Unterwäsche : Je oller, je doller

Bei der Fachmesse "5 Elements" wird Unterwäsche präsentiert. Achtzig Prozent der Kunden sind weiblich. Bei Männern kommt die Liebe zu ausgefallener Wäsche erst mit dem Alter.

Franziska Klün
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Männer interessieren sich angeblich erst ab 50 für Unterwäsche. -Foto: dpa

Markenvertreter sprechen von extrem loyalen Kunden mit einem starken Bewusstsein für Qualität und Komfort. Frauen beschreiben sie vor allem als langweilig. Die Rede ist von Männern und ihrem Verhältnis zu Wäsche.

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Heute öffnet die Fachmesse „5 Elements“ in den Messehallen am Funkturm ein letztes Mal ihre Türen. Dort werden Waren präsentiert, die zu rund 80 Prozent für weibliche Kunden gemacht sind. Warum eigentlich? Wieso schlendern Frauen gerne durch die Wäscheabteilungen der Kaufhäuser, während Männer vor allem pragmatisch denken? Oder, wie Marcel Hossli vom Schweizer Traditionsunternehmen Zimmerli es ausdrückt: „Die Dame ist Einzelstückkäuferin, der Herr neigt zum Paketkonsum.“

Der Mann kaufe gerne acht Unterhosen auf einmal. Der Großteil sei zufrieden, wenn er jeden Tag in einem bestimmten Modell einer bestimmten Marke herumlaufen könne. „Männer sind bequem und mögen keine Experimente, besonders, was die Mode unter der Mode angeht“, fasst Hossli die Ursachen für dieses Konsumverhalten zusammen. „Wenn wir ein Modell aus dem Sortiment nehmen, reagieren viele Kunden hilflos.“ Zimmerli wurde 1871 von Pauline Zimmerli gegründet. Sie gilt als Erfinderin der industriellen Feinrippherstellung. Noch heute sind die weißen Feinrippunterhosen der Verkaufsklassiker des Labels.

Wolfgang Grünenwald, Geschäftsführer von Body Art, sagt: „Die deutschen Männer trauen sich einfach nicht, zu neuen Mustern, Farben und Materialien zu greifen.“ Die letzte erfolgreiche Innovation am Männerwäschemarkt war der horizontale, linkshänderfreundliche Eingriff des Labels Hom vor einem guten Jahrzehnt. Den ließ sich das Haus auch prompt patentieren. Seitdem gehört das Modell zu den Verkaufsschlagern der Marke.

Bei Body Art sind die engen Shorts in mit Reißverschluss in der vorderen Mitte und Glitzerdruck an den Seiten der Verkaufsschlager: „Das Einklemmen von Haaren verhindert ein vor den Reißverschluss genähtes Stück Stoff“, versichert Grünenwald. Body Art gibt es seit Anfang der Neunziger, seitdem arbeitet das Label viel mit schimmernden bis transparenten Materialien, besonderen Mustern und Farben, auch als String.

Mitbewerber sind Bruno Banani, Olaf Benz und L’Homme Invisible. „Unsere größten Absatzmärkte sind Russland, die Niederlande und Frankreich“, sagt Grünenwald. Dort seien Männer und Einzelhandel aufgeschlossener. In Deutschland verkauft Body Art vorrangig übers Internet. „Hier machen sich viele Ladeninhaber Sorgen um ihr Image, wenn sie unsere Waren verkaufen.“ Entgegen allgemeinen Einschätzungen seien die meisten Body-Art-Kunden allerdings keine Homosexuellen, sondern Männer um die 50. Grünenwald: „Je älter der Mann, desto mehr traut er sich.“ 

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