Schauspielerin Friederike Kempter : „Ich strebe ein bisschen mehr Größenwahn an“

Privat ist sie Hypochonderin, beruflich fürchtet sie nichts – außer Fummelszenen. Im „Tatort“ gibt es für Friederike Kempter alias "Nadeshda Krusenstern" demnächst eine Beförderung. Und in Berlin steht sie auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm

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Foto: Mike Wolff
Friederike KempterFoto: Mike Wolff

Frau Kempter, Sie waren auf der Berliner „Fritz Kirchhoff“-Schauspielschule. Dort wird auch Fechten angeboten. Haben Sie den Kurs belegt?

Ja. Wobei mir damals schon nicht klar war, warum man das macht. Jedenfalls sind die Grundlagen da, für „Die drei Musketiere“ müsste ich allerdings noch mal nachlegen.

Und Sie haben Geschichte studiert.

Ich habe nur ein paar Vorlesungen besucht, weil ich eigentlich immer schon zum Theater wollte. Stattdessen bin ich durch Zufall zuerst beim Fernsehen reingerutscht. Das war ein ziemlicher Schock, wenn Sie da am Set für eine Sat-1-Serie stehen und gute Schauspieler sehen, wie sie bescheuerte Sätze aufsagen und von A nach B gehen. Ich dachte, ein Geschichtsstudium ist eine gute Schule des Denkens. Es ging mir auch um eine innere Unabhängigkeit, darum, sagen zu können, da ist noch etwas anderes, wenn es mal nicht so mit der Schauspielerei klappt. Aber ich habe das Studium nicht fortgeführt. Ich wollte spielen.

Sie können fechten, interessieren sich für Geschichte, würden Sie gern in einem Kostümfilm mitspielen?

Alles was vom Krimi weg geht, reizt mich. Neulich habe ich mal wieder „Barry Lyndon“ gesehen, von Stanley Kubrick, ein großartiger Film. Hardy Krüger spielt darin einen preußischen Offizier, das hätte ich gern gemacht.

Sie als Ersatz für Hardy Krüger?

Warum nicht? Na gut, dann eben etwas mit knisternden Reifröcken. Auch wenn ich wie heute meist in Jeans rumlaufe, zu Hause habe ich den ganzen Schrank voller Kleider. Lady de Winter, die böse Intrigantin aus den „Drei Musketieren“, die Rolle fände ich toll. Da dürfte ich auch mal drei Stunden in der Maske sitzen, wunderbar.

Stattdessen spielen Sie seit zwölf Jahren neben Axel Prahl und Jan Josef Liefers die Kommissaranwärterin Nadeshda Krusenstern im „Tatort“ aus Münster. Haben Sie wenigstens eine Chance auf Beförderung?

Ich wurde bereits einmal befördert. In den ersten Folgen war ich nämlich nur die Praktikantin. Irgendwann habe ich gesagt, das sollte sich ändern. Ich kann Sie beruhigen, in der nächsten Folge werde ich wieder befördert!

Michael Fitz war Kriminalassistent Carlo Menzinger im Münchner „Tatort“, bis er irgendwann zum Kommissar neben zwei Hauptkommissaren aufstieg. Der ewige Assistent blieb er trotzdem, nach 16 Jahren ist er ausgestiegen.

Dabei hat er es geschafft, in einer Rolle, die nicht so groß angelegt war, einen Eindruck zu hinterlassen. Menzinger war ein Sympathieträger, der sich nicht unterkriegen lässt, auch wenn seine beiden Vorgesetzten ihn mal mies behandeln. Nadeshda ist eine Nebenfigur, es ist schön, wenn sie ab und zu ein bisschen mehr Platz bekommt, gerade in den letzten Folgen gab man mir mehr Zeit zum Spielen. Ambitionen, „Tatort“-Kommissar zu werden, habe ich jedoch nicht.

Der Schauspieler Lars Eidinger hat mal bei uns im Interview gesagt, was er gut kann, ist hinfallen. Worin hatten Sie auf der Schauspielschule gute Noten?

Im Hinfallen würde ich mich mit Lars Eidinger nicht messen wollen. Ich war nie jemand, der in einer Sache besonders gut war. Das heißt, doch, aber das lernt man nicht auf der Schauspielschule: Ich habe keine Angst. Im Privatleben bin ich vielleicht manchmal neurotisch, aber wenn es um die Arbeit geht, habe ich keine Angst.

Sie würden auf ein Pferd steigen, wenn es die Rolle erfordert?

Ja, mit schweißnassen Fingern.

Und privat, was ist denn so neurotisch an Ihnen?

Ich fürchte mich vor 1000 Sachen. Vor dem Tod zum Beispiel.

Das tut doch jeder. Es ist allenfalls überraschend, dass Sie bereits mit 35 daran denken.

Ich finde es absurd, dass wir alle leben, als ob es den Tod nicht gäbe.

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