Interview mit Markus Höfels : „Kein Förderverein“

Markus Höfels, Geschäftsführer der Icon Group, über seinen Versuch, einige Berliner Designermarken zu sanieren.

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Markus Höfels. Geschäftsführer der Icon Group.Foto: dpa

Wie enstand die Icon Fashion Group?



Nach sieben Jahren als Modeinvestor in New York zog ich nach Berlin. Dann kam Maike Vollmer und sagte: „Entweder ich höre auf oder ich mache Macqua mit einem Partner zusammen.“ Ich fand ihr Label spannend, daher bin ich eingestiegen. Daraufhin haben viele Designer, die ähnliche Probleme hatten, angefragt.

Es entwickelte sich eine Eigendynamik?

Es gab eine große Resonanz, nachdem ich die Icon Fashion Group gegründet hatte. Alle haben gesagt: „Das müsste noch viel größer sein.“ Aber etwas Großes wollte ich gar nicht aufbauen.

Sie wollten also nicht gezielt in Berliner Mode investieren?

Nein. Für mich war Berlin naheliegend, weil ich hier lebe. Aber die Icon Fashion Group war nie als Berliner Förderverein gedacht.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Unrath & Strano?


Klaus Unrath kam zu mir, als das Label vor der Pleite stand. Wir haben versucht, es zu retten.

Aber die Marke war doch bekannt?

Es gab Aufmerksamkeit durch Prominente, aber Mode muss sich verkaufen. Der Versuch, die Couture von Unrath & Strano tragbarer zu machen, ist nicht geglückt. Das Label hat im vergangenen Jahr 40 000 Euro Umsatz gemacht. Dafür hatten wir 350 000 Euro investiert.

Spielte die Wirtschaftskrise eine Rolle?

Die Krise kommt in Deutschland gerade erst an. Bei Macqua zahlten plötzlich einige Abnehmer nicht mehr.

Sind Sie in Berlin so stark kritisiert worden, weil Sie als erster Modeinvestor besondere Erwartungen geweckt hatten?

Ich wollte hier nie als Großinvestor für die Modeszene auftreten. Es wurde ziemlich viel Unsinn geschrieben, weil viele das Modell gar nicht verstanden haben. Wenn wir uns um ein paar Labels kümmern, ist das noch keine Erfolgsgarantie.

Hat Deutschland Sie überrascht?

Dass die Umsätze hier wirklich so gering sind, hatte ich unterschätzt. Junge Labels werden hier zwar wahrgenommen, aber kaum gekauft. Es gibt keine großen Filialisten, bei denen ein junger Designer auf sinnvolle Ordergrößen kommen könnte. Eine Ausnahme ist das Quartier 206. Die wollen neue Marken entdecken. Aber wer macht das in Deutschland schon?

Eine Marke wie Macqua im Ausland zu platzieren, wäre zu aufwendig?


Nein, genau das haben wir versucht. Die Resonanz war sehr gut. Wir haben zweimal in New York gezeigt, sind dort aber genau in die Krise hineingerutscht.

Zur falschen Zeit am richtigen Ort?

Die großen Departmentstores haben ihre Budgets massiv gekürzt. Sie nehmen nicht so einfach ein neues Label, obwohl sie junge deutsche Designer eigentlich sehr spannend finden. Wir wollten Macqua in einen sicheren Hafen bringen, aber wegen der Krise gab es zu viele Zahlungsausfälle. So wurde es zu riskant, die neue Kollektion zu produzieren.

In Berlin haben in letzter Zeit viele junge Labels aufgegeben. Ist das normal?


Es sind viele Labels entstanden, die können ohne internationalen Erfolg nicht alle überleben. In Deutschland sind die Umsätze zu gering, und bei kleinen Stückzahlen bekommt man keine vernünftigen Preise für die Stoffe und die Produktion.

Wie geht es weiter?

Wir werden nicht weiter investieren, solange ich nicht weiß, ob die Gesellschafter mitziehen. Für den Moment werde ich die Icon Fashion Group ruhen lassen. Lieber gehen wir zwei Schritte zurück. Keiner weiß, wie lange die Krise dauert. Eine Lehre für mich ist, auf keinen Fall mehr Sanierungsfälle zu übernehmen.


Das Gespräch führten Jan Schröder und Grit Thönnissen.

Markus Höfels, 46, ist Geschäftsführer der Icon Fashion Group, die an Designerlabels aus Berlin und dem Ausland beteiligt ist. In New York war er Mitgründer von Proenza Schouler.

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