Von TISCH zu TISCH : Osteria Centrale

Gegrillte Calamari und Salat mit Fenchel

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Osteria Centrale, Bleibtreustraße 51, Charlottenburg, Tel. 31013263. Montag bis Samstag 18.30–23.30 Uhr.Foto: Kai-Uwe Heinrich
Osteria Centrale, Bleibtreustraße 51, Charlottenburg, Tel. 31013263. Montag bis Samstag 18.30–23.30 Uhr.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Osteria Centrale trägt ihren Namen der Lage zum Trotz. Sie liegt nämlich am stillen Ende der Bleibtreustraße, wo sich Touristen nur noch ausnahmsweise hin verirren. Man geht auch leicht daran vorbei, die Auslagen der Hut- und Abendkleidergeschäfte lenken leicht ab. Und irgendwie spektakulär sieht das Restaurant von außen auch nicht aus.

Aber wenn man eintritt, umfängt einen auf Anhieb eine ausgesprochen gemütliche Atmosphäre. Nicht die erdrückende Gemütlichkeit, die sich in Schummerlicht und Sofaecken äußert, sondern die saubere, aufgeräumte Gemütlichkeit, die ein Raum ausstrahlt, in dem so ziemlich alles stimmt, obwohl er überhaupt nicht perfektionistisch wirkt. Die Wände sind gleich unterhalb der Decke gesäumt von einem Band unterschiedlich hoher Flaschen, das wie die Installation eines Künstlers wirkt. Auch sonst sind beruhigend viele Flaschen zu sehen und dazu Erdbeeren, Avocados, Birnen und Kürbisse in der Vitrine im Eingangsbereich. Die Tische sind aus schlichtem, glänzendem Holz, gedeckt mit weißen Stoffservietten und freundlich flackernden Windlichtern.

Die Karte liest sich auf Anhieb unspektakulär, kein Gourmet von Graden würde sich davon verführen lassen. Büffelmozzarella mit Tomate und Dorade? Das hatten wir eigentlich schon mal. Spezialangebote immerhin stehen auf einer riesigen Schiefertafel, die an die Tische geschleppt wird. Da geht es schon origineller zu: Thunfischcarpaccio mit Fenchel, teures US-Beef oder Kaninchenleber bestreiten unter anderem das Tagesprogramm. Der Service ist genau so, wie er sein sollte: schnell, unaufdringlich und trotzdem herzlich. Gäste wissen das immer zu schätzen, die Tische sind alle besetzt. Noch mehr aber wissen Gäste gutes Essen zu schätzen, und darum geht es in diesem Restaurant.

Schon das Brot, das zum Aperitif auf den Tisch kommt, ist köstlich mit seiner dicken Kruste. Exzellentes Olivenöl steht schon bereit. Und bald kommen auch die Salate, die erzählen, dass die Kombination Feldsalat, Kirschtomaten und Flusskrebse in der Theorie zwar ein lautes Déjà Vu auslösen kann. Aber auf die Umsetzung kommt es an. Toller Salat, wirklich erstaunlich viele knackige rosa Flusskrebse und punktgenau dosiertes Dressing, alles serviert auf einer schönen Porzellanschale (10 Euro). Auch der Spinatsalat war gut, mit Bacon-Scheiben, feinen Pilzstreifen, Tomatenachteln und dünnen weißen Streifen vom gehobelten Käse. Die eigentlich schon etwas angeschnarchten Klassiker der italienischen Küche mit Liebe zu perfektionieren, ist ein Konzept, mit dem sie hier zu Recht punkten. (9,50 Euro).

Die Spaghetti mit Öl und Chilis sind extra dünn, gut gegart und außerdem mit frischen Kräutern aufgepeppt (8,50 Euro). Deutlich weicher als im üblichen Restaurant-Durchschnitt sind die gegrillten Calamari, man nimmt sich offensichtlich Zeit für die Vorbereitung, eine üppige Portion hübsch angemacht, dazu gibt es einen pittoresken Streifen Knoblauchmayonnaise und einen erstaunlich umfangreichen Salat mit Blättern, Fenchel und knackigen Möhrenscheiben (19,50 Euro).

Das Dessertprogramm klingt so konventionell wie der Rest. Mit dem Vanilleeis mit frischen Früchten kann man hier nichts falsch machen, das wussten wir schon, da wir mit Blick auf die Vitrine saßen. Das Eis schmeckte tief vanillig, die vielen Früchte ringsum, Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren waren ebenfalls von tadelloser Qualität (8,50 Euro).

Wir tranken dazu einen kräftigen Chianti Classico, den wir in der vergleichsweise preiswerten Linie der Hausweine fanden (22,50 Euro). Die Weinauswahl reicht aber bis in dreistellige Qualitäten hinein. Nein, das ist kein billiges Restaurant, in jeder Hinsicht nicht. Aber es passt perfekt in diese Gegend. Wer etwas vom Lebensstil Savignyplatz verstehen will, muss die ausladenden Touristenlokale hinter sich lassen und hierher kommen. Ohne Reservierung wird man unter den zweifellos zahlreichen Stammgästen freilich kaum einen Platz finden.

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