1. Mai : Kreuzberg: Weniger Randale als in den Vorjahren

Im Berliner Stadtteil Kreuzberg ist es am Abend des 1. Mai wieder zu Ausschreitungen gekommen. Es flogen Flaschen, ein Auto wurde umgeworfen, mehrere Personen wurden verletzt. Insgesamt blieb es aber weitaus ruhiger als in den Jahren zuvor. Rund 15.000 Menschen feierten friedlich rund um die Oranienstraße. (02.05.2005, 01:29 Uhr)

Nachdem es den ganzen Abend nur vereinzelt Ausschreitungen geben hatte, sammelten sich kurz nach 23 Uhr hunderte Jugendliche am Heinrichplatz und auf der Oranienstraße und bewarfen die Polizei über Stunden mit Flaschen und Steinen. Mehrmals wurde versucht, Mülltonnen in Brand zu stecken. Mehrere, zumeist alkoholisierte Störer wurden festgenommen. Die Polizei zog dennoch eine positive Bilanz: «Trotz der Auseinandersetzungen - an diesem 1. Mai war es so friedlich wie schon lange nicht mehr», sagte ein Sprecher. Auch Augenzeugen berichteten, dass die Stimmung weit weniger aggressiv gewesen sei als in den vergangenen Jahren.

Vereinzelte Randalierer hatten bereits gegen 20:30 Uhr versucht, für die bekannten Gewaltszenen der vergangenen Jahre zu sorgen. In der Mariannenstraße und den angrenzenden Straßen flogen Flaschen und Steine Richtung Polizei, Böller wurden gezündet. Die Polizei zog mehrere hundert Einsatzkräfte zusammen. Immer wieder holten schwarzuniformierte Beamte einzelne Randalierer aus der Menge. Wasserwerfer und schweres Gerät kamen aber nicht zum Einsatz.

Ein Fotograf wurde von einer Flasche am Kopf verletzt und von Rettungskräften aus der Gefahrenzone gebracht. Eine Sanitäterin wurde am Kopf von einer Bierflasche getroffen, als sie einen Patienten behandelte. Die zumeist jugendlichen und oft alkoholisierten Randalierer traten in kleinen Gruppen auf und zogen sich immer wieder in die Seitenstraßen zurück. Um 21 Uhr hatte die Polizei die Störer auseinandergetrieben, die Situation entspannte sich vorerst wieder. Erstmals in seiner Geschichte musste das vom Bezirksamt organisierte «Myfest» nicht abgebrochen werden.

Zahlreiche Anwohner, Zuschauer und Fotografen hatten die Scharmützel verfolgt. Bei jedem Flaschenwurf habe sich ein wahres Blitzlichtgewitter entladen, berichteten Augenzeugen.

Um 18:30 Uhr hatte sich zunächst inmitten des Straßenfestes ein spontaner Protestzug linksradikaler Gruppen formiert. Die Polizei griff zunächst nicht ein. Die rund 1500 linksradikalen Demonstranten liefen vom Heinrichplatz zum Mariannenplatz und von dort weiter Richtung Axel-Springer-Straße.

In der Nähe des Axel-Springer-Hochhauses wurde schließlich ein Auto umgeworfen, vereinzelt flogen Feuerwerkskörper und Flaschen. Die Polizei zog Kräfte zusammen und nahm mehrere Störer fest. Zwei Wasserwerfer fuhren auf. Gegen 20 Uhr war es Augenzeugen zufolge am Axel-Springer-Hochhaus wieder völlig ruhig, nur noch starke Polizeikräfte waren am Ort. Es sei gelungen, den Aufzug zu zerstreuen, hieß es. Den Störern sei es nicht gelungen, Barrikaden zu bauen.

Ein unangemeldeter Protestzug durch das Kiezfest war bereits im Vorfeld erwartet worden: Nachdem die ursprünglich für den Abend geplante «Revolutionäre 1. Mai-Demonstration» linker Gruppierungen von den Initiatoren abgesagt worden war, hatten diese ihre Anhänger aufgerufen, sich statt dessen unter das Festpublikum zu mischen. Von dieser unverblümten Krawall-Ansage hatten sich die Festbesucher jedoch nicht abschrecken lassen. Rund 15.000 Menschen feierten den ganzen Tag über friedlich und ausgelassen. (Tagesspiegel Online berichtete)

Friedliche Maifeier und Demonstrationen

Am Nachmittag waren in Kreuzberg zwei regulär angemeldete Demonstrationen der linken Szene friedlich verlaufen. Laut Polizei hatten sich insgesamt mehr als 2000 Menschen daran beteiligt. Die Polizei hielt sich mit einem Großaufgebot von Beamten in Bereitschaft. Ein Teil der linken Szene war nach Leipzig gefahren, um dort gegen einen Neonazi-Aufmarsch zu protestieren. (Tagesspiegel Online berichtete)

Bei den Walpurgisfeiern am Vorabend des 1. Mai hatte es wieder einzelne Krawalle gegeben. In der Nacht zum Sonntag waren in Berlin- Friedrichshain und Prenzlauer Berg 65 mutmaßliche Randalierer festgenommen worden. Drei Polizisten erlitten leichte Verletzungen. Ein Funkwagen sowie ein Wartehäuschen der Verkehrsbetriebe wurden nach einer Bilanz der Polizei beschädigt. Insgesamt verliefen aber auch diese Feiern deutlich friedlicher als in den vergangenen Jahren. (tso)

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