Berlinale : "Distanzierung von der AfD ist eine Ausrede"

Weil der AfD-Parteitag im Kölner Maritim stattfinden soll, nutzte "Premio Bacco"-Preisträgerin Bibiana Beglau ihre Rede, um dagegen zu protestieren.

von
Schauspielerin Bibiana Beglau kommt im Maritim-Hotel nicht gerade in Berlinale-Feierstimmung.
Schauspielerin Bibiana Beglau kommt im Maritim-Hotel nicht gerade in Berlinale-Feierstimmung.Foto: Joachim Baldauf

Zwei Stunden nach Beginn der Veranstaltung im Berliner Maritim-Hotel erschien die Preisträgerin Bibiana Beglau - ausschließlich zur Verleihung des Preises - und ging dann auch sofort wieder. Die Rede im Wortlaut: 

'Ich danke der Jury sehr für diesen Preis! Dass es ein italienischer Preis ist, freut mich besonders. Meine großen Vorbilder Monica Vitti und Anna Magnani kommen aus Italien. Zudem werde ich die vier Tage mit Francesco Rosi 1996 in Rom nie vergessen. Seine Filme, "Hände über der Stadt" oder "Christus kam nach Eboli", sind mir wertvoll. Er stand für ein engagiertes, empathisches und kritisches Kino, das weltweit internationale Anerkennung bekam. Auch auf so aufgeschlossenen Festivals wie der Berlinale. 

In diesem Zusammenhang ist es mir unbegreiflich, wie wir heute hier in einem Hotel der Maritim-Hotelgruppe zusammen feiern sollen. Denn diese Hotelgruppe hat zugelassen, dass die rechtspopulistische Partei AfD ihren Parteitag im April 2017 in ihrem Hotel in Köln ausrichtet. Eine Partei, die zur Ausgrenzung fremder Kulturen und Menschen aufruft. Es reicht nicht, im Nachhinein Björn Höcke Hausverbot zu erteilen, wenn man als Hotelkette - deren Aufgabe es ist, auch Gäste aus fremden Ländern zu beherbergen - doch schon längst den Parteitag einer Partei zugesagt hat, die extrem dafür kämpft, dass alles Fremde aus unserem Land verschwindet. Jede Distanzierung der Maritim Hotelkette jetzt ist eine Ausrede, da sie schon vorher wusste, welche politischen Ziele diese Partei verfolgt. 

Das ist der Grund, warum ich heute Abend in diesen Räumen nicht mit Ihnen zusammen verbracht habe. Eine so große Veranstaltung so kurzfristig in andere Räumlichkeiten zu verlegen war unseren Gastgebern verständlicherweise nicht möglich, da sie erst vor drei Tagen von der Zusammenarbeit der Maritim-Hotelgruppe mit der rechtspopulistischen Partei erfuhren und auch vertraglich an das Haus gebunden sind. 

Ich möchte mich ausdrücklich bei unseren Gastgebern bedanken, welche mir ermöglicht haben, hier meinen Protest deutlich auszusprechen. Vielen Dank

Autor

59 Kommentare

Neuester Kommentar