht für den Anspruch der Küche, nicht auf Burger reduziert werden zu wollen, trotzdem: Hier schmeckt er richtig gut und bleibt erste Wahl. KR

Kalifornisch. Graefestraße 11 | Kreuzberg, Tel. 89 40 55 55 | Bigsur.berlin

Asiatisch-kalifornische Fusionküche im Mrs Robinson's Foto: Kai Röger
Asiatisch-kalifornische Fusionküche im Mrs Robinson'sFoto: Kai Röger

Mrs Robinson's

Noch etwas Neues im kulinarisch einst so banalen Prenzlauer Berg: Asiatisch-kalifornische Fusionküche könnte man die Richtung dieses vom Start weg ausgebuchten Restaurants nennen. Die ausgefeilt gefüllten Bao-Brötchen, zum Beispiel mit frittierter Soft-Shell-Crab, sind durchweg zu empfehlen. Wer einen stabilen Magen hat, sollte auch den rohen Grünkohl mit hausgemachtem Bacon, gepellten „Rosinen“-Tomaten, chinesischen Tahini und - darüber gehobelt - in Salz getrocknetem Entenei probieren - es schmeckt! Ambitioniert, aber noch etwas diffus zeigt sich die Küche bei anderen Experimenten wie Jakobsmuscheln mit Erbsencreme, Kaffee, Meerrettich und überreicher Hummerbutter oder dem gegrillten Schweinenacken mit scharfen Apfel-Julienne und einem undefinierbaren Spinatsalat mit - laut Karte - Kimchi-Vinaigrette und schwarzem Knoblauch. Auch dürfte das edel-spärliche Ambiente mit kargen Sitzgelegenheiten, die schummrige Beleuchtung und die nervös-wummernde Hintergrund-Beschallung nicht jedermanns Sache sein. Aber immerhin, es tut sich was, und der Fokus auf internationale Foodies bringt neue Gäste in den Bezirk. KR

Crossover. Pappelallee 29 | Prenzlauer Berg, Tel. 54 62 28 39 | mrsrobinsons.de

Tafelspitz in zwei Gängen aus dem Einstein Unter den Linden Foto:Pomo
Tafelspitz in zwei Gängen aus dem Einstein Unter den LindenFoto:Pomo

Einstein Unter den Linden

Das von Polit- und Medienprominenz hochgeschätzte Wiener Caféhaus gibt es schon lange, aber nach der Übernahme durch die „Grill-Royal“-Macher präsentiert es sich vor allem abends wie eine Neueröffnung. Konzentriert auf Wiener Klassik à la Plachutta: Tafelspitz in zwei Gängen serviert, Wiener Schnitzel, Saftgulasch und Backhendl - das sind die Pfeiler der Wiener Küche, und hier werden sie nicht neu erfunden, aber so genau zubereitet, dass ein „besser geht halt nicht“ das Fazit bildet. Dafür mit verantwortlich ist Sigi Danler, Ex-Küchenchef im „Pauly Saal“, der jetzt als eine Art kulinarischer Ideengeber für Küchenchef Michael Richter fungiert. Ihnen sind so kleine Exoten der Abendkarte zu verdanken wie ein herausragender, gleichsam knusprig wie süffig ausgebackener Kalbskopf und ein Sauerbraten aus Rehfleisch mit cremiger Muskat-Polenta und gebratenem Chicorée. Weitere Verstärkung aus dem „Pauly Saal“ kam mit dem weinerfahrenen Betriebsleiter Karlheinz Lubojanski, der dem souveränen Team um Gastgeber Jonathan Karlitzky eine hocherfreuliche Weinauswahl vorwiegend aus Österreich und Deutschland in die Hand gibt. Einziges Manko: Die Qualitätsoffensive hat ihren Preis: Billiger isst man sein Schnitzel vielerorts. Aber kaum besser. KR

