Mads Mikkelsen im Interview : „Weltgrößter Sexappeal? Da gähnt meine Frau“

Bei Mads Mikkelsen muss es krachen. Obstfressende Gutmenschen spielt er nicht. Warum ihm seine Ausbildung zum Tänzer hilft und wie er James Bond aufmischen will.

Marco Schmidt
Der dänische Hollywoodstar Mads Mikkelsen
Der dänische Hollywoodstar Mads Mikkelsen (48)Foto: AFP

Wow, das sieht man heutzutage selten: einen Schauspieler, der in seinem Hotelzimmer raucht.
Ja, ich genieße es, dass man hier in Marrakesch überall qualmen darf. Ich überlege schon, ob ich deswegen nicht hierherziehen soll.

Wo leben Sie denn derzeit? In Los Angeles?
Nein, in L. A. bin ich nur ab und zu, um irgendwelche Hände zu schütteln. Dort zu wohnen, würde mir gar nichts bringen, denn auch meine amerikanischen Filme wurden allesamt nicht in den USA gedreht, sondern in Kanada, Tschechien oder anderswo. Seit 2012 lebe ich sechs Monate pro Jahr in Toronto, wo die Fernsehserie „Hannibal“ produziert wird, und den Rest des Jahres in Kopenhagen – es sei denn, ich drehe gerade irgendwo einen Film.

Kann Ihre Familie Sie überallhin begleiten?
Das ist unser Ziel. Allerdings klappt das leider nicht immer. Beim Dreh der ersten „Hannibal“-Staffel war meine Familie beispielsweise mit mir in Toronto, doch bei der zweiten Staffel gab es Probleme wegen der Schule – da musste ich stattdessen öfters hin- und herjetten, wenn ich mal ein paar Tage freihatte. Alles nicht so einfach. Aber langsam werden meine Frau und ich Profis im Jonglieren mit Terminen.

Wie geht Ihre Frau mit der Tatsache um, dass sie mit einem Sexsymbol verheiratet ist?
Das ist ihr völlig schnurz. So sorgt sie dafür, dass ich nicht abhebe. Als sie vor einigen Jahren hörte, dass ein dänisches Klatschblatt mich zum Mann mit dem weltweit größten Sexappeal gewählt hatte, da gähnte sie erst mal herzhaft. Wir können beide darüber lachen, dass dieses Etikett seither an mir klebt – wir wissen, dass es nicht das Geringste bedeutet. Alle naselang wird doch wieder irgendein neuer „sexiest man“ ausgerufen. Es ist natürlich angenehmer, als wenn man zum hässlichsten Mann der Welt gekürt wird. Aber ich habe ja ganz bewusst viele Rollen gespielt, die dem Sexsymbol-Image völlig zuwiderlaufen.

Hat man Ihnen je nahegelegt, statt der knallharten Actiondramen mehr Liebesromanzen zu drehen?
Nein. Das würde auch nichts nützen: Bei der Auswahl meiner Filmprojekte lasse ich mir von niemandem dreinreden. Und ich stehe nun einmal auf Action – ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich schon mit acht Jahren künstlerisch wertvolle französische Filme reingezogen haben. Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie und bin mit Actionkrachern aufgewachsen: Die Helden meiner Kindheit waren Bruce Lee, Charles Bronson und der rote Korsar. Damals hatte ich noch überhaupt keine darstellerischen Ambitionen – ich wollte einfach genauso ein cooler Pirat sein, ein Ritter, ein Schwertkämpfer. Und jetzt, auf meine alten Tage, kann ich diese Kindheitsträume tatsächlich verwirklichen.

Vor Ihrem Wechsel ins Schauspielfach haben Sie Modern Dance studiert und acht Jahre als Profitänzer gearbeitet. Haben Sie sich auch auf den Tanzflächen der dänischen Clubs ausgetobt
Ich habe nie nur so zum Spaß getanzt. In Clubs fand man mich grundsätzlich am Billardtisch, meistens mit einem Bier in der Hand.

Hilft Ihnen die Tanzausbildung heute bei den körperlichen Herausforderungen mancher Rollen?
Sicher. Ich kenne meinen Körper sehr gut und kann ihn mühelos kontrollieren. Ich überlege mir bei jeder Filmfigur genau, wie sie sich bewegt: langsam und schwerfällig? Oder hektisch und ungeduldig? Meine Tänzererfahrung ermöglicht es mir zudem, meine Stunts selbst zu machen, worauf ich sehr stolz bin.

Haben Sie sich dabei nie verletzt?
Mehrmals sogar. Das gehört einfach dazu, wenn man Actionfilme dreht. Meine schlimmste Verletzung verdanke ich allerdings nicht einem gefährlichen Stunt, sondern meiner eigenen Dummheit: Während der Dreharbeiten zu dem Western „Salvation“ in Südafrika habe ich ein großes, schweres Messer auf meine Hand fallen lassen – und mir dabei fast einen Finger abgeschnitten. Die Wunde infizierte sich, und um ein Haar hätte man den Finger amputieren müsse

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben