Berliner Stil : An den Hals gewünscht

Beim Berliner Label "Seulement en Detail" gibt es Kragen zum Drunterziehen.

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Dieser Kragen kommt ganz ohne Hemd aus Foto: Seulement en Detail
Dieser Kragen kommt ganz ohne Hemd ausFoto: Seulement en Detail

Das Wort „spießig“ klingt aus Melanie Bauers Mund fast liebevoll. „Ja“, gibt sie offen zu, „diese Kragen haben etwas Spießiges.“ Die Idee, unter einem Pullover oder einem Top keine ganze Bluse, sondern nur den Kragen mit einem bisschen Stoff dran zu tragen, hat ja auch etwas verdammt Knickeriges, ganz davon abgesehen, dass man mit einem Hemdkragen sofort richtig, wenn nicht gar ordentlich angezogen aussieht. Beides passt in die akkuraten fünfziger Jahre, in denen der Blusenstecker zum letzten Mal eine Hochzeit hatte.

Aber seit Luxushäuser wie Valentino und Miu Miu mit Hemden mit reichverzierten Kragen Erfolge feiern, kann man mit dem Betrügerkragen – oder Bescheißerle, wie er in Süddeutschland heißt – modisch wieder etwas hermachen.

Seit zweieinhalb Jahren verkauft Melanie Bauer unter dem Namen „Seulement en Detail“ diese Blusenstecker. Eigentlich ist sie Vertriebschefin der Berliner Agentur Prag. Ein Kunde bat sie, probeweise einen Kragen in Schwarz und Weiß zu produzieren. Da ihr Freund ebenfalls in der Modebranche arbeitet und sich um Produktion kümmert, war es für Melanie Bauer ein Leichtes, ein paar Modelle in Auftrag zu geben.

Zu den Käufern gehören Hipster wie Lehrer

Zu ihrer Überraschung verkauften sich die Kragen vom ersten Tag an richtig gut – und an Kunden, die bisher nicht zu ihrer sehr modisch ausgerichteten Zielgruppe zählten. Die schlichten Modelle werden gern von Lehrerinnen bestellt, die sie in der Schule tragen, oder von der klassischen Kaschmirpulloverliebhaberin, die sich Abwechslung an den Hals wünscht. Die verzierten Modelle dagegen werden von jungen, mutigen Kunden bevorzugt.

Also begann Melanie Bauer, sich auf der sehr kleinen Fläche auzutoben. Stickereien, Lederblumen und Muster aus Swarovski-Steinen, die in derselben Werkstatt in Italien geklebt werden, in der auch Prada fertigen lässt. Es gibt vier Formen, den klassischen Hemd-, den Bubikragen und den mit großen, spitzen Enden, der an die siebziger Jahre erinnert. Gerade verkauft sich der Kragen mit großer, abgerundeter Spitze besonders gut.

Sich mit einem Kragen zu schmücken, ist keine Idee der Neuzeit. Schon die alten Ägypter trugen Kragen aus Metallgliedern, reich verziert mit Edelsteinen als Schmuck. Der eigentliche Kragen entwickelte sich dann in der Zeit des Byzantinischen Reichs in Zentralasien aus einem an das Untergewand genähten Halstuch. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Zeit des austauschbaren Kragens, der sogenannten Chemisette oder zu Deutsch Brustlatz, um sich das häufige Waschen der Hemden zu sparen. Wenig später, als der weiße Kragen das Syonym für saubere Büroarbeit wurde, war dieser auch gern aus Papier oder später Plastik, zum Wegwerfen und Abwischen.

Pragmatisch findet Melanie Bauer auch ihre Kragen. Sie werden gern von Schwangerschaftsläden geordert, weil die Größe beim Kragen keine Rolle spielt.

Die Kragen von Seulement en Detail kann man online unter www.seulementendetail.com bestellen.

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