Österreichisch. Unter den Linden 42 | Mitte, Tel. 204 36 32 | einstein-udl.com

Data Kitchen: Essen im 21. Jahrhundert, bestellt wird per Smartphone-App Foto: Kai-Uwe Heinrich
Data Kitchen: Essen im 21. Jahrhundert, bestellt wird per Smartphone-AppFoto: Kai-Uwe Heinrich

Data Kitchen

Heinz „Cookie“ Gindullis liefert das Küchenkonzept, SAP die Technik. Herausgekommen ist in den Räumen des verblichenen „Panasia“ ein ziemlich futuristisches Bistro mit allerlei Angebertechnik drumherum, aber auch geschmackvollen analogen Büchern und Zeitschriften. Das Besondere ist hier, dass man das Essen ausschließlich vorab per Handy bestellt und es sich ohne Wartezeit selbst aus einer elektrisch öffnenden Futterluke holt. Das klingt einfach, ist es vielleicht auch, wenn man die Bestell-App einmal verstanden hat - denn auch banale Nachbestellungen wie Kaffee oder Wasser gehen nur auf diesem Weg. Und der Rest? Frischer und pfiffiger Businesslunch im neudeutschen Stil und ein sehr hilfsbereiter Service (humanoid, jung, adrett), der nicht an ratlosen „analog natives“ verzweifelt. KR
Deutsch. Rosenthaler Straße 38 | Mitte, Tel. 68 07 30 40 | datakitchen.berlin

100 Prozent Peloponnes - die Vinothek Vino Greco rFoto:Pomo
100 Prozent Peloponnes - die Vinothek Vino GrecorFoto:Pomo

Vino Greco

Dem griechischen Wein zu größerer Akzeptanz verhelfen, das ist die Passion von Aris Papageorgiou. Nach einem Versuch in Mitte erfand er seine Vinothek „Vino Greco“ im alten Westen noch einmal neu: „100 Prozent Peloponnes“ lautet das Konzept, alle Weine und Rezepte stammen von der Halbinsel im Süden des griechischen Festlands. Im intimen Gastraum rund um die kleine Küche werden als „Konvolut“ kalte und warme Vorspeisen serviert, die der Grieche an der Ecke nie so fein auftischt (18 Euro für zwei). Hinzu kommen Gerichte mit Schnecken, herzhafte Lammbuletten und wechselnde Tagesteller. Das Gros der Weine stammt von der Monemvasia Winery aus der Region Lakonien. Aus einheimischen Rebsorten gekeltert, schenken sie animierenden Trinkgenuss zu fairen Preisen. UA

Griechisch. Suarezstraße 49 | Charlottenburg, Tel. 31 51 84 84 | vino-greco.com

Craft-Beer, erstaunlich gutes Essen aber kaum Vokale - das Brlo Brwhouse Foto: Kai Röger
Craft-Beer, erstaunlich gutes Essen aber kaum Vokale - das Brlo BrwhouseFoto: Kai Röger

Brlo Brwhouse

Mit Vokalen haben es die Brauer von „Brlo“ ja nicht so, aber Brauhausgaststätte können sie: Von außen sieht es aus wie ein riesiger Wohncontainer, aber drinnen geht es auf zwei Ebenen gemütlich zu und immer rappelvoll. Ebenso innovativ wie das Design präsentiert sich auch das Bar- und Küchenkonzept: Viele Craft-Biere vom Fass, „Probierbretter“ mit sechs verschiedenen Biersorten im Miniformat jeweils mit passender Tapa, dazu eine ambitionierte Küche, die Vegetarisches wie wilden Brokkoli mit geräucherter Brokkolicreme und fermentierten Radieschen als Basis nimmt, zu der Beilagen wie weiße Zwiebelcreme und Toppings wie „German Kimchi“ ausgewählt und mit Fleisch aus dem Smoker ergänzt werden können. Wenn erst die Terrasse geöffnet ist, auch mit Parkanschluss. KR

