Mode: Malaikaraiss : Ein Label zeigt klare Kante

Dass Malaika Raiss Großes vorhat, war immer schon zu spüren. Fünf Jahre nach der Gründung ihres Labels Malaikaraiss ist ihre Mode ein wichtiger Bestandteil der Fashion Week geworden.

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Es läuft. Das Label von Malaika Raiss jedenfalls.
Es läuft. Das Label von Malaika Raiss jedenfalls.Foto: Promo

Die erste Irritation gibt es schon an der Tür zum Atelier von Malaikaraiss. Eine zarte Person mit hellroten Haaren öffnet die Tür – ist das wirklich die Designerin? So mädchenhaft sah sie auf den Bildern aber nicht aus, auch wenn sie sich nach ihren Modenschauen immer mit geröteten Wangen fast schüchtern für den Applaus bedankte.

Immerhin soll es in unserem Gespräch um die Entwicklung ihres Labels gehen. Oder wie ihre neue Presseagentur es etwas hochtrabend nennt: „Neuausrichtung“. Und tatsächlich hat sich die Designerin Malaika Raiss im vergangenen Jahr zu einer wichtigen Größe der Berliner Fashion Week entwickelt. Es ist noch nicht lange her, da wusste man nicht so genau, ob man ihre Mode ernstnehmen kann. Sie ergab kein schlüssiges Bild. Das hat sich spätestens mit ihrer letzten Schau im Sommer geändert. Sie zeigte weite Mäntel, Blousons mit langen Röcken mit hellblauem Wolkenmuster, weich fließende Stoffe. unbeschwert kam das daher, aber eben doch mit einer klaren Linienführung.

Wie sie da an ihrem Chefschreibtisch sitzt, trifft die Neuausrichtung wohl auch auf die Designerin selbst zu. Zielstrebig und trotzdem gelassen sieht sie aus. Immer schon sei sie ernst und zielstrebig gewesen, aber sie sei immer für sehr jung gehalten worden. Jetzt, fast sechs Jahre nach der Gründung ihres Labels, nimmt man es ihr auch ab, dass sie ein Unternehmen leitet. Und das tut sie tatsächlich seit kurzer Zeit ganz alleine – ihr stiller Teilhaber, ein Freund ihrer Eltern ist ausgestiegen. Ohne den hätte sie sich 2010 niemals getraut, sich selbstständig zu machen. Jetzt ist sie 30 Jahre alt und fühlt sich erwachsen. Fast ein bisschen zu sehr. „Manchmal fühle ich mich, als hätte ich 100 Jahre auf dem Buckel! In den letzten Jahren ist so viel wie im Zeitraffer passiert“, sagt sie und stützt den Kopf in die Hände, als wenn sie plötzlich all die imaginären Jahre auf ihrem Rücken spürt.

Diese Regung ist schnell wieder vorbei. Malaika Raiss setzt sich gerade hin und lächelt. All die Erfahrungen haben sie nicht fertiggemacht. Sie haben sie weitergebracht. Das ist nicht selbstverständlich in der Berliner Modeszene. Bei den meisten geht es nach den ersten Jahren abwärts, wenn das Geld und auch die erste Euphorie weg ist und die Aufmerksamkeit von außen nachlässt.

Und nein, bei ihr liegt es nicht daran, dass sich die äußeren Bedingungen in Berlin für Designer in den vergangenen Jahren verbessert hätten: „Die sind noch genau so schlecht wie immer.“ Aber sie habe halt immer weitergemacht. Auch mal mit zwei Jobs nebenbei, wenn es knapp wurde.

Nach fünf Jahren geht vieles von selbst - plötzlich

Und jetzt ist es so, als hätte sie nach mehr als fünf Jahren ihres Bestehens eine magische Wand durchbrochen: „Plötzlich geht vieles von selbst, Läden rufen an, die wir schon seit Jahren beliefern wollen.“ All das, und darauf kommt es schließlich an, sieht man auch ihrer aktuellen Kollektion an, die ist seit zwei Saisons viel runder, stimmiger. Da knallen nicht mehr ein paar Stücke heraus, von denen man weiß, dass sie es nie über ihren Status als Vorzeigeobjekt schaffen. Wie die weiß glänzende Jacke, die dicht an dicht mit runden, bunten Perlen bestickt ist. Viele Leute wollten sie unbedingt haben. Aber eben nicht genug, um die Jacke produzieren zu lassen.

