Mode für Kinder : So klein, so schick!

Die Bread & Butter präsentiert in einem eigenen Kids Camp Designermarken für die Kleinsten.

Romy Uebel

Die Modebranche hat ein neues, lukratives Betätigungsfeld: Kinderkleidung! Ob Designerlabel oder Jeansmarke – nach Lizenzen für Handtaschen, Sonnenbrillen und Parfüms lancieren immer mehr Hersteller eigene Kollektionen für Babys, Kleinkinder und Teenager. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn in einer Gesellschaft, in der Einzelkinder fast schon die Regel sind, wird der Nachwuchs immer mehr zum gefeierten Happening, da sparen die Eltern nicht am guten Stoff.

Auch wenn die deutsche Realität noch anders aussieht und das Gros der Verbraucher Kinderkleidung beim Discounter kauft, hat die Industrie ihren Wunschkunden bereits einen Namen verpasst: die Latte-Macchiato-Eltern. Selbst mit Marken- und Qualitätsbewusstsein aufgewachsen, stellen diese urbanen, 30- bis 40-jährigen, weltoffenen Zeitgenossen höchste Ansprüche an Vielfalt, Kreativität, Wertigkeit und vor allem an die modische Aktualität der Kleidung für ihre Kinder.

Im Vergleich zu anderen Ländern gibt man sich in Deutschland – ähnlich wie in der Mode für Erwachsene – bislang allerdings pragmatisch. Praktisch sollen die Kinderteile sein und möglichst nicht zu exaltiert. Unsere Kultur, säckeweise gebrauchte Klamotten an Freundinnen weiterzureichen, wäre etwa in Frankreich undenkbar, und in Italien spart Papa lieber am eigenen Anzug, um seiner Principessa die neuen Glitzerballerinas kaufen zu können.

Auf hiesigen Spielplätzen sieht man noch wenig Markenware, stattdessen viele Second-Hand-Kleidchen und T-Shirts. Damit sich dies möglichst schnell ändert und auch in Deutschland mehr von den hübschen Boutiquen für die Kleinen eröffnen, wie man sie aus Mailand, Barcelona oder Paris kennt, präsentiert die Bread & Butter zu dieser Saison erstmals ihr Kids Camp. Geschäftsführer Karl-Heinz Müller gibt damit dem Wunsch der Branche nach einer überregionalen kreativen Plattform in Deutschland Raum.

Auf 2500 Quadratmetern des ehemaligen Flugfeldes zeigen gut 40 Marken ihre Kollektionen für den kommenden Sommer, viele sind zum ersten Mal in Berlin. Die Kleider werden in drei Zeltelementen des Zirkus Roncalli in Szene gesetzt, außerdem sind Aussteller und Besucher eingeladen, ihre Kinder vor Ort betreuen zu lassen. Hier ein Überblick über die interessantesten Labels:

Frech und fernab typischer Hellblau-Rosa-Entwürfe sind die Kollektionen des Pariser Labels Finger in the Nose. Authentizität und Rock’n’Roll-Attitüde bestimmen den Markenkern, in Sachen Trends agiert man auf Augenhöhe mit den Erwachsenen. Der Schwerpunkt der Kollektionen liegt auf innovativen Jeans, mal Stone Washed, mal in Lederoptik. Was für den Sommer 2011 bereitsteht, verrät Designerin Siv Tone Kverneland: „Wir haben rockige Elemente, Einflüsse amerikanischer Workwear, Erinnerungen an Sommercamps, aber auch den Geist der Nouvelle Vague verarbeitet. Wir bringen unter anderem Flamingodrucke, Motorradgrafiken und Vichy-Karos, Chinos und Windbreaker.“

www.fingerinthenose.com

Was geschieht, wenn sich fünf Frauen aus Mode, PR und Medien zusammentun, die gemeinsam 16-fache Mütter sind, zeigt die Geschichte von Bellybutton aus Hamburg. 600 Boutiquen in ganz Europa verkaufen mittlerweile ihre Kinderkleidung, Umstandsmode, Naturkosmetik und Möbel; Stars wie Claudia Schiffer und Jennifer Garner schwören drauf. Bellybutton bietet Qualität im gehobenen Mittelpreissegment und bietet Design fernab des Kaufhauseinerleis. Astrid Schulte, geschäftsführende Gesellschafterin: „Für den kommenden Sommer orientieren wir uns weiter an den Bedürfnissen der Kinder und setzen wieder auf hochwertige Materialien wie weich gewaschene Baumwolle, Cotton-Cashmere-Feinstrick und besondere Denimqualitäten. Wir haben unter anderem einen schönen Blütendruck in Gold für Mädchen und coole Vintagelooks für Jungs.“

www.bellybutton.de

Das Label Scotch Shrunk führt seine wichtigste Eigenschaft bereits im Namen, denn die Jungskollektion aus dem Hause Scotch & Soda bietet geschrumpfte Miniaturversionen der Großen für den modebewussten Nachwuchs. Brandneu ist die Mädchenlinie Scotch R’Belle, die in Berlin ihr Debüt gibt und sich ebenfalls an der Hauptlinie der niederländischen Marke orientiert.

Sämtliche Entwürfe zeichnen sich durch aufwendige Details aus, die Preise sind mit durchschnittlich 50 Euro für eine Jeans und 20 Euro für ein T-Shirt dabei durchaus fair. Für den kommenden Sommer lauten die Inspirationen: Venice Beach, Grunge und Safari. www.scotch-soda.com

Der Name tgkp ( kurz für „the good karma philosophy“) wirkt ein wenig sperrig, doch die Absicht der Berliner Designerin Diana Ernemann ist klar: Nachdem sie viele Jahre die Produktion großer Textilunternehmen in Asien betreute und dabei nicht nur positive Erfahrungen machte, setzt sie mit ihrem 2009 gegründeten Label auf Nachhaltigkeit.

Sämtliche Bodys, Kleidchen, Pullis und Jäckchen für Babys und Kleinkinder sind aus Bio-Baumwolle, fair und umweltfreundlich in der Türkei produziert, die Teile sind saisonunabhängig untereinander kombinierbar und Dank spezieller Oberflächenbehandlung besonders weich. Ernemanns Ausblick auf den Sommer 2011: „Auf der Bread & Butter zeigen wir unsere neuen Organic-Denim-Modelle, außerdem Entwürfe aus spezieller Pepita-Webware und weichem Sommerfleece. Neu sind Mutter-Kind- und Vater-Kind-Sets.“ www.tgkpkids.com

Die Marke Diesel darf sich schon seit vielen Jahren zur Oberliga der internationalen Jeans-Industrie zählen, und auch die Junior-Linie Diesel Kids gehört nach 16 Jahren Marktpräsenz zu den Veteranen. Im Mittelpunkt stehen auch bei den Kindern aufwendige Jeans, bei deren kreativen Waschungen und Schnittdetails man die Expertise des Mutterhauses sieht. Für den Sommer 2011 setzt Artistic Director Bruno Collin auf Denims mit Sprüh-Effekten und Neon-Akzenten. Neu für die Mädchen sind Jeggings, hautenge Denim-Leggings. Urbane Sportarten und Rockmusik lieferten die Inspirationen zu T-Shirts mit farbenfrohen Drucken von Gitarren und Musikmagazincovern.

Zur Bread & Butter präsentiert Diesel einen besonders aufwendigen Stand: In einer riesigen Kuppel werden Filmkulissen aufgebaut, die vom Fachbesucher erkundet werden können. „Be Stupid“ – das augenzwinkernde Motto der aktuellen Kampagne dürfte auch Kindern entgegenkommen.

www.diesel.com

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