Der Kampf gegen Ebola : Wie Freiwillige für den Ernstfall trainieren

Ein falscher Schritt, eine falsche Bewegung. In den Ebola-Gebieten kann das den Tod bedeuten. In Würzburg trainieren Ärzte für den Ernstfall. Doch wie wappnet man sich gegen den Schrecken?

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Gefahr ohne Grenzen. Fast 5000 Menschen sind in diesem Jahr in Westafrika an Ebola gestorben, mehr als 13 000 haben sich infiziert. Den Hilfsorganisationen fehlen Freiwillige.
Gefahr ohne Grenzen. Fast 5000 Menschen sind in diesem Jahr in Westafrika an Ebola gestorben, mehr als 13 000 haben sich...dpa/Ahmed Jallanzo

Die Katastrophe geschieht nach gerade mal zwei Minuten in der Hochrisiko-Zone. Den Schutzanzug hat Andreas Gammel korrekt angelegt, keinen Millimeter Haut frei gelassen. Die langen OP-Handschuhe sind bis zum Ellbogen über den Anzug gezogen, die Übergänge zwischen Schutzbrille, Mundschutz und Gesichtsmaske mit Klebeband abgedichtet. Doch dann macht der 53-Jährige einen Fehler. Der Arzt beugt sich mit der Spritze in der Hand über die Patientin, die auf einem niedrigen Feldbett liegt, er will ihr Blut abnehmen. Da schlägt sie um sich, und die Spritze landet auf seinem Arm. Wäre dies kein Test, sondern der Ernstfall, könnte Gammel sich gerade mit Ebola infiziert haben.

„Stopp“, ruft in dem Moment ein Mann. Er klingt ungehalten. „Sie arbeiten mit einer hoch infektiösen Krankheit! Mit spitzen Gegenständen müssen sie extrem vorsichtig umgehen.“

Andreas Gammel bereitet sich gerade auf den Einsatz in Westafrika vor. Die Hochrisiko-Zone ist nur simuliert, mit trüben Plastikplanen, die an gespannten Seilen befestigt sind, mitten in einer Halle der Feuerwehrschule von Würzburg. Weiße Schilder mit der Aufschrift „Ebola-Training“ weisen den Weg ins Gewerbegebiet.

"Ich bin Christ", sagt er. Es ist meine Pflicht, zu helfen

Gammel, ein Allgemeinmediziner mit eigener Praxis, ein kleiner, sportlicher Mann, hat sich Ende September beim Roten Kreuz als Freiwilliger gemeldet, einen Tag nachdem er gelesen hatte, dass in Westafrika Ärzte und Pfleger gebraucht werden. „Ich bin Christ, ich sehe es als meine Pflicht an, mich zu engagieren, wenn ich kann“, sagt er. Schon früher wollte er in Katastrophengebieten helfen, im Iran oder in Haiti nach dem Erdbeben, auf den Philippinen nach dem Taifun. Doch entweder hatte er Bedenken, weil seine drei Kinder zu klein waren, oder er fühlte sich als Allgemeinarzt nicht ausreichend vorbereitet. Jetzt passt alles: Im Ebola-Gebiet werden keine Spezialisten gebraucht, seine Kinder sind erwachsen.

In Würzburg hält das missionsärztliche Institut einen zweitägigen Kurs ab, für alle, die im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Kampf gegen Ebola helfen wollen. Die Trainings finden jede Woche statt, erst mal bis Weihnachten. Wenn das Virus dann noch nicht in Schach ist, soll es im Januar weitergehen.

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