Kurz und heftig: Das Leben der Brontë-Schwestern : Einsam heult das Hochmoor

Ihr einziger Roman machte Emily Brontë weltberühmt. „Sturmhöhe“ war so wild wie die Landschaft, in der das Buch spielt.

Susanne Kippenberger
Das Hochmoor mit der Ruine Top Withins, das Modell für die Sturmhöhe im Roman stand. Foto: Alamy Stock Photo
Das Hochmoor mit der Ruine Top Withins, das Modell für die Sturmhöhe im Roman stand.Foto: Alamy Stock Photo

Es war Hochsommer. Oder sollte es sein: Am 30. Juli 1841 hatte Emily Brontë Geburtstag. „Wildes, regnerisches Wetter“, notierte sie. 1845, an ihrem 27. Geburtstag, sah es nicht besser aus – „regnerisch, windig, kühl“. Drei Jahre später hatte die Pfarrerstochter zum Wetter nichts mehr zu sagen. Da war sie schon tot.

Die Brontës lebten „in sturmzerzauster Welt“, so hat die Schriftstellerin Muriel Spark ihr Buch über Englands illustre literarische Sippe genannt. Und alle liebten, wie Spark sagt, den Sturm als Metapher. „Wuthering Heights“ („Sturmhöhe“) nannte Emily ihren einzigen Roman, der sie weltberühmt machte und dessen komplexe Geschichte voller Gewalt, seelischer, physischer, sexueller, über Rache, Liebe, Eifersucht, so verzwickt und figurenreich ist, dass jede knappe Nacherzählung unvermeidlich zum Loriot’schen Paradestück würde. Nur so viel: Im Mittelpunkt steht ein Findelkind und Bösewicht namens Heathcliff, der seine geliebte Cathy nicht bekommt. Den Rest – lesen Sie selbst. Gerade ist eine frische, forsche Neuübersetzung von Wolfgang Schlüter erschienen.

Ein Leichentuch als Himmel

Im September blüht Yorkshires Heide purpurrot. An diesem Wintertag 2016 sieht man nur Grau in Grau, der Himmel hängt tatsächlich, so hat es jemand mal beschrieben, wie ein Leichentuch über der endlosen struppig-kahlen Marslandschaft. „Die Horizonte umringen mich wie Reisig den Scheiterhaufen“ beginnt Sylvia Plath ihr Gedicht „Wuthering Heights“. Der Wind fegt eisig durch die Daunenjacken, selbst die Pferde tragen karierte Decken. Dort, wo früher die Schwestern herumwanderten, und sie liefen stramm und meilenweit, stapfen heute ihre Fans herum. Schilder weisen auf Englisch und Japanisch den Weg zu den Highlights im „Brontë Country“. Dabei wurde die Zahl der Japaner inzwischen schon von Chinesen und Koreanern übertroffen.

Die Raufußhühner meckern

Wer leibhaftige Führung möchte, sollte sich an Johnnie Briggs wenden. Der Betreiber der „Brontë Walks“, ein wunderbarer Erzähler, führt nicht nur auf den Spuren der Familie durch ihren Heimatort Haworth (Haueth gesprochen), sondern auch durch die Landschaft der „Sturmhöhe“. Briggs liebt die raue Gegend. Aufgewachsen im Süden des Landes, zog er erst vor 15 Jahren nach Yorkshire, wo seine Familie herkam, er sich „schon immer zu Hause fühlte“. Briggs ist Quereinsteiger, hat früher im Hospiz Sterbende und Trauernde begleitet, das ging ihm zu sehr ans Herz. „Too many stories.“ Dann lieber historische Geschichten. – Zwei Raufußhühner haben was zu meckern, ein Labrador fegt über die weite Steppe. Sein Glück, dass keine Jagdsaison ist, dann müsste er an die Leine.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben