Von Tisch zu Tisch : Elysander

Gemüsezwiebel und Limetten-Mousse

Elisabeth Binder

Elysander. Leibnizstraße 45, Charlottenburg, Tel. 922 197 75, montags bis samstags von 17 bis 24 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Auf den ersten Blick wirkt das „Elysander“ wie im Retro-Stil eingedeckt. Unter großen gelben Lampenschirmen glänzen in dem kleinen, durch ein Schaufenster gut einsehbaren Raum frisch gestärkte weiße Tischtücher und Servietten. Windlichter flackern neben Chrysanthemengestecken, an den Wänden finden sich moderne Kunstwerke und Bücher. Alles sehr weiß hier.

Man fühlt sich an die 80er Jahre erinnert, als der Verzehr mehrgängiger Mahlzeiten der gehobenen Cuisine als Ausweis fortgeschrittenen Yuppietums gelten durfte. Lange her. Den Prestigeesser gibt es wieder, nur hat er andere Prioritäten. Der ökologisch gebildete Konsument verlangt Bioessen, und da liegt das Glaubensbekenntnis des Elysander voll im Trend: „Wir verarbeiten ausschließlich biologische Lebensmittel und verwenden nur natürliche Salze ohne Zusatz von Jod oder Fluor. Eine Mikrowelle kommt bei uns nicht zum Einsatz.“ Auch die Weine sind aus biologischem Anbau.

Vielleicht ist das elegante Styling des Biorestaurants vor allem ein Statement. Mag man aus manchen Gerichten so anflugweise das Reformhaus noch herausschmecken, besagt das Drumherum doch, dass Bio schon lange im Establishment der Connaisseure angekommen ist und also nicht mehr Jutebeutel tragen muss. Es darf ein bisschen teurer sein, aber bitte auch gut. Und gut gestylt.

Das Brot vorweg war ein Gedicht, ganz frisch und so suchterzeugend, wie nur hausgebackenes Brot schmecken kann. Der Service war blond, unaufdringlich, aber präzise. Die Tomatensuppe mit Wacholder-Crème Fraîche schmeckte gewichtig, hatte auch eine abwechslungsreiche Konsistenz, ein raffinierter Sattmacher mit feinem weißem Creme-Muster on Top (7,20 Euro). Sehr zart und im wahrsten Sinne des Wortes geschmackvoll war die in Roséwein marinierte Geflügelleber auf einem großen Berg bunter Salate, deren dezentes Dressing der Leber nichts von ihrem geschmacklichen Kürlauf nahm (15,40 Euro).

Bewusst pflegen die Betreiber die deutsche Küche, allerdings in einer neuen Interpretation, in der auch sündhaft kalorienreiche Klassiker den Status des ökologisch Korrekten erreichen. Zum Beispiel Kartoffeln mit Sauerkraut – mit echter Bratwurst oder mit außen schrumpeligen, innen trockenen Tofuwürsten, die über Kreuz liegen auf einem erfreulichen Berg kräftig dunklem Sauerkraut. Die vier Kartoffelhälften drumherum hätten auch gut ein schönes Püree ergeben, aber das ist natürlich Geschmacksache. Mit Senf schmecken die Tofuwürste schon ganz erträglich und tunkt man sie dann noch kräftig in die ebenfalls aufgegossene Barbecuesauce hinein, wirken sie sogar noch etwas achtbarer (15,80 Euro). Trotzdem sind sie vor allem fortgeschrittenen Ökos zu empfehlen.

Es gibt zwar auch Fleischliches, wie Schweinemedaillon (21,80 Euro), aber mehr noch vegetarische Angebote wie die Gemüsezwiebel mit Hirse-Käse-Ragoutfüllung (17,60 Euro). Die dicke Blätterteig-Quiche war gefüllt mit Blumenkohl, Möhren und Brokkoli, dazu kräftig gekräuterte Schafskäsebrocken und Tomatensauce (13,80 Euro).

Zum Dessert gibt es unter anderem Nougatparfait oder Tortenbrie mit Nussfüllung. Ich probierte leichtes Limetten-Quarkmousse an weißer Schokoladensauce: sanft säuerlich im Geschmack, mit Nüssen oben drauf und einem leichten Schokomuster (7,90 Euro).

Der badische Spätburgunder Kreuzhalde aus dem Jahr 2006, ein Bronze-Gewinner im Internationalen Biofach, war betont leicht, fast saftig, hellrot, aber ein durchaus geeigneter Begleiter zum Essen (26,50 Euro). Das Mineralwasser aus Bad Liebenwerda kommt zu einem gesundheitskompatiblen Preis von 5,90 Euro.

Noch nicht getestet haben wir das Versprechen, auf Wunsch auch besonders fettarm und auf Allergiker abgestimmt zu kochen. Die Intention immerhin scheint ebenso zukunftsträchtig zu sein, wie der Ehrgeiz, regionale Produkte ideologiefrei und unfundamentalistisch auf Biobasis zuzubereiten. Leider war es an jenem Abend trotzdem vergleichsweise leer. Aber das muss ja nicht so bleiben.

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