Crossover: Schöneberger Straße 16 | Tiergarten; Tel. 0151 74 37 42 35 | brlo-brwhouse.de

24/7 internationales Wohlfühlfrühstück: Benedict Foto: maxbrown
24/7 internationales Wohlfühlfrühstück: BenedictFoto: maxbrown

Benedict

Die erste Filiale außerhalb Israels serviert sieben Tage die Woche rund um die Uhr (aktuell nur bis 23 Uhr, das soll sich aber in den nächsten Wochen wieder ändern, die RED 8.5.20017) gut gemachte internationale Frühstücksspezialitäten mit Ausflügen in die ostmediterrane Küche, von Eggs Benedict, English Breakfast bis Shakshuka. Vieles wird selbst gebacken und auch die namensgebenden Eier mit Bacon und Sauce Hollandaise sind gut gemacht und so gehaltvoll, dass es allemal auch für Lunch oder Dinner reicht. Das Hummus mit Roten Beten haben wir in Berlin zwar schon besser gegessen, dafür ist die dicke, unfettige Eisbein-Stulle eine ebenso charmante wie schmackhafte Berlin-Reminiszenz. Bleibt zu erwähnen, dass dieses Konzept wohl aufgeht: Morgens und mittags brummt der Laden, abends - wer hätte es gedacht - sind aber immer noch Plätze frei. KR

Nahöstlich. Uhlandstraße 49 | Wilmersdorf | Tel. 994 04 09 97 | benedict-breakfast.de

Endlich tut sich etwas in Sachen ausgefeilte italienische Küche Foto: promo
Endlich tut sich etwas in Sachen ausgefeilte italienische KücheFoto: promo

Mine/Wine

Der Ehrgeiz ist groß, kein Wunder, denn exakt hier in der Meinekestraße stand ja mal das „Maitre“, eines der deutschen Top-Restaurants der 1970er. Und auch diesmal ist der Betreiber eine große Nummer, jedenfalls in Russland: Aram Mnatsakanov tritt dort im Fernsehen auf und betreibt eine Reihe von italienischen Restaurants. Das tut nun auch sein Sohn Mikhail in Berlin: „Mine“ heißt das Restaurant, „Wine“ die Weinbar, macht zusammen „Mine/Wine“. Vorurteile sind unberechtigt: Weder ist das Essen protzig teuer, noch sind es die Weine, die zum großen Teil dem „Natur“-Trend folgen. Der nette, anfangs noch etwas konfuse Service präsentiert ein differenziertes Küchenprogramm: Garnelen-Ceviche mit Ingwer-Granité und marinierten Rettichwürfeln, toskanischer Brotsalat als Miniatur mit Taschenkrebs und Tomatensorbet, alles frisch, fein ausgewogen. Ausgezeichnet schmecken die hauchdünn umhüllten Ravioli mit Rind und Trüffeln, dann folgen üppig dosierte Hauptgänge, puristisch konzipiert wie das gelungene Meeresfrüchterisotto, die Lammhaxe mit Blumenkohl oder Kalbsbäckchen mit Kräutern. Falls dieses Niveau gehalten wird, könnte das den selbstgefällig eingenickten Berliner Italienern schon mal Beine machen. BM

Italienisch. Meinekestraße 10 | Charlottenburg | Tel. 88 92 63 63 | minerestaurant.de

"New London cuisine" in Anton Michels Richwater & Mitchel Foto: promo
"New London cuisine" in Anton Michels Richwater & MitchelFoto: promo

