Mode für Pastorinnen : Schwarze Kleider mit froher Botschaft

Pastorinnen stand bislang nur die Arbeitskleidung zur Verfügung, die für ihre männlichen Kollegen entworfen wurde. Mit dem Label "Casual Priest" will Designerin Maria Sjödin das ändern.

Ann-Kathrin Riedl
Eigentlich nur durch den Kollar als Arbeitskleidung erkennbar: ein Outfit von Casual Priest
Eigentlich nur durch den Kollar als Arbeitskleidung erkennbar: ein Outfit von Casual PriestFoto: promo

Mit ihren schwarzen, langen Haaren, Lederjacke und Rick-Owens-Jeans wirkt Maria Sjödin, als würde sie Rockstars einkleiden. Tatsächlich bedient die Designerin mit ihrem Label Casual Priest eine ganz andere Klientel: Geistliche. Die Idee kam ihr vor gut 15 Jahren, als sie eine evangelische Pastorin kennenlernte. Die junge Frau bat sie darum, ihr ein modernes Outfit zu schneidern, für den lithurgischen Dienst, aber auch für Hausbesuche oder Besprechungen.

Sjödin entdeckte eine Marktlücke. Zwar ist ein Großteil der evangelischen Geistlichen in ihrem Heimatland Schweden Frauen, eigens für sie entworfene Berufskleidung gab es jedoch lange nicht. "Da wurden Männersachen einfach eine Größe kleiner hergestellt", sagt Sjödin.

Fortan stand ihr Ziel fest: "Ich will, dass sich Frauen im kirchlichen Dienst wohlfühlen und Selbstbewusstsein ausstrahlen." Das erste Kleidungsstück, das die Designerin entwarf, war ein schwarzes Kurzarmshirt aus Jersey mit Kollar, dem charakteristischen weißen Stehkragen. Sie benannte das Modell nach ihrer ersten Kundin "Eva".

Inzwischen bietet sie verschiedene Oberteile sowie knielange Kleider an. "Der Unterschied zwischen Casual Priest und klassischen Marken für Berufsbekleidung ist, dass ich aus der Mode komme und den entsprechenden Blick beibehalte", sagt Sjödin. Dennoch verzichtet sie auf allzu viele Experimente. Ihre Entwürfe sind körperbetont, aber zurückhaltend und dienen nicht dazu, Attraktivität zur Schau zu stellen: "Spielereien wie Spitze an den Ärmeln kommen für mich nicht infrage. Ich will, dass die Trägerin professionell und kompetent wirkt."

Anfragen kommen aus der ganzen Welt. Auch für männliche Geistliche bietet Maria Sjödin inzwischen einige Modelle an, Fokus ihrer Arbeit bleiben aber Frauen. Um ihnen eine Plattform zu bieten, rief sie Pastorinnen dazu auf, unter dem Hashtag #casualprieststories ihre Fotos und Geschichten in den sozialen Netzwerken zu teilen. Kristina Andreasson, eine Pastorin aus London, findet es wichtig, dass es für sie und ihre Kolleginnen Kleidung gibt, die an weibliche Körperformen angepasst ist. "Das zeigt, dass uns in unserem Berufsfeld dieselbe Akzeptanz entgegengebracht wird wie Männern."

Viele Kundinnen von Casual Priest schildern Ähnliches. Sie haben das Gefühl, in den Entwürfen von Maria Sjödin bessere Arbeit leisten zu können. "Als Frau, die sie selbst ist, die sich nicht für ihren Körper schämt und ihn nicht versteckt, schaffe ich eine Atmosphäre, in der sich auch andere Menschen fallen lassen und sie selbst sein können", schreibt Nadia Bolz-Weber, eine Pastorin aus Denver.

Maria Sjödin hat die Zusendungen all dieser Frauen gesammelt und sie in einer Ausstellung gezeigt. Die neue Generation von Geistlichen will nicht mehr als unnahbare Autorität wahrgenommen werden, davon ist sie fest überzeugt. "Ich will mit meiner Kleidung dazu beitragen, sie als Persönlichkeiten sichtbar zu machen", sagt die Designerin.

Mehr Infos im Netz unter www.casualpriest.com

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