150 Jahre Berliner Straßenbahn : Berlins Straßenbahn - Nebenrolle in Hollywood

Von „Emil und die Detektive“ bis zu Jason Bourne: Die Straßenbahn spielte in Film und Fernsehen oft die wichtigste Nebenrolle.

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Matt Damon nutzt in "Die Bourne Verschwörung" die Berliner Straßenbahn.
Matt Damon nutzt in "Die Bourne Verschwörung" die Berliner Straßenbahn.Screenshot: Tsp

Das schwarze SUV-Monster des Killers ist bei der Jagd durch Berlin in eine Baustelle geschmettert, aber den beiden knapp entkommenen Opfern geht es auch nicht besser: Gerade noch konnte Martin Harris einer Straßenbahn ausweichen, da misslingt ein Fahrmanöver und das geklaute Taxi landet auf dem Rücken, schlittert funkensprühend über die Fahrbahn, bleibt mitten auf den Gleisen stehen. Und ausgerechnet jetzt kommt die nächste Straßenbahn. Der Fahrer reißt die Augen auf, versucht vergeblich zu bremsen ... Nun, der Film muss weitergehen. In letzter Sekunde können Harris und Mitfahrerin Gina sich aus dem Wagen befreien, bevor die Bahn ihn – krach, knirsch, splitter – auf die Hörner nimmt.

Als BVG-Lehrfilm, der zu besonderer Vorsicht gegenüber Straßenbahnen rät, wäre „Unknown Identity“, der Berlin-Thriller mit Liam Neeson und Diane Kruger, bestens geeignet. Vor erst vier Jahren entstanden, gehört er zu den neueren Filmen, in denen die Berliner Straßenbahnen eine prägende, in diesem Fall zerstörerische Rolle spielten. Auch sie gehören zur 150-jährigen Geschichte dieses Transportmittels, in der Filme anfangs freilich noch gar keine Rolle spielten, aus einem simplen Grund: Die Technik war noch nicht erfunden.

Aber als die Bilder endlich laufen lernten, war die Straßenbahn eines der ersten Motive. Am 1. November 1895 hatten die Berliner Filmpioniere Max und Emil Skladanowsky im Wintergarten ihr „Bioskop“ vorgeführt, die Tram gehörte noch nicht zum Programm. Aber noch aus aus demselben Jahr ist eine Filmsequenz überliefert, die den Alexanderplatz zeigt: im Hintergrund die Hochbahnbrücke, vorne Gleise und zwei noch von Pferden gezogene Straßenbahnwagen. Die Umrüstung auf die „Elektrische“ begann bereits im selben Jahr.

Die Pferdeszene blieb noch ohne Dramatik, es ging nur um’s Dokumentarische. „Emil und die Detektive“ von 1931 war da schon von ganz anderem Format. Im Buch wie im Film muss Emil dem Dieb seines Geldes vom Bahnhof Zoo zum Café Josty am der Ecke Trautenaustraße/Kaiserallee, also an der heutigen Bundesallee, folgen, und das bedeutet: Er muss Straßenbahn fahren, übrigens mit der Linie 177, auf der Leinwand sogar Seite an Seite mit dem zeitunglesenden Erich Kästner, der einen Gastauftritt hat.

Nächster Halt: Ku'damm! Berlins Straßenbahn in Bildern
Berlin-Charlottenburg, 1955. Eine Straßenbahn mit bescheidener Tagesspiegel-Reklame rollt über die Hardenbergstraße am Bahnhof Zoo. Im Hintergrund der Zoo Palast. In diesen Fahrzeugen saß kein Fahrgast - es war ein so genannter "Reklamewagen".Weitere Bilder anzeigen
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21.06.2015 11:20Berlin-Charlottenburg, 1955. Eine Straßenbahn mit bescheidener Tagesspiegel-Reklame rollt über die Hardenbergstraße am Bahnhof...

In der DDR hat es die Straßenbahn zu Fernsehruhm gebracht

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war die Straßenbahn nicht mehr nur zum Fahren da, diente auch als Panzersperre und Deckung im Straßenkampf. In dem sowjetischen Film „Befreiung“ (1969) gibt es im Schlussteil, beim Sturm auf Berlin, solch eine Szene mit qualmendem Waggon und vorbeistürmenden Rotarmisten. Die ersten Nachkriegsjahre spielgelte dagegen die „Berliner Ballade“ von 1948, darin wird die S-Bahn gar zum Symbol für die beginnenden Teilung der Stadt: Zur Linken liest ein grimmig ins Blatt starrender Fahrgast den „Westberliner“, zur Rechten ist es ein ebenso verbissen dreinblickender Leser des Blattes „Der Ostberliner“. Und ohne die ständig vorbeipolternde Tram würden sich die aufsässigen Jugendlichen im Defa-Film „Berlin – Ecke Schönhauser“ von 1957 an ihrem Stammplatz unter der Hochbahn wohl auch nicht wohlfühlen.

In der späten DDR hat es die Straßenbahn – im Westen längst ausgemustert – sogar zu Fernsehruhm gebracht. „Johanna“ hieß eine siebenteilige Serie um eine patente BVB-Straßenbahnfahrerin, die mit ihrer Tatra-Bahn ebenso gut umzugehen versteht wie mit ihrem Brigadekollektiv, dargestellt von Ute Lubosch – ein gegenüber den Nachwendezeiten wohl eher gemütliches Berufsleben.

Obwohl der BVG-Fahrer, der in „Die Bourne Verschwörung“ (2004) eine Tram über den Alexanderplatz lenkt, die wirkliche Dramatik seiner Dienstfahrt gar nicht mitbekommt. Er ist vielleicht über die Demonstranten genervt, die ausgerechnet jetzt über den Platz laufen müssen. Was hinter ihm im Wagen vorgeht, ahnt er nicht.

Die CIA nämlich ist hinter ihrem ehemaligen Auftragskiller Jason Bourne (Matt Damon) her, der eine ihm bekannte Agentin zur Weltzeituhr bestellt hat und wissen will, warum ihm alle an den Kragen wollen. Eine klare Falle, der Platz total überwacht, mit Scharfschützen auf den Dächern, wie soll Bourne da heil rauskommen? Ganz einfach: mit der Straßenbahn.

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