Ginsterkatzen im Tierpark : Miez, miez!

Sie wiegen kaum mehr als drei Kilo und sind echte Akrobaten. In freier Wildbahn hängt ihr Leben davon ab.

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Ginsterkatzen sind ungefährlich, jedenfalls solang man beim Füttern auf seine Finger aufpasst.
Ginsterkatzen sind ungefährlich, jedenfalls solang man beim Füttern auf seine Finger aufpasst.Foto: imago

Was auch immer sie erschnüffeln, erklettern oder ertasten, für die Ginsterkatzen ist derzeit alles neu. Sie sind die Frischlinge unter den Tierpark-Bewohnern. Offenbar hat sich bei den Schleichkatzen herumgesprochen, dass Berlin hip und Lichtenberg noch bezahlbar ist. Ginger und Gaffel, so heißt das junge Pärchen, brauchten weder Schufa noch Mietschuldenfreiheitsbescheinigung, sie wurden einfach von Nadja Niemann, der neuen Zoologischen Leiterin, aus dem „Zoo in der Wingst“ im Norden Niedersachsens mitgebracht. Drei und sechs Jahre sind die Katzen alt, also längst ausgewachsen.

Seit einigen Wochen haben sie ihr provisorisches Gehege bezogen: in der sogenannten „Affengarage“. Womit über ihre Nachbarn das Wesentliche gesagt wäre. Die Tiere sind ungefährlich, jedenfalls solang man beim Füttern auf seine Finger aufpasst. Sie wiegen kaum mehr als drei Kilo und sind nicht viel größer als Hauskatzen. Deshalb kommt Pfleger Jim Schmitt auch regelmäßig zu ihnen ins Gehege.

Sie sind an den deutschen Winter nicht gewöhnt

Jeder, der mal Handwerker zu Hause hatte, weiß: Wenn ständig jemand ungefragt die eigenen vier Wände betritt, ist das Stress. Um den gering zu halten, besticht Schmitt die Katzen. Meist in Form von Obst und Gemüse – davon können sie gar nicht genug bekommen, aber nur 300 Gramm pro Tag –, dazu Fleisch. Montags zwei Küken, donnerstags gekochte Eier, samstags Hack. Manchmal gibt’s neues Spielzeug. Bei letzterem sind Ginsterkatzen nicht besser als jede Hauskatze: Den aufwendigsten Hightech-Zeitvertreib verschmähen sie für jede x-beliebige Klorolle. Undankbar, aber unterm Strich günstig.

Seit Kurzem hält sich der Spieltrieb in Grenzen, da kuscheln sie sich lieber im warmen Innengehege ein als draußen zu toben. Eigentlich leben Ginsterkatzen nämlich vor allem in afrikanischen Urwäldern und Steppen, deutsche Winter sind sie nicht gewöhnt. Sie entwickeln deshalb auch kaum Winterfell, nur langsam härten sie ab, was die Kälte anbelangt.

Vieles an ihnen sieht überdimensioniert aus

Wenn die Sonne doch mal lockt oder die Affen drinnen Ginger und Gaffel mit ihrem Gebrüll auf die Nerven gehen, dann setzen sie zögerlich die Pfoten vor die Tür und zeigen, was sie am besten können: klettern. Kein Baum ist ihnen zu steil, keine Mauer zu glatt. In freier Wildbahn hängt ihr Leben davon ab. Sie pflücken das Obst von den Bäumen und flüchten nach oben, wenn Gefahr droht.

Beim Balancieren im Geäst hilft den Katzen ihr buschiger Schwanz. Der ist fast so lang wie das gesamte restliche Tier. Vieles an ihnen sieht überdimensioniert aus. Ihre großen Ohren sind ideale Frühwarnsysteme, die schwarzen Kulleraugen sorgen dafür, dass die Ginsterkatze nachts alles im Blick hat. Schwarzweiß, wie bei allen Katzenarten, aber gestochen scharf. Retro-HD, gewissermaßen.

Nicht zuletzt verstecken sich Ginsterkatzen hervorragend. Selbst die Pfleger wurden von den Schleichern ausgetrickst. „Während der Quarantäne waren sie in einem eigentlich leeren Raum, aber als wir reinkamen, war nur eine von beiden da“, erzählt Schmitt. Wie sich herausstellte, hatte es eines der Tiere geschafft, über eine schmale Führungsschiene an die Decke zu gelangen und es sich auf der Deckenlampe gemütlich gemacht. Von dort hat sie einen Überblick, und warm ist es auch noch.

GINSTERKATZE IM TIERPARK

Lebenserwartung:  etwa 20 Jahre

Interessanter Nachbar: Fleckenmusang, Rotscheitelmangabe

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