Kolumne: Von Tisch zu Tisch : Klostermühle

In Alt Madlitz gibt es ein Restaurant mit laufendem Mühlrad. Wie schmecken da wohl Hechtfilet und Erdbeer-Grießflammeri?

Bernd Matthies
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Gut Klostermühle in Alt Madlitz.Foto: Mike Wolff

Nun mal los, Leute, raus aufs Land. Es ist ja nur die eine Sache, darüber zu lamentieren, dass sich draußen in der Mark soooo wenig bewegt. Die andere ist es, jene, die was tun, nach Kräften zu besuchen. Und für diesen Fall habe ich jetzt endlich was Neues in Brandenburg, ehrgeizig inszeniert bis ins Detail: das Gut Klostermühle, eine Mixtur aus Gasthaus, Hotel und Spa, wunderbar ruhig gelegen am See in einer der schönsten Ecken des Berliner Umlands. Zwei große Pools, einer drinnen, einer draußen, umfangreiche Angebote für „Medical Wellness“, kitschfrei eingerichtet. Vieles wirkt wie aus der „Bleiche“ geklaut, na, es gibt schlechtere Vorbilder.
Aber hier soll es ja ums Essen gehen. Öffentlich zugänglich sind zwei Restaurants in restaurierten Altbauten: die anheimelnde „Klosterscheune“ mit ländlichen Klassikern und die etwas feinere „Klostermühle“, tatsächlich mit einem laufenden Mühlrad. Feinschmecker wird eher interessieren, dass im edel rustikal gestalteten Inneren eine offene Molteni-Küche steht, der teure Traum jedes Küchenchefs. Gleich fünf Weißbemützte kümmern sich auf engem Raum um die Gäste, und sie tun das professionell und mit originellen Gerichten, die dann und wann höhere Sphären streifen und exzellenten Gegenwert fürs Geld bieten.

Saftige Taubenbrust auf Kalbskopf mit Morcheln oder hübsch rosig gebratene Rehleber mit Apfelscheiben und kleinem Salat, das sind zwei Vorspeisen, die ein sicheres Händchen fürs Garen und Abschmecken verrieten, eine Rarität nicht nur in diesem Winkel des Landes. Schön schaumig und charaktervoll gelang die Steckrübensuppe mit einer kleinen „Praline“ aus Ziegenquark, herrlich würzig die Wildconsommé mit einigen kleinen Ravioli, gefüllt mit grünen Nüssen. Dass der Nudelteig zu dick war, gehört zu den kleinen Unstimmigkeiten, die hier nicht ausbleiben, aber den Genuss angesichts der Preise nicht wirklich schmälern: Vorspeisen um 10, Suppen und Desserts um 7, Hauptgerichte um 18 Euro.

Und weiter: Hechtfilet mit Grützwurst im Brickteig, das ist eine schwierige Kombination, das Hechtaroma wurde erdrückt, zumal der Fisch noch halbroh war und schon deshalb keinen Charakter entwickeln konnte. Barigoule vom Lamm: gutes Fleisch, rosa gegart, auf einer würzigen Suppengrundlage mit Artischocken und einer etwas matten Kartoffel – da wäre eine zusätzliche Würzidee nicht falsch, aber geschmeckt hat es gut. Schließlich, ein Höhepunkt: ausgezeichnete Desserts wie das Erdbeer-GrießFlammeri mit Ingwer-Kokos-Eis und Rhabarberkompott oder die Creme brulée von der Steckrübe(!).

Schade, dass die Weinkarte bislang nur ein wüstes Sammelsurium aus aller Welt anbietet, viel Preisgünstiges mit ein paar teuren Luxusweinen mittendrin, schade, dass sogar ein gängiger Weißer wie der Chardonnay von Oliver Spanier (23,50) aus dem Keller geholt und dann erst mühsam auf Trinktemperatur gebracht werden muss. Überhaupt kann der befangen wirkende Service mit der Küche noch nicht Schritt halten; ärgerlich, wenn unangemeldete Gäste an einen Katzentisch verbannt werden, obwohl die besseren Plätze zwei Stunden später alle noch frei sind. Dennoch: unbedingte Empfehlung. (Autobahn Berlin-Frankfurt/Oder, Ausfahrt Briesen, dort ausgeschildert.)

Klostermühle, Mühlenstraße 11, Alt Madlitz, Telefon (033607) 5929, täglich 11-23 Uhr.

Das holländische Viertel in Potsdam zieht Touristen an, die Straßen sind voll von Kneipen, da müsste es auch was Anspruchsvolles geben. „Maison Charlotte“ heißt die erste Adresse: Frankreich satt, an den Wänden hängen Kistendeckel verlockender Weine – die in der Karte nicht zu finden sind. Die Geflügelleber mit Linsensalat schmeckt ganz passabel, das „Schaumsüppchen von der weißen Bohne“ ist eine dicke, langweilige Pampe, der Lachs in schwarzem Sesam gut gegart – und dann gibt es noch ausgezehrte Entenbrust auf einem riesigen Berg Dörrfrüchte-Couscous, das vor Trockenheit geradezu staubt, ungenießbar. Wir reklamieren, die nassforsche Kellnerin billigt uns Gratis-Kaffee zu, der dann lauwarm an den Tisch kommt. Adieu, Charlotte!

Maison Charlotte, Mittelstraße 20, Potsdam, Tel (0331) 2805450, täglich 12-23 Uhr.

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