Für immer unvergesslich : Kein normaler Schultag

Am Morgen des 10. November 1989 hatte sich Tagesspiegel-Leserin Barbara Geister auf einen ganz normalen Schultag eingestellt. Aber schon sehr schnell merkte die Lehrerin, dass dieser Tag alles andere als gewöhnlich war.

Barbara Geister

Am Morgen des 10. November 1989 versorgte ich wie immer die Kinder und fuhr dann im Eiltempo mit dem Fahrrad zur Arbeit, der Grundschule am Fließtal, wo ich als Lehrerin eine 3. Klasse unterrichtete. Ich kam an, bereit einen normalen Schultag zu erleben. 

In heller Aufregung jedoch begrüßten mich die Kinder und Kollegen: "Die Grenze ist auf! Die Mauer wird geöffnet! Weißt Du schon...? Weißt Du mehr...?" 

Im Lehrerzimmer herrschte grenzenloses und fassungsloses Durcheinander. Einige wussten mehr, andere weniger, ein Radio wurde eingeschaltet. Wir mussten in die Klassenräume zu den Kindern, erste Informationen geben und Gespräche so kindgerecht wie möglich auch mit den Kleinsten führen.

 

Und dann, in den Pausen, stand es fest: Sofort nach dem Unterricht fahren die Lehrer, die es möglich machen können, mit der S-Bahn zur Bornholmer Straße. Den Weg vom Bahnhof Wollankstrasse bis zur Brücke rannten wir mit vielen anderen und sahen es dann schon von Weitem: Menschenmassen bevölkerten die Brücke, dazwischen fuhren zahllose Trabbis, die von Ost nach West im Schritttempo fuhren, alles schrie und jubelte durcheinander.

Wir klopften auf Motorhauben, umarmten wildfremde Menschen, Tränen flossen in Strömen, wir ließen Sektkorken knallen und waren überglücklich und berauscht von so vielen Emotionen. Fassungslos standen einige herum – überwältigt von ihren Gefühlen und der Situation. Es war unbeschreiblich und wird mir für immer unvergesslich bleiben.

 

 

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