Richwater & Mitchell

„New London Cuisine“ serviert Anton Michel in seinem neuen Restaurant in Moabit. Bereits vor zwei Jahren ist der Koch, der trotz seines jugendlichen Alters schon eine Vielzahl beeindruckender Stationen hinter sich hat, mit dem kurzlebigen Pop-up-Restaurant „Anton kocht“ am Winterfeldtplatz aufgefallen. Der schräge Charme des Vorgänger-Griechen wurde nur sanft übertüncht, es gibt Platzteller von Ikea, einen freundlichen Restaurantleiter in Jeans, moderate Preise und keinerlei Hemmschwelle. Während die eigentliche Weinkarte noch im Aufbau befindlich ist, gibt es schon eine gute Auswahl offener Weine. Knusprige Schweineschwarten mit einem Dip aus Limette und Chili entsprechen dem Snack-Bedarf des überwiegend jungen Publikums. Das „Scotch Egg“ besteht aus weich gekochten Eihälften in einem Mantel aus knusprig gebratenem Hackfleisch. Schneeweißer, saftiger Knurrhahn wird mit einer raffiniert gewürzten englisch-indischen Tomatensauce serviert. Unbedingt probieren sollte man das hausgemachte Sauerteigbrot und den Kendal Mint Cake. EB

Englisch, Wiclefstraße 30 | Mitte | Tel. 39 83 40 99, richwatermitchell.de

Quietschbunt aber asiatisches "Junkfood" vom Feinsten Foto: promo
Quietschbunt aber asiatisches "Junkfood" vom FeinstenFoto: promo

67 Sixtyseven

Si Ans (District Môt, Si An, Chen Che) neuester Streich macht keinen Hehl daraus, dass sich hier alles nicht um ausgefeilte vietnamesische Küche sondern um mehr oder weniger selbsterfundenes „Junkfood“ dreht. Quietschbuntes Interieur, ein knallrot gekachelter Tresen mit kleinen Plastikhockern davor und auf der Karte Bao Burger, Pho und Frittiertes - wie immer, wenn sich Si An ein Thema setzt, verfolgt er dieses bis in letzter Konsequenz, auch wenn das hier ein bisschen in den Augen weh tut. Aber das „Junkfood“ ist eine Klasse für sich. KR
Junkfood. Rosenthaler Straße 67 | Mitte, Tel. 28 04 03 67

Panasiatische Küche mit Thai-Twist im Nithan Thai Foto: promo
Panasiatische Küche mit Thai-Twist im Nithan ThaiFoto: promo

Nithan Thai

Noch eine Neueröffnung, die sich der Verfeinerung der asiatischen Küche in Berlin auf die Fahne geschrieben hat. Das Konzept hat sich bereits in Tel Aviv bewährt: Ein Crossover aller Küchen Asiens gespickt mit französischem Küchenwissen und immer mit einem Dreh nach Thailand. Die Thai Roll zum Beispiel könnte man als in Tempurateig frittierte Thunfisch-Lachs-Maki ohne Reis bezeichnen, die auf zwei Saucen gebettet ist. Die Produktqualität ist herausragend, ebenso das Handwerk, das trotz kross-frittiertem Mantel den Fisch roh ins Ziel bringt. Die beiden Saucen, eine Teriyaki-ähnliche und eine mit Wasabi-Aroma sind hocharomatisch und vermischen sich so, als wären sie füreinander bestimmt. Das ist die Idee des charismatischen Chefs Shahaf Shabtay, der aus Israel stammt, in Frankreich das Küchenhandwerk lernte, und der jetzt die Brücken zwischen den Küchen Asiens und noch weiter schlägt, wie beim Massaman Mai: Rippchen mit Foie gras, Schwarze-Bohnen-Chili, Datteln, Boston-Salatblätter und Erbsen-Joghurt-Minze-Brot - alles scheint erlaubt, alles schmeckt und bietet sich zum Teilen an. Dazu ein Ambiente, das mit deckenhohem Weinkühlschrank, Humidor, offener Küche, eleganten Sitzgelegenheiten und Bar ins Exklusive zeigt, insgesamt preislich aber auf dem Boden bleibt. Bald auch mit Mittagstisch und Kochschule. KR

Asiatisch crossover. Chausseestraße 5 | Mitte, Tel. 55 21 39 69 | nithanthai.de


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