Von TISCH zu TISCH : Fellas

Sauerbraten mit Petersilienwurzelpüree.

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Fellas, Stargarder Straße 3, Prenzlauer Berg, Tel. 40574238, geöffnet täglich von 10 bis 23 Uhr.Foto: Kai-Uwe Heinrich
Fellas, Stargarder Straße 3, Prenzlauer Berg, Tel. 40574238, geöffnet täglich von 10 bis 23 Uhr.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Salate heißen hier „Sportsfreund“ oder auch „Kraftprotz“. Aber die Atmosphäre ist gar nicht so kumpelig, wie es der Name nahelegt. Das Ambiente ist geprägt von den Farben Rot und Braun. Blanke Tische, schlichte braune Holzstühle, abgetretene Holzdielen und im Hintergrund ein Sofa, rote Vorhänge, ein sich drehender Ventilator unter der Decke, Kerzen in Wachs verschmierten Ständern und ein mächtiger Tresen summieren sich zu einer Erinnerung an die Eckkneipe, nur, dass hier alles etwas komfortabler und großzügiger wirkt. Hinter dem Tresen windet sich eine pittoreske Wendeltreppe mit schmiedeeisernem Geländer empor. Wenn es nicht so abwertend klingen würde, dann würde ich denken, dass wir hier gerade eine Gentrifizierung der alten Eckkneipe erleben. Es ist einfach nett, in einem luftigen, großen Raum mit hohen Decken zu sitzen, in dem die Tische nicht zu eng zusammenstehen, so dass die in der Umgebung reichlich vorhandenen jungen Familien auch mal den Kinderwagen mitbringen könnten.

Die beiden alerten jungen Servicekräfte machten ebenfalls den Eindruck einer veredelten Variante des alten Kneipenwirts. Bei jedem Gang durch den Raum nahmen sie die Tische diskret in Augenschein, sie waren freundlich und unaufdringlich. Und sehr fantasievoll. Zum fruchtigschmeckenden Sekt gab es frisch gebackenes und dünn geschnittenes Weißbrot mit Kräuterquark.

Die rote Linsensuppe mit Chorizo schmeckte fast so lieblich wie der Sekt, harmonierte also nicht nur wunderbar mit dem Aperitif, sondern hinterließ auch sonst den guten Eindruck einer hausgemachten Suppe. Die kross gebratenen Chorizoscheiben überraschten uns positiv, weil sie nicht so viel zähes Zeugs in sich hatten wie sonst oft. Die sattgelbe Farbe der Suppe erklärte der Kellner routiniert damit,dass die Linsen ausblichen, wenn man sie nur lange genug koche (5,50 Euro).

Sehr schön war der gratinierte Ziegenkäse auf Birnenscheiben in einem kleinen Salatbukett, weich von der Konsistenz und noch leicht warm (7 Euro).

Das Lammkarree war fleischiger als es aussah, rosa gebraten, die Rosmarinpolenta hätte fester sein können, war aber garniert von einer fein geschnittenen und mit einer aparten Kräutermischung gewürzten Ratatouille (16,50 Euro).

Man argumentiert hier auch bei ungerechtfertigten Beschwerden nicht mit den Gästen, das ist ebenfalls ein Zeichen für Veredelung. Tatsächlich hätte der Sauerbraten deutlich saurer sein können. Ob der vorgefertigt war? Es gab zwei großzügige Scheiben davon, die nicht übertrieben zart wirkten, aber doch noch gut zu schneiden und zu kauen waren. Das Petersilienwurzelpüree darunter schmeckte im Kontrast fast übertrieben weich, dazu gab es eine bissfeste Gemüsekomposition aus Karotten und Kohlrabi (14 Euro).

Ein Quark-Apfelstrudel mit Cranberryzabaione als Dessert schwächelte dann auch ein bisschen, als sei es der Convenience-Küche entsprungen. Hätte man ihn noch mal in den Backofen geschoben, wäre der Eindruck deutlich besser gewesen. Die blasse Zabaione wäre dadurch aber wohl auch nicht zu retten gewesen, da fehlten schlicht noch Preiselbeeren.

Dabei ist die Richtung schon vernünftig: modern interpretierte deutsche Gerichte zu bezahlbaren Preisen. Vielleicht wäre es ein guter Gedanke, die Karte zunächst noch mal zu reduzieren, um auch den wöchentlich wechselnden Saisongerichten eine Chance auf Perfektion zu geben. Die ausgereiften Klassiker des Hauses, besonders das Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat, erfreuen sich bei Stammkunden, wie wir hörten, größter Beliebtheit.

Bei den Getränken sind sie recht gut aufgestellt. Auf einer Wandtafel werden drei aktuelle Empfehlungen abgegeben. Uns lockte aus der kleinen Weinkarte ein Grauburgunder von Dr.Koehler, der laut Beschreibung mit Erdnuss- und Selleriearomen gesegnet sein sollte, aber das war mal wieder die kreative Phantasie, die da vorgeprescht war. Tatsächlich servierte man uns einen leichten, fruchtigen Tafelwein im tönernen Kühlgefäß. Und später noch gute Obstbrände. Auch das rustikalere Berlin gewinnt stetig an Finesse.

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