Sexismus im Alltag : Als wäre man ein Punkt auf einer Liste zum Abhaken

Aus aller Welt zieht es Menschen nach Berlin. Wer anders aussieht, muss trotzdem hin und wieder mit nervigen Blicken und dummen Sprüchen rechnen. Drei schwarze Frauen berichten aus ihrem Alltag.

von
Jane Chirwa
Jane ChirwaSebastian Muhlig

Was ist für einige das Image der dunkelhäutigen Frau? Sie ist immer gut drauf, laut, stark und etwas verrückt. Manche Männer wollen sie deshalb ausprobieren, mal knacken. Als wäre man ein Punkt auf einer Liste zum Abhaken. In deren Köpfen sind wir eine Partnerin, die witzig und aufgedreht, immer in Stimmung ist und Lust auf Sex hat.

Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob ich lieber mit einem weißen oder schwarzen Mann zusammen sein möchte. Ich kenne Frauen, für die es klar war, einen schwarzen Partner zu haben, weil sie sich von ihm besser verstanden fühlen. Ich weiß auch, was sie damit meinen, aber das Schönste ist doch, wenn man sich begegnet und nicht auf die Haare oder Hautfarbe achtet. Wenn es einfach passt.

Na, du hörst doch bestimmt R’n’B oder? Das ist so eine Frage, die mir das Gefühl gibt, anders zu wirken. Oder ob ich im Sommer auch schnell schwitzen würde? Ja, warum denn nicht? Dieses Gefühl, nicht hineinzupassen, wurde an der Schauspielschule manchmal verstärkt. Oft ist es so, dass auf der Bühne oder beim Film ein bestimmter Typ gebraucht wird: groß, klein, dick, dünn, hell, dunkel. Wenn sie jemanden wie mich suchen, geht es um eine Prostituierte, eine Frau aus einer Ghetto-Familie oder eine Einwanderin. So gut wie nie um eine normale Frau in Deutschland.

Meine Wurzeln sehe ich als Bereicherung an. Mein Vater kommt aus Sambia, meine Mutter aus Deutschland. Als ich fünf war, sind wir von Mannheim nach Friedrichshagen gezogen. An Afrika mag ich das Offene und Lebensfrohe, in Deutschland genieße ich das Zuverlässige und Ordentliche.

In meiner Jugend haben mich diese unterschiedlichen Lebensweisen verwirrt. Ich wusste nicht, wo ich hingehöre, habe meine Haare geglättet, verlängert und wollte europäisch aussehen. Ich hatte den Wunsch, nicht mehr angeguckt zu werden, nicht mehr aufzufallen. Nach Indien, Südafrika und durch Europa bin ich gereist. Und merkte: Meine Heimat ist Deutschland. Selbst wenn es schlimme Momente gab. Vor Jahren sah ich einen Mann auf der anderen Straßenseite, der seine Hand zu einer Pistole formte und so tat, als würde er mich erschießen.

Jane Chirwa, 24, Schauspielerin

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