Berlin : . . . beim Open-Air

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Schwarze Wolkenfronten drängen auf den Gendarmenmarkt zu, als die dunklen Blechbläser des Berliner Sinfonie-Orchesters gerade „Die Macht des Schicksals“ beschworen. 6 000 Menschen hatte sich hier versammelt, um mit einer Jubiläumsgala das 50-jährige Bestehen ihres Orchesters open air zu feiern. Begeisterung brandete nach Verdis Ouvertüre auf, in der Chefdirigent Eliahu Inbal effektvoll die dramatische Spannung zwischen Schönheit und Gewalt betonte – prachtvoll unterstützt durch die schwarzen Himmelsmassen über dem erleuchteten Konzerthaus. Doch dann kippte die Stimmung. Während Günther Herbig den „Bolero“ anstimmen ließ, und erste Zuhörer nach ihren Regenjacken suchten, fegte plötzlich eine staubige Sturmböe über den Gendarmenmarkt. Sofort ließ der Veranstalter das Konzert abbrechen und forderte das Publikum auf, den Platz zu räumen. Der Eintrittspreis für das Konzert wird zurückerstattet.

Ein paar hundert Meter weiter auf der Museumsinsel: „Der Regen kommt um 20 Uhr 30 plus“, sagt der Veranstalter. Er weiß: There’s something in the air tonight. Nicht nur Air auf der Bühne. Cool und in schwarzen Einheitshemden spielen die französischen Retro-Elektroniker ihre ersten Stücke, während hinter ihnen die dunklen Wolkenmassen aufziehen und ein riesiger Vogelschwarm vor dem Dom Sturzflugmanöver fliegt. Das hätte sich kein Event-Designer so schön ausdenken können. Bei den ersten Tropfen, die Erlösung bringen nach der drückenden Hitze, jubelt das Publikum noch. Dann flüchten die meisten Leute unter die Arkaden, einige tanzen im Regen weiter. Air brechen mitten im dritten Stück ab. Roadies bedecken die Instrumente mit Planen, dann räumen sie sie ganz von der Bühne. Nachdem das Gröbste vorbei ist, spendiert der Veranstalter eine Runde Freibier. Das Konzert soll nachgeholt werden. UA / ghl

STURMNACHT

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