Von Tisch zu Tisch : Das "Bey" in Charlottenburg

Unsere Autorin isst Carpaccio vom Black Angus Rind und findet: Erstaunlich gut für ein Promi-Restaurant.

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Bey, Knesebeckstraße 33/34, Charlottenburg, Tel. 887 206 67, geöffnet, täglich außer sonntags von 12 bis 24 Uhr. Foto: Q
Bey, Knesebeckstraße 33/34, Charlottenburg, Tel. 887 206 67, geöffnet, täglich außer sonntags von 12 bis 24 Uhr. Foto: Q

Woran erkennt man, dass man gerade ein sogenanntes Prominentenrestaurant betreten hat? An der Vielzahl der Frauen mit langen blonden Mähnen oder schwarzen Locken zum Beispiel, an dem entschlossenen Gesichtsausdruck mancher Topmanager und dem verträumten der Bohemiens, an den großen Designerhandtaschen und Schals, die lässig über beigebraune Stuhllehnen geworfen wurden, an der guten Beleuchtung und der gestärkten Tischwäsche möglicherweise. Und am Patron, dem vielfach erprobten Prominentenwirt Adnan, der omnipräsent ist im Raum und die Seelen ausgewählter Gäste streichelt. Draußen lacht man an Stehtischen gemeinsam den Rauch der Zigaretten weg.

Das Bey ist Adnan Orals zweites Restaurant in Charlottenburg. Der Service bringt schon mit der Speisekarte unaufgefordert eine große Flasche Wasser „Medium“ (5,50 Euro). In dieser Art Restaurant trinken alle viel Wasser, weil es schließlich die Schönheit erhält. Das Olivenöl ist erstklassig, das Brot in Ordnung, die Kellner eilen geschäftig in weißen Schürzen umher. Helle Hölzer an der mächtigen Bar verbreiten eine zurückhaltende Behaglichkeit, brennende Kerzen einen Hauch von Romantik, große Fensterscheiben urbanes Lebensgefühl.

Für ein Prominentenrestaurant ist das Essen erstaunlich gut, normalerweise ist das an solchen Orten oft eine Nebensache, weil es in erster Linie ums Sehen und Gesehenwerden, in zweiter Linie ums Schlankbleiben und erst dann darum geht, dass es auch schmecken soll.

Die hübsch geformte Porzellanplatte trug eine erfreuliche Auswahl guter Vorspeisen. Carpaccio vom Black Angus Rind mit weißem Trüffel, appetitlich frische Sashimi vom Thunfisch mit einem Hauch von Sesam, Lachs mit eingelegtem Ingwer, eine Spur von Ananassalat, einen Spieß mit zartem Hähnchenbrustmedaillon und knackigem Scampi, eine Mozzarella-Tomate-Kreation, dazu gab’s scharf gewürzten Glasnudelsalat (13,50 Euro).

Ein Prominentenrestaurant erkennt man übrigens auch daran, dass die Pizza mindestens getrüffelt sein muss (12,50 Euro). Sah verlockend aus am Nachbartisch, aber wir widmeten uns lieber einem Carpaccio von Jakobsmuscheln und Patagonia Rind mit geräucherten Erbsen und Pinienkernen, einer aparten Kombination (16,50 Euro). Die Pasta ist schon im Mutterrestaurant Darling der Gäste. Hier sind die Penne al dente gekocht und orientalisch inszeniert mit Kokosmilch, Curry, Limettenblättern, knackigem Gemüse und einschlägigen Gewürzen, dazwischen verbergen sich weiche Hähnchenbrustmedaillons (11,50 Euro). Als Hit erweist sich der Lammrücken, zart, sehr schön rosa gegart und gut gewürzt. Lecker sind dazu die Pommes frites aus Süßkartoffeln, in Kombination mit hausgemachtem Aioli eine Köstlichkeit, der man weitere Verbreitung wünschen würde (22,50 Euro).

Man könnte einen Ingwer-Abend ausrufen und mit der Ingwer-Crème-brulée abschließen. Oder aber man beißt in Adnans Apfel, einen Bratapfel, dem man dank einer Hülle aus Pergamentpapier die grüne Herkunft noch ansieht. Gefüllt mit Marzipan und angerichtet auf kühler Vanillesauce passt das Dessert in seiner fruchtigen Leichtigkeit gut zum Vorspeisenprogramm (8,50 Euro).

Während wir das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Speisen so saftig fanden wie die Sashimi, fielen uns bei den Getränken doch einige auf mit einem zivilen Preis-Leistungs-Verhältnis. Man kann zwar auch um die 300 Euro für einen Barolo Riserva loswerden, aber ein frischer Riesling von der Mosel (0,2 für 4 Euro) und ein vergleichsweise leichter Chianti Classico (0,5 für 8,50 Euro) bewähren sich locker als angenehm unaufdringliche Begleiter zum Essen. Außerdem gibt es eine überdurchschnittlich große Auswahl an Digestifs und Dessertweinen. Noch so ein Merkmal von Prominentenrestaurants: Man hält gern etwas länger Hof.

„Bey“ ist ein türkisches Wort für „feiner Herr“. Das ist eine Spezies, die in Kombination mit den entsprechenden Ladys im letzten Jahrzehnt in Berlin überdurchschnittlich rasch gewachsen ist. Sehr zur Freude von Prominentenwirten.

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