Essen & Trinken : Von Tisch zu Tisch: Motzarella

Bernd Matthies

Klingt ein wenig nach Pizza-Imbiss, nicht wahr? Das Wortspiel mit dem meist faden Käse und der Schöneberger Straße hat mich lange nicht weiter interessiert - wie soll man auch drauf kommen, dass hinter dem neonblauen Schriftzug so etwas wie die ligurische Botschaft in Berlin steckt? Die italienische Küche in Deutschland differenziert sich immer mehr, notfalls hin zu Gerichten, die es in Italien überhaupt nicht gibt; hier allerdings stehen kreative Strapazen nicht auf dem Programm.

Ligurisch: Das bedeutet Fisch und Meeresfrüchte, Tomaten, Oliven, Knoblauch, was eben so wächst oder gefangen wird am Meeresstreifen zwischen La Spezia und der französischen Grenze, eine für deutsche Zungen mehrheitsfähige Angelegenheit. Das "Motzarella" geht noch einen Schritt weiter und bietet Menüs im italienischen Stil an, sechs Gänge, die ohne viel Aufhebens und Rückfragen auf den Tisch gepackt werden: Man setzt sich, nennt das Stichwort "Cena ligure", und schon geht es los. Ein Überraschungsmenü, wenn man denn so will, und die größte Überraschung besteht darin, was für 45 Mark alles möglich ist.

Einmal kalte, einmal warme Vorspeisen, knapp portioniert und durchweg von guter bis sehr guter Qualität. Paprikaschoten, Bohnen-Thunfisch-Salat, Caprese, gegrillte und gratinierte Auberginen, Auberginen-Caponata mit Rosinen, Kapern, Balsamico... Auch bei den Nudeln leistet man sich keine Aussetzer. Wir mochten besonders die stiftförmigen ligurischen, die nach Landessitte mit Kartoffeln und hübsch festen grünen Bohnenstreifen serviert werden - die Krönung dieser etwas seltsam klingenden, aber wunderbar schmeckenden Kombination ist duftender Pesto, der hier alle Anzeichen hauseigener Fertigung trägt. Konsistenz, Würzung, alles ideal, auch bei den feinherben Tagliatelle mit Garnelen und Mangold.

Die Hauptgänge können da nichts mehr draufsetzen; wir waren indessen mit den drei Mini-Knurrhähnen in Tomatensauce plus kleinem Salat ebenso zufrieden wie mit der gefüllten Putenrolle mit Röstkartoffeln und sehr gut gewürztem Broccoli. Eine Art Tiramisu in flachgelegter Form mit einem Gebäck à la Cassata schloss die Prozedur ab, dazu exzellenter Mokambo-Espresso nebst Grappa - na bitte. Dem kompetenten Servicechef macht es Freude, Flaschenwein zu verkaufen, zumal er einige interessante ligurische Weine zu bieten hat, die es sonst in Berlin kaum gibt. Sehr empfehlenswert sind die Weißen aus der Pigato-Rebe, schlank, frisch, mit animierenden Kräuter- und Fruchttönen für maximal 54 Mark. Am Ende entschwindet der Gast mit einer Zeche von gut 150 Mark für zwei, gut angelegtes Geld.

Skeptiker sollten wissen, dass es auch ein kleines Angebot à la carte bis knapp über 40 Mark gibt, beispielsweise Steinbutt mit Äpfeln, und dass die Räume recht eng sind, die Stühle recht unbequem und die Luft mit fortschreitender Zeit recht dick. Aber das wäre auch schon alles an Kritik über dieses Restaurant.

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