Breklum, wo Breitband Privatsache ist

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Vor der Bundestagswahl : Was die Menschen in Deutschland bewegt
Von Deike Diening, Dagmar Dehmer, Sven Goldmann, Patrick Guyton, Sebastian Leber, Tobias Wolf und Pepe Egger
Martin Grundmann kümmert sich in der Provinz um Stromerzeugung und, wichtiger noch, den Ausbau des Breitbandnetzes.
Martin Grundmann kümmert sich in der Provinz um Stromerzeugung und, wichtiger noch, den Ausbau des Breitbandnetzes.Foto: Dagmar Dehmer

Die Brise weht hier eher steif. Rund um das nordfriesische Dorf Breklum drehen sich Dutzende Windräder.

Martin Grundmann, Geschäftsführer der Arge Netz, blickt sich zufrieden um. Rund 4000 Megawatt Stromerzeugungsleistung aus erneuerbaren Energien sind es, die hier in Breklum – in einem so genannten virtuellen Kraftwerk – zusammengeschaltet werden.

Grundmann ist stolz darauf, dass die Pioniere der Windenergie in Schleswig-Holstein dazu beigetragen haben, Dörfer wie Breklum lebenswert zu halten. Daran hat auch seine Firma ihren Anteil, auch wenn das nicht ihr wichtigstes Anliegen war. Denn die Schaltzentrale all der Windräder stünde bestimmt nicht in Breklum, wenn dafür nicht inzwischen eine leistungsstarke Breitband-Datenleitung zur Verfügung stünde. Und die wiederum hat die Arge Netz – ursprünglich ein Zusammenschluss hiesiger Windmüller – selbst gebaut. Grundmann und seine Kollegen häuften dabei Expertise an, bis heute verlegen sie Datenleitungen: Wenn zwei Drittel der Bewohner eines Dorfes zum Beispiel Interesse an schnellem Internet bekunden, fängt die Firma an zu bauen.

"Wir halten die Glasfaser für eine unerlässliche Lebensader"

Felix Middendorf, beim Amt Mittleres Nordfriesland für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sagt: „Wir messen dem ,schnellen Internet‘ gerade in unserer ländlich geprägten Region sehr große Bedeutung zu und halten die Glasfaser für eine unerlässliche Lebensader.“ Junge Familien zum Beispiel seien ohne Breitband nicht dauerhaft in der Region zu halten. Und ob jemand ein Haus baue oder kaufe, hänge oft von der Antwort auf die Frage ab, ob die Breitbandleitung schon liegt.

Martin Grundmann, der sich die Geschäftsführung der Arge Netz mit zwei Kollegen teilt, ist seit der Gründung vor knapp acht Jahren dabei. Der ursprüngliche Gedanke damals war, durch den Zusammenschluss von Windradbetreibern erfolgreicher mit den Stromnetzbetreibern verhandeln zu können. „Das ist heute nicht mehr nötig.“

Nötig aber sei die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, findet Grundmann. Schon der reine Betrieb eines Windparks ist ohne intelligente digitale Steuerung kaum noch möglich. Gerade in einer Region, in der Windrad an Windrad steht, müssen die Anlagen ständig aufeinander ausgerichtet werden, um den Stromertrag zu erhöhen – oder in Zeiten von Netzengpässen zu senken. Die dabei anfallenden Daten wiederum könnten die Basis für neue Geschäftsmodelle werden, hofft Grundmann.

Mit Windkraftgegnern haben er und seine Kollegen übrigens kein großes Problem. Die Gewerbesteuereinnahmen der Orte rund um Breklum – das benachbarte Städtchen Bredstedt ist mit 5000 Einwohnern der größte hier – haben einen bescheidenen Wohlstand gebracht. Jedenfalls gibt es keine Debatten mehr darüber, ob sich ein Dorf einen Kindergarten leisten kann oder nicht. Die Bewohner der Region wissen, was sie der Windenergie verdanken.

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