Mode: Fashion Week Berlin : Marcus Kurz vom Berliner Mode Salon im Interview

Marcus Kurz, Mitbegründer des Berliner Mode Salons, im Interview. Kurz organisiert als Inhaber der Berliner Agentur "Nowadays" seit vielen Jahren Modenschauen.

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Marcus Kurz. Mitbegründer des Berliner Mode Salons.
Marcus Kurz. Mitbegründer des Berliner Mode Salons.Foto: promo

Marcus Kurz, in Berlin findet jetzt der dritte Berliner Mode Salon im Kronprinzenpalais statt – wie ist die Entwicklung seit dem ersten Mal?

Das letzte Jahr hat uns gezeigt, dass wir mit der ersten sehr kurzfristig erdachten Veranstaltung im Januar 2015 nicht falsch lagen und so weitermachen konnten. Vor allem sind es jetzt mehr Designer: von 18 ist die Zahl auf 40 gestiegen.

Etwas verwirrend ist, dass am selben Tag der Vogue Salon im Kronprinzenpalais stattfindet.

Das ist eine eigene Veranstaltung, die von der Vogue initiiert wird. Damit sind es dann 50 Designer.

Wo ist der Unterschied?

Der Vogue Salon kümmert sich um die Newcomer. Die dürfen nur eine bestimmte Zeit dort bleiben. Christiane Arp hat sich gefragt, was passiert eigentlich danach mit meinen Designern? Die können dann im Berliner Mode Salon zeigen.

Kann man im Kronprinzenpalais sehen, was deutsche Mode ausmacht?

Im Unterschied zu allen anderen Veranstaltungen, sind wir die Ersten, die sich ganz klar auf die Fahnen schreiben: Wir unterstützen deutsches Modedesign und wollen es nach außen sichtbar machen. Und das „Berlin“ im Namen steht, hat auch seine Wirkung gezeigt, Ich denke, dass hier ist tatsächlich das Palais der deutschen Kronprinzen geworden.

Braucht es diese Plattform, um das klar zu machen – was der Unterschied zwischen Modedesign und Systemanbietern ist?

Darum geht es. Wir erklären den Verbrauchern, die inzwischen sehr gut informiert sind, wo der Unterschied ist: Da sind die großen Marken, die jeder kennt, aber übrigens, „klopf, klopf“, diese Designer gehören auch noch dazu. Dadurch, dass man das alles unter einem Schirm stattfinden lässt, wird es etwas klarer. Und sie stehen ihrer internationalen Konkurrenz in nichts nach.

Und viele Kunden in Deutschland suchen inzwischen Mode, die nicht jeder hat.

Der Endverbraucher will heute wirklich das Besondere haben. Vor zehn Jahren wurden vor allem die Marken gekauft, die die meisten Werbeanzeigen geschaltet haben. Heute schaut man genauer hin. Das sind die Lorbeeren aus neun Jahren Fashion Week. Magazine wie Vogue, Grazia Gala, Bunte oder Glamour berichten flächendeckend über das Thema. So stößt man auch auf junge Designer, die man tragen möchte. Und gerade für die kleinen Läden geht es im Kampf mit den Onlinestores darum, zu diversifizieren. Wenn alle alles haben, muss man andere Produkte anbieten.

Hat sich die Qualität der Kollektion in den vergangenen neun Jahren verbessert?

Auf jeden Fall. Das erinnert mich an die erste Veranstaltung, die wir zusammen mit der Bread & Butter gemacht haben, einer Off-Schau für Street-Couture im Staatsratsgebäude. Viele Designer sind völlig unvorbereitet auf den Markt gegangen – die hatten noch nicht mal ein Orderformular, das war 2003. In zwölf Jahren haben die ansässigen Designer nicht nur im Niveau der Kollektion stark verbessert, sondern wissen auch, dass ein grosser Teil ihrer Arbeit kaufmännische Arbeit bedeutet.

Im Schnelldurchlauf: Die Berliner Fashion Week im Januar 2016
Besuch aus der Zukunft. Jedenfall so, wie man sich das in den Siebzigern vorstellte ... gesehen bei Emre Erdemoglu.
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19.01.2016 16:56Besuch aus der Zukunft. Jedenfall so, wie man sich das in den Siebzigern vorstellte ... gesehen bei Emre Erdemoglu.

Wird das Fashion Council international wahrgenommen?

Ja, weil ein Council in Deutschland fehlte. Es gibt Verbände, aber die sind industrieller ausgerichtet. Wir wurden sofort angesprochen von der Florentiner Modemesse Pitti, der Europäischen Kommission (High-Level Conference), „Flanders Institut for Fashion“ in Antwerpen. Man wird als erster Ansprechpartner in Sache Mode in Deutschland empfunden, wenn es um Modedesign geht.

Auch weil es international eine Vergleichbarkeit hat? Zum Beispiel mit dem British Fashion Council?

Das BFC ist unser Vorbild, wir stehen in Kontakt, ebenso mit dem „Chambre Syndicale de la Haute Couture“ in Paris und dem „Council of Fashion Designers of America“. Es gibt auch konkrete Themen: Absprachen zu den internationalen Schauenterminen, die Idee eines gemeinsames europäischen Fashion Councils, der Schutz des Kulturguts Mode und alle gemeinsamen europäischen Interessen in puncto Mode.

Wie sieht die aktuelle Förderung aus?

Die zwei aktuell ausgewählten Designerinnen Nobi Talai und Marina Hoermanseder werden ein Jahr begleitet und unterstützt – also noch bis zum Sommer. Dann geht das Fellowship-Programm mit neuen Jungdesignern für ein weiteres Jahr in eine neue Runde.

Kann sich ein Designer melden, wenn er Mitglied werden will?

Die Mitgliederstruktur ist definiert. Momentan sprechen wir die Designer an. Grundsätzlich kann sich aber jeder Designer bewerben. Der Vorstand entscheidet dann über die Aufnahme des jeweiligen Bewerbers. Nachwuchsförderung ist ein wichtiges Thema. Wir profitieren alle davon, wenn der Nachwuchs bei uns rekrutiert wird. Natürlich wollen wir auch die großen deutschen Modeunternehmen als Mitglieder gewinnen, wie Hugo Boss oder Marc Cain.

Gibt es in dieser Saison mehr Defilees im Kornprinzenpalais?

Viele finden die Strahlkraft des Namens interessant. Wir haben viele Designer gefragt: Muss es immer so groß sein oder reicht es vielleicht nicht, auch mit zehn Puppen beim Berliner Modesalon dabei zu sein? Das  war in Berlin in den vergangenen Jahren ja schon etwas anders, die Schauen mussten immer größer und wilder sein. Uns geht es darum, dass Bewusstsein für den Inhalt zu schärfen.

Werden Schauen im Kronprinzenpalais live im Internet übertragen, wie die im Zelt am Brandenburger Tor?

Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, wir sind ein exklusiver Rahmen.

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