Das ist jetzt anders, ihre besonderen Teile stechen nicht mehr heraus, sondern ziehen sich durch die ganze Kollektion. Wie es auch bei der sein wird, die sie am nächsten Mittwoch auf der Fashion Week präsentiert. Ein von ihr entwickeltes Camouflagemuster mit großen Blumen ist auf Mäntel gestickt, auf Seidenblusen gedruckt und in Jacquardpullover gestrickt.

Auf der Stange. Name mit gutem Klang.
Auf der Stange. Name mit gutem Klang.Foto: Thilo Rückeis

Nicht nur ihre Entwurfsskizzen hängen hinter ihr an einer Pinnwand, auch ein Bild von der Designerin Leyla Piedayesh von Lala Berlin, bei der sie mehrere Jahre nach ihrem Modedesignstudium arbeitet, ein rosafarbenes Ferkel als Glücksbringer und eine Postkarte mit dem Zitat von Karl Lagerfeld: „Heidi Klum? Die kenne ich nicht, die war nie in Paris.“ So wie es da auf Augenhöhe über ihrem Schreibtisch hängt, kann es als ständige Aufmunterung verstanden werden, das Richtige zu tun. Denn auch für Malaika Raiss spielt die französische Hauptstadt keine wichtige Rolle. Und das obwohl jedem Modeschulabsolventen eingebläut wird, dass er von Anfang an international, wenn nicht sogar global denken soll. Denn in Deutschland könne man ja keine ausgefallene Mode verkaufen. Malaika Raiss will das Gegenteil beweisen. Sie hat sich erst einmal um den Heimatmarkt gekümmert. Dafür muss sie natürlich die richtige Kleidung anbieten: „Wir machen keine avantgardistische Mode, wir wollen alles, was wir entwerfen, tragen.“

Und damit jeder sieht, was das ist, zeigt sie ihre Kleidung seit der zweiten Saison auf der Berliner Fashion Week. Dadurch hat sie ihre Marke sehr schnell bekannt gemacht. „Wenn man dich nicht kennt, wirst du nicht gekauft“, sagt die Designerin. Dank der sozialen Medien macht sich eine Schau sofort bemerkbar. Im Januar und Juli verkauft sie in ihrem Onlineshop mit Abstand am meisten, deshalb wird der auch pünktlich zur Fashion Week mit neuer Frühjahrsware aufgefüllt.

Einen richtigen Schub nach vorne hat in den vergangenen Monaten ausgerechnet Darth Vader ihrem Unternehmen verliehen. Seit Oktober verkauft sie vergoldete Anhänger mit Star-Wars-Motiven, verziert mit kleinen Brillanten in die ganze Welt. Im Gegensatz zum Gros der Werbeartikel ist ihr Schmuck so stilsicher, dass er es sogar in die Pariser Trendboutique Colette geschafft hat. Aber wieso darf ein kleines Berliner Modeunternehmen, die Chefin mit gerechnet sind es viereinhalb Mitarbeiter, Schmuck mit dem Todesstern verkaufen?

„Bauchgefühl“, sagt Malaika Raiss. Vor zwei Jahren hat sie aus Jux und Dollerei ein paar Anhänger mit dem Todesstern entworfen. Die kamen so gut bei ihren Freunden an, dass sie beim Lizenzgeber Disney anrief. „Alle haben mich ausgelacht: Ja, ja ruf du mal bei Disney an.“ Sie hatte sofort die richtige Person am Telefon. Der Popularität ihrer Marke hat das auf jeden Fall geholfen.

Die Frühjahrskollektion von Malaikaraiss kann man ab nächsten Dienstag in ihrem Onlineshop malaikaraiss.com bestellen. Da sie auch Teil des Berliner Mode Salons während der Fashion Week ist, kann man ihre Mode jetzt schon im dazugehörigen Pop-up-Shop im Atrium des Kaufhaus des Westens kaufen. Ihre Modenschau wird live am Mittwoch um 11 Uhr auf mbfashionweek.com/berlin gezeigt.

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