Sebastian Leber schaltet nie ab : Was uns nach Pokémon Go noch alles blüht

Pokémon Go nervt? Nix da! Das ist erst der Anfang. In den nächsten Jahren werden wir Golf in der Stadt spielen und vor virtuellen Zombies flüchten – mindestens.

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Der Autor.Foto: Mike Wolff

Reingelegt, hier wird nicht über Pokémon Go gestänkert. Im Gegenteil. Die App gehört gefeiert. Vor allem wegen ihres Spielprinzips, der sogenannten „Augmented Reality“. Weil damit so viel möglich ist, dass einem ganz schwindelig wird. Wer jetzt nicht euphorisch ist, fand auch die Mondlandung lahm. Kurz für alle Nicht-Monsterjäger: Augmented Reality bedeutet „Erweiterte Realität“. Und meint, dass der Wirklichkeit etwas Digitales hinzugefügt wird. Was man dazu braucht, steckt in jedem Smartphone. Die Kamera, die unsere Wirklichkeit einfängt. Das Display, das diese Wirklichkeit wieder abbildet – plus all das, was eine App hinzufügt. Bei Pokémon Go sind es eben Monster, und welches gerade eingeblendet werden muss, weiß die App, weil sie über GPS den Standort des Spielers in der realen Welt kennt und festgelegt hat, welche Kreatur wo erscheinen soll. Es ist nur der Anfang.

Ein Schweizer Start-up arbeitet derzeit an einem Golfspiel. Auf dem Display soll der Benutzer dann einen virtuellen Ball abschlagen können. Die App berechnet, wie weit dieser fliegt, und zeigt auf einer Karte, wohin man im realen Leben laufen muss, um ihn wieder auf seinem Bildschirm zu sehen. Nach demselben Prinzip wird es bald möglich sein, dass zwei Menschen auf einer Wiese stehen und sich eine virtuelle Frisbee zuwerfen.

In den USA gibt es bereits Bücher mit Tierzeichnungen. Hält man sein Smartphone über eine Seite, wird der jeweilige Elefant oder das Krokodil dreidimensional und beginnt, übers Buch zu laufen. Aber auch über den Schreibtisch, auf dem der Band liegt. Bald wird es möglich sein, mit solchen virtuellen Wesen zu interagieren. Wer dann mit seiner Hand in der realen Welt durch die Luft streichelt, sieht auf dem Display, wie sich die Katze freut – falls er die richtigen Körperpartien erwischt hat.

Augmented Reality ist praktisch. Etwa bei der Wohnungseinrichtung. Bevor man sich ein Sofa kauft, hält man künftig sein Smartphone in die gewünschte Zimmerecke. Apps werden das Möbelstück hinzurechnen, sodass man sieht, ob Maße und Farben passen. Ikea wirbt schon jetzt mit einer Augmented-Reality-Komponente seiner App. Lädt man diese herunter, heißt es aber: „Die Funktion steht bis zur Veröffentlichung des Katalogs 2017 nicht zur Verfügung.“

Spannender ist die App „Blippar“. Wer sein Smartphone zum Beispiel in Richtung eines Tischventilators hält, bekommt nicht bloß erklärt, dass es sich um einen Tischventilator handelt. Die App listet dessen komplette Funktionsweise auf. Inklusive der Warnung, besser nicht das Schutzgitter um den Rotor zu entfernen. Ganz ausgereift ist Blippar leider noch nicht. Im Praxistest auf Berlins Straßen hält sie ein Parkverbotsschild für eine Ampel, eine Mülltonne für einen Kaffeebecher. Das Brandenburger Tor erkennt sie. Beim Anblick des Anhalter Bahnhofs behauptet die App, es handle sich um eine Ritterburg oder Synagoge.

Es gibt eine App für Wanderer, die anzeigt, wie hoch der Gipfel ist, auf den man sein Smartphone richtet. Eine, die erklärt, welche Flugzeuge gerade am Himmel fliegen. Und es gibt „Zombies, Run!“. Vielleicht die albernste aller denkbaren Augmented-Reality-Anwendungen, aber eine, die fit macht. Auf seinem Bildschirm sieht der Nutzer, wie sich langsam Untote nähern. Da hilft nur, Reißaus zu nehmen, selbst in Bewegung zu bleiben. Man läuft. Und läuft. Immer weiter. Die Macher haben es noch nicht zugegeben, aber es wäre ein Wunder, wenn nicht ein Ertüchtigungsprogramm der Krankenkassen dahintersteckte.

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