Von TISCH zu TISCH : Ars Vini

Lammfondue mit Bananencurrysauce

Elisabeth Binder

Ars Vini, Templiner Straße 7, Ecke Zionskirchstraße, Prenzlauer Berg, Tel. 30609486, geöffnet täglich ab 11 Uhr. Foto: K.-U. Heinrich

Fondue ist besonders zu dieser Jahreszeit ein beliebtes Dinner-Ritual, weil es den Gastgebern erlaubt, überdurchschnittlich viel Zeit mit ihren Gästen zu verbringen. Noch mehr Zeit bleibt nur im Restaurant. Ob es sich beim Ars Vini wirklich um Berlins 1. Fonduelokal handelt, wie es in der Speisekarte heißt, darauf würde ich keine Wette abschließen. Allerdings kann ich mich auch nicht erinnern, schon mal eine so große Bandbreite an Fondues auf einer Karte gesehen zu haben.

In dem geräumigen Ecklokal riecht es nach Käse und Kirschwasser, die Möblierung hat jenen aus Berliner Kneipen geborenen gemütlichen Charme, der seine Wirkung bei auswärtigen Gästen in Vollendung entfaltet. Glas und Stahl hat man in New York und Shanghai nämlich auch zur Genüge. Aber die schlichten braunen Tische und Stühle in hohen Altbauräumen, Holzkisten und Regale mit vielen Weinflaschen, auch ein dickes Weinfass in der Mitte des Gastraums, die alten Lampen und das Flackern der Kerzen kreieren ein sehr typisches Berlin-Gefühl.

Zum Ambiente passt die nette, patente Kellnerin, die gleich zur Begrüßung sagt, dass es keine Weinkarte gibt, weil man Wein lieber probieren sollte, bevor man ihn bestellt. Wir sollten ihr nur sagen, welche Richtung wir mögen, dann würde sie etwas Passendes heraussuchen. Das Glas kostet 4,50 Euro, eine ganze Flasche 15,80 Euro. Wie entschieden uns für fruchtig, rot und trocken, woraufhin sie einen australischen Wein anbrachte, der für seine Herkunft fast etwas herb war. Dem alternativen Rioja schrieb sie einen Erdbeerton zu, den man unter Aufbietung von viel Phantasie von fern erschmecken konnte. Am besten war noch der Rosé, der uns den ganzen Abend von der Fensterbank her anlachte. Das sind sicher saubere Weine, aber nichts, was den geübten Weintrinker auch nur ansatzweise in Verzückung triebe. Der Umgang mit Wasser ist dagegen vorbildlich. 1,50 Euro für eine ganze Flasche, das gibt es viel zu selten.

Vorab gab es zweierlei Sorten Brot, dazu probierten wir die flambierten Chorizoscheiben, deren Cognacjus ein guter Dip für das etwas trockene Brot war. Ringsum dampften auf den Tischen schon die Töpfe, und es freute uns zu erfahren, dass jeder sein eigenes Fondue bestellen kann. Einigungsverhandlungen über die Frage, ob es lieber ein orientalisches Lammfondue mit Bananencurrysauce, ein Fondue Chinois, ein Mozzarella-Schinken-Fondue, ein israelisches oder griechisches Fondue oder doch lieber eines der Käsefondues sein sollte, wären vermutlich schwierig. Das Rumpsteakfondue kann man mit Fleischmengen zwischen 200 und 400 Gramm bekommen, wobei wir 200 Gramm für eine Person ausreichend fanden (16,90 Euro). Die gut geschnittenen Fleischwürfel waren achtbar gewürzt, dazu gab es gemischten Salat, außerdem dreierlei Dips, Barbecuesauce, Mango Relish und Sauce Béarnaise. Ein zweiter schwarzer Topf mit brutzelndem Rapsöl wurde für das bunte Gemüsefondue auf den Tisch gestellt. Wie schon beim Fleisch war auch hier der Teller so überladen, dass die Gemüsestückchen vom Rand runterrollten: Zucchini, Champignons, Auberginen, großzügig geschnitten, dazu eine Schüssel mit Ausbackteig, ein knackiger gemischter Salat mit gutem Dressing und zum Dippen Kräuterquark, Sauce Hollandaise und Sojasauce (12,90 Euro). Die Dips hätte ich mir etwas reichhaltiger gewünscht und in tieferen Schüsseln. Schon bis dahin hatte sich vom fröhlichen Lärm einer Tafel in der Nachbarschaft her der Eindruck verfestigt, dass dies ein nettes Lokal für Familienfeiern sein könnte. Dieser Eindruck bekam einen Extraschub, als wir bei der Schokoladenfontäne anlangten, die es ab vier Personen auf Vorbestellung gibt (15 Euro pro Person). Wir blieben vorerst beim Bratapfel mit Zimt und Rosinen, der einwandfrei zubereitet war (5,50 Euro).

Eine nette Entdeckung. Und es gibt diverse Biersorten als Alternative zu den Weinen, die hier sogar zu Cocktails verarbeitet werden. Da ist zum Beispiel der „Bloody Bordeaux“ mit Johannisbeernektar und Eiswürfeln. Da geriet unsere Abenteuerlust an ihre Grenzen.

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