Fashion Week : Endlich komplett

Volle Messen, mehr Veranstaltungen als je zuvor: Die Modewoche in Berlin hat ein neues Niveau erreicht. Und zum ersten Mal standen nicht das Zelt, die Autos oder die Promis im Vordergrund, sondern die Mode.

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Ab in den Urlaub. Die Fashion Week in Berlin ist zu Ende gegangen.
Ab in den Urlaub. Die Fashion Week in Berlin ist zu Ende gegangen.Foto: dpa

Etwas war dieses Mal anders. Berlin ist nicht mehr entspannt. „Bei mir haben sich einige Journalisten und Händler beschwert, dass sie nicht mehr alles schaffen“, sagt Daniel Aubke von IMG, dem Veranstalter der Mercedes-Benz Fashion Week. Zwölf Kollektion mehr als im Januar konnte man sich in den vergangenen vier Tagen im Zelt am Brandenburger Tor anschauen, dazu kamen noch einmal mehr als 20 Modenschau, die über die ganze Stadt verteilt waren. Damit ist Aubke mehr als zufrieden: „Wir müssen nicht alles machen.“ Und dass man wirklich zu einer Schau hingeht, weil man etwas sehen will, und nicht, weil man Zeit totschlagen muss, gehört zu einer richtigen Modewoche dazu. Das ist die Berliner Ausgabe spätestens seit dieser Woche. „Seien wir doch mal ehrlich, als wir 2007 anfingen, war es keine komplette Fashion Week.“

Und zum ersten Mal standen nicht das Zelt, die Autos oder die Promis im Vordergrund, sondern die Mode. Die großen internationalen Modemagazine wie die Französische Elle und die italiensche Vogue waren nicht nur da, in ihren Onlineausgaben gab es Vorschauen. Und Nachberichte. Noch vor einem Jahr reichte es ihnen, einen bunten Text über die ganze Veranstaltung zu schreiben.

Jetzt denkt IMG perspektivisch über einen fünften Tag nach. „Damit die Redakteure zwischen den Schauen auf die Messen gehen können", sagt Aubke.

Denn auch die hatten soviel wie nie zuvor zu bieten. „Wir könnten noch einen Platz auf unserer Toilette vermieten. Wir sind ausgebucht und haben eine lange Warteliste für die Aussteller", sagt Norbert Tillmann von der Messe Premium.

Fashion Week 2011 - Hugo und Anja Gockel
Und da ist sie wieder, eine der wichtigsten Modeschauen auf der Berliner Fashion Week - die von Hugo.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dapd
08.07.2011 11:46Und da ist sie wieder, eine der wichtigsten Modeschauen auf der Berliner Fashion Week - die von Hugo.

Gerade auf der Premium können die Fachbesucher viele neue und spannende Marken, entdecken. Dieses Mal gab es mehr als 1000 Stände.

Dagegen ist die Bread & Butter auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof eher ein Ort für die Superlative. Hier stellen vor allem Marken aus, die sich bereits auf dem Markt durchgesetzt haben. Passend zum 10-jährigen Jubiläum war Messechef Karl-Heinz Müller nach dem Ende am Freitag immer noch in Feierlaune: „Wir erwarten das beste Ergebnis in Berlin.“ Zum ersten Mal durften nicht nur geladene Modegäste nach Feierabend auf dem Rollfeld auf den Bread & Butter-Partys dabei sein. „Es war eine sehr gute Entscheidung, die Öffentlichkeit zu den Abendveranstaltungen einzuladen – das Konzept werden wir weiterführen. Im nächsten Sommer wird es ein großes Festival geben“, kündigte Karl-Heinz Müller an.

Und dass die Arbeiten junger Designer vor allem als kreatives Feigenblatt für all die kommerziellen und nicht sehr spannenden Präsentation alteingesessener Modefirmen herhalten müssen, ist spätestens seit Freitag nicht mehr als üble Nachrede. Im Vogue Salon im Hotel de Rome ließen sich die wichtigsten deutschen Modeeinkäufer persönlich von der Modechefin Christiane Arp die Kollektionen von René Storck, Vladimir Karaleev, Michael Sontag und Augustin Teboul erklären. Und das sicher nicht nur zum Spaß - in der nächsten Woche erscheint eine 20-seitige Modestrecke in der Augustausgabe des Magazins. Das ist mehr als eine Empfehlung, die Kleider schleunigst zu ordern. Was in der Vogue abgebildet wird, wollen die Leser kaufen.

Die zwei Designerinnen von Augustin Teboul, die ihr Atelier in Neukölln haben, bekamen schon am Freitag einen Scheck von 25 000 Euro überreicht. Sie gewannen den höchstdotierten deutschen Nachwuchspreis „Start your Fashion Business“ des Berliner Senats. Mit ihren schwarzen, handwerklich kunstvoll gearbeiteten Entwürfen hoben sie sich deutlich von den Zweit- und Drittplatzierten ab, die ebenfalls Preisgelder in fünfstelliger Höhe mit nach Hause nehmen durften. „Der Berliner Stil ist, dass es keinen gibt, alles geht, nichts muss“, sagte Jette Joop, als sie den Preis verlieh.

Und bereitete damit der anstrengenden Suche nach einer genauen Definition eben jenes Berliner Stils ein Ende. Schon zwei Tage vorher hatte eine andere Berliner Designerin, Hoai Vo mit ihrem Label Concis, den Modepreis des Verbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie bekommen. Auch die Tatsache, dass es in Berlin inzwischen mehrere Wettbewerbe gibt, deren Höhepunkt nicht der Gewinn einer Flasche Champagner ist, sondern der Anfang einer Karriere, verändert die Perspektive. Findet zumindest Daniel Aubke: „Die Designer müssen nicht mehr verhungern, während sie ihre Kunst zeigen. Jetzt gibt es Schauen, damit die Designer danach davon leben können.“

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